Dr. Benno Kleinhenz, ZEPP, Zentralstelle der Länder für EDV-gestützte Entscheidungshilfen und Programme im Pflanzenschutz, Bad Kreuznach
Dr. Simone Koch und Prof. Dr. Andreas von Tiedemann, Institut für Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz, Universität Göttingen
Dr. Reinhard Sander, ISIP e.V., Bad Kreuznach
Mit der Intensivierung des Rapsanbaus ist in allen Anbaugebieten ein ansteigender Krankheitsdruck des Rapskrebs, oft auch als Weißstängeligkeit (Sclerotinia sclerotiorum) bezeichnet, zu beobachten . Bei optimalen Infektionsbedingungen während der Blüte, die durch die Witterung bestimmt werden, können dann schließlich Ertragsverluste von bis zu 50% entstehen.
| Um diesen zum Teil sehr hohen Ertragseinbußen entgegenzuwirken, hat sich in den letzten Jahren, der prophylaktische Einsatz von Fungiziden zum Zeitpunkt der Vollblüte etabliert. Die alljährliche Entscheidung, ob eine Behandlung gegen den Rapskrebs notwendig ist, kann nicht rechtzeitig durch Befallserhebungen an der Pflanze beantwortet werden. Zum optimalen Spritzzeitpunkt (während der Blüte) sind noch keine Symptome sichtbar. Zudem wird die Behandlung gegen die Weißstängeligkeit durch den sehr engen Behandlungszeitraum und die nur begrenzte kurative Wirkung der Fungizide erschwert. Untersuchungen der letzten Jahre zeigten aber, dass sich eine vorbeugende, routinemäßige Fungizidbehandlung aufgrund der unterschiedlichen Jahreswitterung und schlagspezifischen Gegebenheiten nur selten lohnt. Am Institut für Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz in Göttingen wurde in Zusammenarbeit mit den Pflanzenschutzdiensten der Länder, der ZEPP (Zentralstelle der Länder für EDV-gestützte Entscheidungshilfen und Programme im Pflanzenschutz) und ISIP (Informationssystem Integrierte Pflanzenproduktion) in den letzten vier Jahren das Prognosemodell SkleroPro erarbeitet. Durch dieses Prognosemodell wird auf der Basis von Wetterdaten, schlagspezifischen Daten und einer wirtschaftlichen Schadensschwelle eine Behandlungsentscheidung und ein optimaler Termin prognostiziert. Mit Hilfe von stündlich gemessenen Werten der rel. Luftfeuchte, der Temperatur und des Niederschlages wird ab dem Knospenstadium (BBCH 55) das Mikroklima im Bestand berechnet. |
Diese Bestandesklimadaten sind sowohl Voraussetzung für die Berechnung der weiteren Entwicklung des Rapses bis zum Ende der Blüte als auch für die Berechnung der infektionsgünstigen Stunden. Die anfälligen Stadien des Rapses liegen in einem sehr engen Zeitfenster von Beginn bis Ende der Blüte. Aufgrund der Berechnung der Rapsentwicklung ab dem Knospenstadium bleibt dem Nutzer eine aufwändige Beobachtung seiner Rapsschläge erspart .
Das Prognosemodell SkleroPro steht im Internet unter www.isip.de bereit. Auf einer Karte bekommt der Anwender eine regionale Übersicht über die vorhandenen Wetterstationen, für die eine Prognose berechnet wurde (Abb. 1). Nach Auswahl des Zeitraums, in dem das Knospenstadium eingetreten ist, wird durch farbige Wolkensymbole angezeigt, ob eine generelle Gefährdung der Schläge vorliegt.
Abb. 1: Regionale Ergebnisübersicht von SkleroPro

Eine geringe Befallsgefahr wird durch eine grüne Wolke angezeigt. Eine gelbe Wolke weist daraufhin, dass eine Gefahr besteht und durch weitere Eingaben das individuelle Schlagrisiko berechnet werden sollte. Für diesen speziellen, schlagbezogenen Zugriff auf das ISIP-Portal ist gegen eine geringe Jahresgebühr ein Passwort erhältlich, das Interessenten unter www.isip.de unter dem Menüpunkt [Service] erhalten können.
Auf der Basis der täglich berechneten Rapsentwicklung werden dann die infektionsgünstigen Stunden für den Schadpilz berechnet. Abbildung 2 zeigt, wie das Prognosemodell durch die zusätzliche Eingabe
die Wirtschaftlichkeit einer Maßnahme berechnen kann. SkleroPro prüft anhand aktuell gemessener Wetterdaten, ob so starker Befall durch Weißstängeligkeit zu erwarten ist, dass eine Fungizidmaßnahme wirtschaftlich sein wird.
Abb. 2: Schlagspezifische Eingaben für das Modell SkleroPro

Die Berechnungsergebnisse der individuellen Prognose werden dem Anwender in einer Tabelle angezeigt (Abb. 3). In dieser Tabelle sind noch einmal die Eingabe- sowie die Ausgabedaten aufgelistet:
Abb. 3: Berechnungsergebnis von SkleroPro

