Blattkrankheiten in Zuckerrüben

Christian Wolff, Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt, Dezernat Integrierter Pflanzenschutz, Silberbergweg 5, 39128 Magdeburg,
Dr. Reinhard Sander, ISIP e.V., Rüdesheimer Str. 60-68, 55545 Bad Kreuznach,
Dr. Benno Kleinhenz, ZEPP, Rüdesheimer Strasse 60-68, 55545 Bad Kreuznach 

Nutzung des Pflanzenschutz-Warndienstes bei der Bekämpfungsentscheidung

Durch verschiedene agronomische Faktoren wurde der Infektionskreislauf von Cercospora beticola in den letzten Jahren insgesamt zunehmend begünstigt. Das hat zu einer kontinuierlichen Ausbreitung der Krankheit auch in den bis vor wenigen Jahren nicht zu den Hauptbefallsgebieten zählenden Regionen Mitteldeutschlands geführt. Abhängig vom jeweiligen Witterungsverlauf werden seit dem auch hier auf manchen Schlägen Befallswerte erreicht, die deutlich negative Effekte auf Ertrag und Qualität erwarten lassen. Die Entwicklung der Befallshäufigkeit und vor allem der Befallsstärke sind wesentliche Faktoren, von denen der wirtschaftliche Einfluss der Krankheit abhängt. Besonders feucht-warme Perioden fördern die Ausbreitung im Bestand. Der Zeitpunkt des Epidemiebeginns spielt für die weitere Entwicklung ebenfalls eine große Rolle. Die Bekämpfungsentscheidung an sich und die Bestimmung des optimalen Behandlungstermins sind aufgrund der Vielzahl von Einflussgrößen und auch im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit des Fungizideinsatzes schwierig.

Der amtliche Pflanzenschutzdienst Sachsen-Anhalt bietet in Zusammenarbeit mit der Zentralstelle der Länder für EDV-gestützte Entscheidungshilfen und Programme im Pflanzenschutz (ZEPP), dem ISIP e.V. (ISIP: Informationssystem Integrierte Pflanzenproduktion, das gemeinsame Online Beratungsangebot der Bundesländer und Landwirtschaftskammern zur Pflanzenproduktion) und den drei in Sachsen-Anhalt vertretenen Zuckerunternehmen (Nordzucker, Diamantzucker und Südzucker) umfassende Informationen zu diesem Thema im Rahmen seines Pflanzenschutz-Warndienstes an. Hauptbestandteile sind das Monitoring zu Blattkrankheiten, die Prognosen zum Erstauftreten und zur schlagspezifischen Befallsentwicklung (CERCBET 1 und CERCBET 3) und die Ergebnisse aus umfangreichen Versuchsprogrammen. Dieser Service steht in ähnlicher Form auch für die Anbaugebiete in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Thüringen, Sachsen, Brandenburg und  Rheinland-Pfalz zur Verfügung.

 

Monitoring

Vom amtlichen Pflanzenschutzdienst und der Zuckerindustrie mit ihren beratenden Institutionen werden in den Hauptanbaugebieten auf einer Vielzahl von Einzelflächen umfangreiche Bonituren durchgeführt, in die neben Cercospora auch die anderen Blattkrankheiten, wie Echter Mehltau, Ramularia und Rübenrost, einbezogen sind. Hierzu wird auf den Boniturschlägen von 100 Pflanzen jeweils ein Blatt aus dem mittleren Blattapparat entnommen und auf Symptome von Blattkrankheiten bonitiert (100-Blatt-Rupfmethode). Die Ergebnisse werden von Anfang Juli bis Mitte September wöchentlich aktualisiert im Internet unter www.isip.de dargestellt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Darstellung der Standorte des Monitorings Blattkrankheiten in Zuckerrüben, Sachsen-Anhalt 2004 unter www.isip.de

 

Neben der aktuellen Befallsentwicklung auf den Einzelschlägen können hier auch die regionalen Beratungsempfehlungen eingesehen werden. Mit Hilfe direkter Links gelangt man zu den Prognoseprogrammen CERCBET 1 und CERCBET 3, die in diesem Jahr unter www.isip.de bereit stehen.

Prognose CERCBET1

CERCBET1 prognostiziert das Erstauftreten von Cercospora beticola in einer Region. Als Region wird allgemein der Geltungsbereich einer Wetterstation bezeichnet.

