Ackerbau – Schilf-Glasflügelzikade in Zuckerrüben und Kartoffeln
Wichtige Informationen aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis vom 26.08.2025
„Die Schilf-Glasflügelzikade ist Überträger eines Proteobakteriums und eines Phytoplasmas aus der Stolbur-Gruppe,“ so die langjährig versierte Pflanzenschutzberaterin K. Simon vom Landwirtschaftsamt Donaueschingen. In der Folge ein Kurzbericht der Eschinger Expertin mit einer ersten Einschätzung der diesjährigen, regionalen Befallssituation.
Die Bakterien besiedeln die Leitbündel von Zuckerrüben-, Kartoffel- und anderen Gemüsepflanzen und verursachen die Krankheiten Stolbur oder SBR, welche große Schäden und Ertragsverluste verursachen. Im Norden Baden-Württembergs sind diese schon weit verbreitet (Hot-Spot-Region). Im Schwarzwald-Baar-Kreis wurden dieses Jahr ein Monitoringstandort in den Zuckerrüben und einer von der LTZ Außenstelle Donaueschingen in den Kartoffeln betreut.
Nach dem Fang der ersten Schilf-Glasflügelzikaden fand eine Untersuchung auf Beladung mit den Bakterien statt. Dabei wurde das Proteobakterium nachgewiesen. Im Moment sind es noch Einzelfänge der Zikade. Eine Behandlung der infizierten Pflanzen ist nicht möglich. Daher müssen gegen die Verbreitung und Vermehrung der Zikade präventiv ackerbauliche Maßnahmen zum Einsatz kommen.
Untersuchungen haben gezeigt, dass vor allem das Aushungern der Nymphen im Boden dabei eine wichtige Rolle spielt. Dies gelingt am besten durch eine lange Schwarzbrache. Die Zikaden haben ein weites Wirtsspektrum, darum ist es wichtig auch die Unkräuter dabei im Blick zu behalten. Blühmischungen können leider ebenfalls ein Risiko darstellen. Eine späte Sommerung nach Kartoffeln und Zuckerrüben zeigte in Versuchen eine Reduktion der Zikaden.
Der Anbau von Winterungen einschließlich Wintergetreide ist auch möglich. Dabei sollte das Wintergetreide in der Fruchtfolge dann aber z.B. nach Mais, nach Raps oder nach Soja stehen und nicht nach Kartoffeln oder Rüben, da sich die Zikade in Getreide ebenfalls sehr gut entwickelt.
Praxistipps: Eine tiefere mechanische Bearbeitung direkt nach der Ernte kann eine weitere positive Wirkung haben, da hier die Nymphen teilweise erschlagen werden. Alle Maßnahmen sollten aber gebietsweise erfolgen, um den größtmöglichen Erfolg zu erzielen. Ob schon Schäden in Ihren Kulturen auftreten, können Sie jetzt kontrollieren. Entnehmen Sie dazu auffällige Pflanzen und schneiden Sie sie auf. Der Rübenkörper hat verbräunte Leitbündel und bei den Kartoffeln zeigen sich kleine weiche Knollen mit ebenfalls verbräunten Leitbündeln.
Hinweis: Die Union der deutschen Kartoffelwirtschaft e. V. (UNIKA) hat zum Thema Glasflügelzikade ein Merkblatt herausgegeben, dass Sie unter folgendem Link finden.