Erdflohlarven in Winterrapsbeständen. Der Versuch einer Erklärung warum wir noch keine Erdflohlarven finden
Die nachfolgenden Ausführungen und Erhebungen beziehen sich auf das Beratungsgebiet des Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Eifel. In anderen Regionen kann die Situation teils deutlich abweichen. In ganz Rheinland-Pfalz ist jedoch die skdr Resistenz bei den Rapserdflöhen zu einem sehr hohen Anteil bei den Tieren festzustellen, weshalb Pyrethroid Spritzungen gegen die erwachsenen Tiere wirkungslos waren.
Schaut man sich auf der ISIP-Seite die Bonituren der Gelbschalenfänge an, so erkennt man schnell, dass der Hauptzuflug der Erdflöhe in der letzten September- und der ersten Oktoberwoche erfolgte. Hier wurden teils dreistellige Fangzahlen ermittelt. Der in der ersten Septemberhälfte in den Gelbschalen beobachtete Zuflug war eher gering, wenngleich einige Schläge mit teils erheblichem Lochfraß zu finden waren. Die Stärke des Lochfraßes an den jungen Rapspflanzen stand jedoch nicht in Zusammenhang mit der Zahl der in den Gelbschalen gefangenen Tieren. Der Hauptschaden wird durch die Larve des Erdflohs verursacht. Sie miniert in den Blattstielen, was zu einer erhöhten Auswinterungsgefahr führt. Die Eiablage selbst kann bis ins Frühjahr erfolgen, wodurch schwache Rapsbestände auch im Frühjahr noch durch den Fraß der Larven geschädigt werden können. Der Bekämpfung der Larve kommt daher die größte Bedeutung zu.
In dem ab Mitte Oktober begonnenem Larvenmonitoring an den Gelbschalenstandorten konnte bis Anfang November noch keine Larven in den Pflanzen gefunden werden. Bei dem Larvenmonitoring werden pro Standort an 5 Stellen des Schlages jeweils 5 Pflanzen gezogen. Die Proben werden mittels Austriebmethode bei 18 °C 8-10 Tage in einem Trockenschrank gelagert. Dabei bohren sich die Larven üblicherweise aus den Pflanzen aus und werden in Gelbschalen, die unter den Pflanzen stehen, aufgefangen.
Da wie o.g. die Pyrethroide zur Bekämpfung der Erdflöhe ausscheiden, erhielten zwei Produkte mit dem Wirkstoff Cyantraniliprole (Minecto Gold und Exirel) eine Notfallzulassung gegen die Larven des Rapserdflohs. Der Wirkstoff wird von der Pflanze aufgenommen jedoch nicht innerhalb der Pflanze verlagert. Beim Einsatz dieser Mittel müssen die Blattstiele getroffen werden.
Weiterhin hat das Produkt Carnadine mit dem Wirkstoff Acetamiprid eine reguläre Zulassung im Raps. Carnadine hat eine Nebenwirkung auf die Larven des Rapserdflohs, jedoch nur auf sehr kleine Larven.
Die Wirkung auf die Larven der genannten Produkte kann sich also erst nach dem Larvenschlupf einstellen. Behandlungen, die bislang mit diesen Mitteln durchgeführt wurden, sind demnach wirkungslos geblieben. Die Wirkung auf die erwachsenen Tiere der genannten Produkte ist als eher gering anzusprechen.
Warum sind noch keine Larven in den Rapspflanzen zu finden?
Hier bringt ein Blick in die Literatur und in die Biologie des Rapsglanzkäfer Licht ins Dunkle.
Der Rapserdfloh übersommert an kühlen, feuchten und schattigen Plätzen in der Nähe der Rapsflächen, auf denen er geschlüpft ist. Ab September beginnt er von dort mit der Besiedelung der frisch auflaufenden Rapsbestände. Dabei liegen die optimalen Zuflugbedingungen bei sonnigem windstillem Wetter und Temperaturen zwischen 16 und 20 °C (Schrödter und Nolte, 1954; Hoßfeld,1993)
In den auflaufendenden Rapflächen durchläuft der Rapserdfloh einen Reifungsfraß der Laut Mathieasen et al. (2015) eine Temperatursumme von 300 ° Gradtagen (Cd) (Optimum zwischen 8°C und 20 °C) benötigt, bevor es zur Eiablage kommt. Trockene warme Witterung führt zu einer geringeren Eiablage.
Die Entwicklung vom Ei bis zum ersten Larvenstadium benötigt nochmals eine Temperatursumme von 200 Cd ab einer Temperatur von 4°C. Insgesamt durchläuft der Rapserdfloh 3 Larvenstadien vom Ei bis zur Verpuppung. Vom ersten Larvenstadium bis zum dritten Larvenstadium benötigt die Larve eine Temperatursumme von 250 Cd ab einer Temperatur von 5 °C.
