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Hilfe zu Kraut- und Knollenfäule - Befallserhebungen und Prognose

Die Bereitstellung der Prognosemodelle für diesen Krautfäulewarndienst erfolgt durch die "Zentralstelle der Länder für EDV-gestützte Entscheidungshilfen und Programme im Pflanzenschutz (ZEPP)". Weitere Informationen zu ZEPP unter www.zepp.info.

Zielstellung

Mit dem Programm SIMBLIGHT1 wird der Epidemiestart der Krautfäule der Kartoffel (Phytophthora infestans) berechnet. Dieser ist mit dem Behandlungsbeginn gleichzusetzen. Ziel ist es, den optimalen Tag für den Behandlungsbeginn prognostisch zu ermitteln. Das Modell ist für Schläge ohne Anbauverfrühung und Beregnung einzusetzen. Das Modell kann im Zeitraum ab der Pflanzung bis 7 Tage nach Auflauf auch besonders hohe Bodenfeuchte berücksichtigen. Hohe Bodenfeuchte gilt dann, wenn der Schlag an min. 4 aufeinander folgenden Tagen nicht befahrbar war. Die Angabe der hohen Bodenfeuchte muss durch den Nutzer bei der Eingabe der Referenzen erfolgen. Ziel ist die Prognose von "früher Stängelphytophthora".

Nach der Erstbehandlung sollen weitere Fungizidmaßnahmen sicherstellen, dass der Kartoffelbestand stets ausreichenden Fungizidschutz besitzt um den Befall durch Krautfäule unter Kontrolle zu halten.

Mit Hilfe des wetterbasierten Prognosemodells SIMPHYT3 können für befallsfreie Bestände geeignete Fungizidstrategien empfohlen werden. In Abhängigkeit vom wetterbasierten Infektionsdruck ist es möglich, die Länge des Spritzabstandes um mehrere Tage zu variieren. Während trockener Perioden, in denen der Pilz abstirbt, sind längere Spritzunterbrechungen möglich. Dagegen muss bei feuchten Perioden der Spritzabstand entsprechend verkürzt werden. Dazu berechnet SIMPHYT3 ausschließlich den vom Wetter abhängigen Infektionsdruck, aus dem sich je nach Klassifizierung der Höhe dann mittlere Spritzabstände in Tagen ableiten lassen. Mit Hilfe weiterer Schlagangaben kann so empfohlene mittlere Spritzabstand individuell angepasst werden.

Infektionsdruckbewertung

SIMPHYT3 gibt den wetterabhängigen Infektionsdruck in fünf Klassen, von "sehr niedrig" bis "sehr hoch" aus. Dies wird auch durch die Farbe der Wolkensymbole in der Übersichtskarte und in der Tabelle für jede Wetterstationen angezeigt.

Grafik SIMPHYT3

Durch den Klick auf das Diagrammsymbol kann eine Grafik zu dem von SIMPHYT3 berechneten Befallsdruckverlauf aufgerufen werden. Der aktuelle Infektionsdruck wird durch die Position des blauen Rautensymbols bezogen auf das Datum gekennzeichnet.

Die Höhe der Säule für den Phytophthora-Effizienz-Wert (pew) stellt ein Maß für die Eignung des Wetters jeden Tages für das Wachstum des Krautfäulepilzes dar.

  • Rote Säule: Gutes Wetter an diesem Tag für den Krautfäulepilz - Gefährliches Wetter für den Kartoffelbestand
  • Gelbe Säule: Mäßiges Wetter an diesem Tag für den Krautfäulepilz - Mittlere Gefahr für den Kartoffelbestand
  • Keine Säule: Schlechtes Wetter an diesem Tag für den Krautfäulepilz - Geringe Gefahr für den Kartoffelbestand. Mehrere Tage ohne Säule nebeneinander kennzeichnen eine Trockenperiode. Die Spitzabstände können verlängert werden.

Mehrere rote und gelbe Säulen nebeneinander kennzeichnen eine gefährliche Periode. Es sollte ausreichender Fungizidschutz vorhanden sein

Berechnung der Spritzabstände

Auch die Berechnung von Spritzabständen für einzelne unbefallene Kartoffelschläge ist möglich. Hierzu wurde eine interaktive Internetseite eingerichtet, die durch den Klick auf das Taschenrechnersymbol  in der Tabelle aufgerufen wird. Durch die Eingabe leicht zu ermittelnder, schlagspezifischer Entscheidungskriterien kann der individuelle Behandlungsabstand berechnet werden.

Faktoren, die eine Verkürzung des Spritzabstandes bewirken, sind:

  • hohe Sortenanfälligkeit,
  • starkes Krautwachstum (und somit viel ungeschützte Blattmasse),
  • stärkere Niederschläge seit der letzten Behandlung,
  • Einsatz von Kontakt-Fungiziden,

Faktoren, die eine Verlängerung des Spritzintervalles bewirken, sind :

  • geringerer Sortenanfälligkeit
  • abgeschlossenes Krautwachstum,
  • Einsatz teilsystemischer oder systemisch wirkender Fungizide.

Die Variation der Länge des Spritzabstandes bewegt sich im Rahmen von maximal +/- 3 Tagen.

In einigen Fällen (z.B. durch das Fehlen eines jeglichen Fungizidschutzes bei kritischer Wettersituation, die durch starke Niederschläge verursacht werden, oder beim Auftreten von sporulierendem Befall) rät der Warndienst zur sofortigen Behandlung  bzw. zur Kontaktaufnahme mit dem Berater, welche direkt per Email aus dem Internet-Angebot heraus möglich ist.

 

Befallskontrollen

Zur Einschätzung des Krautfäulebefalls in der den Anbaugebieten wird eine Überwachung von festgelegten Kartoffelbeständen durchgeführt. Diese Befallserhebungen dienen als Gradmesser für Häufigkeit und Stärke des Krautfäulevorkommens.

Der Befall auf den behandelten Kontrollflächen wird durch wöchentliche Befallskontrollen ermittelt. Er stellt auch eine Erfolgskontrolle der vorgeschlagenen Taktik dar.

Die Befallsstärke auf den Kontrollflächen wird anhand von Kästchensymbolen dargestellt.

Die Anzahl der bereits durchgeführten Behandlungen dient der Einschätzung der eigenen Behandlungsintensität. D.h. ob die eigene Taktik intensiver oder extensiver  war als die für das Gebiet unter Berücksichtigung vergleichbarer Sorten empfohlene.


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