Zur Zeit erfolgen die Berechnungen für Wetterstationen aus zehn Ländern, wobei die aktuellen Daten von eigenen Stationen der Pflanzenschutzdienste und vom Deutschen Wetterdienst stammen. Abbildung 2 zeigt die Prognoseergebnisse für Sachsen-Anhalt. Auf der Landkarte sind alle Wetterstationen, mit deren Daten die Prognosen gerechnet werden, durch ein Wolkensymbol dargestellt. Durch einen Klick in die Karte gelangt der Nutzer zu weiteren Informationen, d.h. zu einem aktuellen Kommentar der zuständigen Beratungsstelle und zu einer Auflistung der Prognoseergebnisse aller Wetterstationen innerhalb eines Beratungsbezirkes.

Abbildung 2: Überblick über die Prognoseergebnisse am Beispiel Sachsen-Anhalt

 

 

Das Prognosemodell bildet aus der Temperatur und der rel. Luftfeuchte Summen, aus denen dann unter Berücksichtigung weiterer Kenngrößen Termine für das regionale Erstauftreten abgeleitet werden. Diese Kenngrößen sind die Länge der Rotation, das regionale Anbauverhältnis für Zuckerrüben (prozentualer Anteil mit Zuckerrüben bestellter Ackerfläche) und der klassifizierte Cercospora-Endbefall aus dem Vorjahr.

Bei geringem Endbefall im Vorjahr, weiter Fruchtfolge und geringem Anteil Zuckerrübenfelder in der Region ist mit späterem Krankheitsauftreten zu rechen. War dagegen der Endbefall im Vorjahr hoch, die Fruchtfolge eng und ist der Anteil Zuckerrübenflächen in der Region hoch, so muss mit deutlich früherem Erstbefall gerechnet werden.

CERCBET1 berechnet auch den Anteil befallener Flächen in der Region. Wenn das Modell den Termin ausgibt zu dem 50 % der Felder befallen sein werden, ist es angeraten die Zuckerrübenfelder auf ersten Befall zu kontrollieren. Diesen Termin können sich registrierte Nutzer auch per E-Mail oder SMS automatisch zusenden lassen.

Prognose CERCBET3

CERCBET3 ist ein schlagspezifisches Modell, dass ausgehend von einer einmaligen Erhebung zur Befallshäufigkeit (Anzahl Blätter mit Cercospora-Befall von 100 entnommenen Blättern insgesamt) den weiteren Befallsverlauf berechnet. Dazu werden die Wetterdaten (Temperatur,  rel. Luftfeuchte, Niederschlag), die Fruchtfolge, das Anbauverhältnis und der Endbefall des Vorjahres verarbeitet.

Als Ergebnis wird bis zum 1. Fungizideinsatz das Überschreiten der terminbasierten Bekämpfungsschwellen, bis zum 31. Juli 5 % kranke Blätter, bis zum 14. August 15 % kranke Blätter, ab dem 15. August 45 % kranke Blätter, prognostiziert und damit der optimale Termin für eine Fungizidbehandlung empfohlen. Die Ergebnisse der individuellen Prognosen werden für jeden Schlag angezeigt (siehe Abbildung 3).

Abbildung 3: Anzeige der schlagbezogenen Prognoseergebnisse

 

 

Mit Hilfe einer zusätzlichen Funktion, welche die Wirkung der ersten Fungizidmaßnahme abschätzt, kann das Prognosemodell berechnen, ob eine zweite oder unter besonderen Umständen sogar eine dritte Maßnahme erwogen werden sollte. Nach der ersten Behandlung kommt nur noch die 45 % Schwelle zur Anwendung (siehe auch Abbildung 4).

Abbildung 4: Grafische Darstellung des berechneten Befallsverlaufs

 

Zur Nutzung von CERCBET3 können Landwirte in ISIP Schläge anlegen, für die sie die individuellen Daten zugriffsgeschützt speichern können. Diese Daten werden mit tagesaktuellen Witterungsdaten verknüpft, um spezifische Prognosen für jeden einzelnen Schlag zu berechnen. Über einen Benachrichtigungsservice können auch bei CERCBET3 Warnhinweise bei Überschreiten der Bekämpfungsschwellen per E-Mail oder SMS versandt werden.

Fazit

Der amtliche Pflanzenschutzdienst bietet zusammen mit der ZEPP und dem ISIP e.V. umfassende Informationen rund um die Blattkrankheiten der Zuckerrübe, die dem Landwirt die Bekämpfungsentscheidung wesentlich erleichtern. Zugang zu diesen Informationen haben jedoch nur angemeldete Nutzer. Die Anmeldung kann über die einzelnen Bundesländer oder direkt unter www.isip.de erfolgen. In der Regel ist der Zugang in den verschiedenen regionalen Warndienst-Abonnements enthalten. Die jährlichen Gebühren für Landwirte liegen dann je nach Warndienst zwischen 20 und 75 ?.

Zuckerrübe 4/2005 (54. Jhg.)

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