Wenn wir uns beispielhaft die Wetterstation in Wittlich-Bergweiler anschauen, kann man folgendes festhalten:
Wenn wir den Zuflug für den 20.09.2026 annehmen, so begann die Eiablage um den 27.10.26 (300 Cd ab 5°C).
Die ersten Larven können hier erst ab dem 27.10.26 aufgetreten sein (200 Cd ab 4°C) (Johnen und Meier, 2000). Für den Schlupf benötigen die Eier tropfbares, flüssiges Wasser. Trockenheit reduziert die Schlupfrate. Da das erste Larvenstadium noch sehr klein ist (ca. 2 mm) sind die Larven in den Blattstielen nur sehr schwer zu finden.
Diese Annahmen beruhen auf einen Zuflug um den 20.09.2026. Auf vielen Standorten erfolgte der Hauptzuflug 8-10 Tage später.
In der Nachfolgenden Tabelle (Stand 7.11.2026) sind die Daten für verschiedene Wetterstationen dargestellt.
Wetterstation | Erster Zuflug / Hauptzuflug | Termin Eiablage 300 Cd ab 5 °C | Termin Larvenschlupf 200 Cd ab 4 °C seit Eiablage |
Bergweiler | 05.09.26 | 29.09.26 | 21.10.26 |
Bergweiler | 20.09.26 | 27.10.26 | Noch nicht erreicht (34 Cd) |
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Eisenach | 05.09.26 | 29.09.26 | 21.10.26 |
Eisenach | 20.09.26 | 28.10.26 | Noch nicht erreicht (20 Cd) |
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Wiersdorf | 05.09.26 | 30.09.26 | 26.10.26 |
Wiersdorf | 20.09.26 | 07.11.26 | Noch nicht erreicht (0 Cd) |
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Merzkirchen | 05.09.26 | 28.09.26 | 16.10.26 |
Merzkirchen | 20.09.26 | 26.10.26 | Noch nicht erreicht (32 Cd) |
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Körperich | 05.09.26 | 01.10.26 | 30.10.26 |
Körperich | 20.09.26 | 07.11.26 | Noch nicht erreicht (0 Cd) |
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Strickscheid | 05.09.26 | 03.10.26 | Noch nicht erreicht (167 Cd) |
Strickscheid | 20.09.26 | 29.10.26 | Noch nicht erreicht (0 Gd) |
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Manderscheid | 05.09.26 | 02.10.26 | Noch nicht erreicht (174 Cd) |
Manderscheid | 20.09.26 | Noch nicht erreicht (163 Cd) | Noch nicht erreicht (0 Cd) |
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Deuselbach | 05.09.26 | 30.09.26 | 25.10.26 |
Deuselbach | 20.09.26 | 18.10.26 | Noch nicht erreicht (61 Cd) |
Der Termin 05.09.26 steht für den frühen Zuflug welcher den Lochfraß verursacht hat.
Gehen wir davon aus, dass die Anzahl der Tiere die Anfang September in die Bestände eingeflogen sind eher gering war und es zu einer verzögerten und geringeren Eiablage infolge der trockenen Witterung kam, kommt dem Hauptzuflug der um die Monatswende September/Oktober stattfand die größte Bedeutung zu. Die zur Verfügung stehenden „Larvenmittel“ (Minecto Gold, Exirel oder Carnadine) können erst nach dem Larvenschlupf gegen diese wirken. Ein Blick in die o.g. Tabelle macht klar, dass bislang durchgeführte Maßnahmen mit diesen Mitteln gegen die Larven ohne Wirkung waren. Deren Einsatz muss demnach so weit wie möglich nach hinten geschoben werden. Die Notfallzulassung erlaubt den Einsatz von Minecto Gold oder Exirel bis einschließlich 11.12.2026. Nach dem Einsatz sollten noch 10-14 Tage mildes Wetter mit Temperaturen zwischen 5 und 10 °C herrschen.
Die UFOP unterstützte ein Projekt „Verbesserung der Prognose des Auftretens und der möglichen Schäden durch Rapserdflöhe im Winterraps“ welches am Julius-Kühn-Institut für Pflanzenschutz in Ackerbau und Grünland durchgeführt wurde. Im Abschlussbericht finden sie wertvolle Informationen zum Thema Erdfloh im Winterraps. Dort finden Sie auch die genauen Quellenangaben zu den im vorangegangenen Artikel. Den Link zum Abschlussbericht finden Sie hier:
https://www.ufop.de/files/9415/6499/1616/UFOP_1634_Cover_Abschlussbericht_Rapserdflohe_220719.pdf