Überprüfung des Prognosemodells SkleroPro
Die Zuverlässigkeit des Modells SkleroPro wurde anhand von 106 Feldversuchen aus den letzten 11 Jahren geprüft. Dabei hat sich gezeigt, dass das Modell in 70% aller untersuchten Flächen eine exakte d.h. wirtschaftliche Behandlungsentscheidung lieferte, in 24% der Fälle eine Behandlung eigentlich nicht nötig gewesen wäre und nur 6% der Entscheidungen zum Unterlassen eigentlich erforderlicher Behandlungen geführt hätte (Abb. 4).
Abb. 4: Treffgenauigkeit von SkleroPro
Es zeigte sich weiterhin, dass 65% der routinemäßigen Fungizidmaßnahmen zur Blüte (108 ausgewertete Versuche) nicht wirtschaftlich waren (Abb. 5). Hier liegt ein enormes Einsparpotenzial, dass mit Hilfe des Prognosemodells ausgeschöpft werden kann, weil aufgrund der jährlich schwankenden Jahreswitterung und der unterschiedlichen standort- bzw. schlagspezifischen Faktoren eine Blütenbehandlung nicht in jedem Jahr wirtschaftlich ist.
Abb. 5: Wirtschftlichkeit der Routinebehandlung

Eine nähere Aufschlüsselung der wirtschaftlichen Aspekte der Vorhersage zeigt, dass durch die Behandlung nach Empfehlung von SkleroPro ein Mehrertrag von durchschnittlich 5 dt/ha erzielt werden konnte, entsprechend einem Mehrerlös von 29 ?/ha. Der erforderliche kostendeckende Mehrertrag für eine Blütenbehandlung lag für den betrachteten Zeitraum der Versuche 1994-2005 bei 4,3 dt/ha. Bei Behandlungen entgegen der Empfehlung von SkleroPro konnte im Durchschnitt nur ein Mehrertrag von 1,5 dt/ha erreicht werden. Dies verursachte Verluste von durchschnittlich 50 ?/ha. Anhand dieser Ergebnisse wird deutlich, dass durch das Prognosemodell SkleroPro im Vergleich mit einer ortsüblichen bzw. routinemäßigen Fungizidapplikation gegen Rapskrebs eine deutlich bessere Wirtschaftlichkeit bei reduziertem Pflanzenschutzmittelaufwand realisiert werden kann. SkleroPro empfiehlt aber nicht nur, ob eine Behandlung durchgeführt werden soll, sondern prognostiziert auch den günstigsten Termin dafür. Daher wurde weiterhin untersucht, ob die exakte Terminierung der Blütenbehandlung durch SkleroPro einen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit hat. Hierfür wurden in 20 Feldversuchen in Zusammenarbeit mit den Pflanzenschutzdiensten der Länder die Behandlungen nach SkleroPro und die Routinebehandlung miteinander verglichen. Die beiden Varianten unterschieden sich nur in der Terminierung der Fungizidapplikation, bei allen Versuchen wurde das Fungizid Cantus (Aufwandmenge 0,5 l/ha) eingesetzt. Im Vergleich zu der Routinebehandlung konnte dabei durch das neue Prognosemodell SkleroPro ein durchschnittlicher Mehrertrag von 0,6 dt/ha erzielt werden, womit ein Mehrerlös von 14 ?/ha realisiert wurde. Dies zeigt, dass nicht nur die Entscheidung für oder gegen eine Blütenbehandlung eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung der Weißstängeligkeit spielt, sondern das auch durch den richtigen Einsatztermin der Blütenbehandlung noch höhere Erlöse erzielt werden können.
Fazit
Das Modell SkleroPro wurde von den Pflanzenschutzdiensten der Länder auf Versuchsflächen getestet. Die Überprüfung des Modells hat gezeigt, dass mit dem Modell eine Verringerung des Fungizideinsatzes in der Größenordnung von 30-40% im Vergleich zur bisher praktizierten Routinebehandlung erreicht werden kann. Dies ermöglicht dem Landwirt nicht nur eine umweltschonendere Bewirtschaftung seiner Flächen, sondern auch eine maßgebliche Verringerung der Bekämpfungskosten. Mit Hilfe von SkleroPro können Einsparungen bei der Blütenbehandlung von bis zu 50 ?/ha im Vergleich zu einer Routinebehandlung erreicht werden.
Mit diesen vorliegenden Ergebnissen kann SkleroPro als sichere Entscheidungshilfe eingestuft werden. Die Trefferquoten liegen zwischen 70 und 80%. Da das Modell eher zu einer Überschätzung des Befalls neigt, bietet es ausreichende Sicherheitsreserven. Es wird ab 2006 im Internet (www.isip.de) sowie auszugsweise über die üblichen Warndienstmedien der Praxis zur Verfügung gestellt. Außerdem werden auch in 2006 bundesweit weitere Versuche angelegt, um zukünftig noch bessere Ergebnisse mit dem Modell erzielen zu können.
RAPS 2/2006 (24. Jhg)