Erntezeitpunkt Silomais – nicht reif, aber erntereif

Schöne Maisbestände sind zwischen Saargau und Hocheifel selten und, wenn dann, nur noch entlang von Bachläufen oder Talauen zu finden. Die allermeisten Bestände präsentieren sich spätestens seit Beginn der Woche sehr schlecht. Und es sind nicht mehr ausschließlich Kuppen und Vorgewende, auch an den besseren Stellen im Feld entrollt der Mais seine Blätter nicht mehr. Auch die Blätter sterben von Tag zu Tag immer mehr ab. Somit verliert der Mais seine letzte Assimilationsfläche.

Man kann derzeit ganz sicher nicht von normaler Abreife sprechen. Wassermangel und Hitze treffen auf gestresste, teils notreife Bestände. Dieses Dilemma lässt sich anhand der Entwicklung der TS-Gehalte am Standort Bergweiler beschreiben.

Vor allem bei kolbenlosem (schlechtem) Mais führt dies dazu, dass sich die TS-Gehalte trotz der optisch stark vertrocknenden Pflanzen kaum verändern. Am Standort Bergweiler lag der TS-Gehalt am 03.08. bei 26 Prozent und eine Woche später bei 25 Prozent. Der markige Stängel klammert sich förmlich an den letzten Rest Wasser, und da die Stomata der Blätter sich nicht mehr öffnen, verdunstet dieses Wasser nur sehr langsam. Dadurch verholzt der Stängel sehr stark und die Verdaulichkeit leidet massiv darunter. Obwohl die Pflanze rein optisch immer weiter verdorrt, verändert sich der TS-Gehalt kaum. Dieser Mais könnte eigentlich schon gut verdichtet im Silo liegen.

Bestände mit mittlerem Befruchtungserfolg, also durchaus Kolbenansätzen, aber nur mäßiger Befruchtung, sind ebenfalls weitestgehend erntereif. In Bergweiler ist der TS-Gehalt dieses Maises innerhalb der letzten Woche von 25 auf 28 Prozent gestiegen und liegt somit theoretisch im richtigen Erntebereich. Die unteren Blätter sind bereits komplett abgestorben und das für die Photosynthese wichtige Kolbenblatt (wenn es denn am Stängel einen Kolben gibt) stirbt ab. Die angelegten Körner befinden sich irgendwo zwischen Milch- und Teigreife. Eine weitere Stärkeeinlagerung findet kaum noch statt. Trotzdem dauert es recht lange, bis diese das restliche Wasser abgeben. Hierauf zu warten ist auch nicht ratsam, da gleichzeitig die Restpflanze sehr stark verstroht. Dies betrifft leider einen Großteil der Bestände in der Praxis und zeigt das ganze Dilemma am besten. Wer bei solchen Beständen auf reife Kolben wartet, riskiert eine schwer verdauliche Kost im Silo. Wenn die TS der Gesamtpflanze, bei kaum vorhandenem Kolben, nahezu ausschließlich über die Restpflanze kommt, sind TS-Gehalte von über 30 Prozent deutlich zu hoch. Eine „normale“ Restpflanze sollte etwa 25 Prozent TS zur Ernte haben.

Den deutlichsten Anstieg des TS-Gehalts in Bergweiler zeigte der „gute“ Mais. Innerhalb einer Woche stieg der TS-Gehalt von 26 auf 31 Prozent und damit um fünf Prozentpunkte. Das passt auch ins Bild vor Ort. Dieser Bestand besaß zu etwa 80 Prozent gut befruchtete Kolben. Man konnte also von einem annähernd normalen Maisbestand sprechen. Die Kolben sind am ehesten erntereif, und die Restpflanze zeigte sich noch weitestgehend intakt. Allerdings zeigt der deutliche TS-Anstieg, dass auch dieser Mais jetzt zügig ins Silo muss.

Die drei untersuchten Varianten am Standort Bergweiler zeigen das Problem sehr deutlich. Während der schlechte Mais trotz starker optischer Vertrocknung bei etwa 25 Prozent TS praktisch stagniert, steigt der mittlere Bestand innerhalb einer Woche auf 28 Prozent und der gute Bestand sogar auf 31 Prozent TS. 

Auch das Temperatursummenmodell bestätigt, dass die Ernte unmittelbar bevorsteht. Für den Standort Bergweiler prognostiziert das Modell für das mittelfrühe Reifesegment einen Erntezeitpunkt um den 15. August. Damit wäre der Bestand laut Prognosemodell in drei bis wenigen Tagen erntereif. Dabei sollte man berücksichtigen, dass wir uns noch Anfang August befinden. Die täglichen Temperatursummen sind zu dieser Jahreszeit deutlich höher als Mitte September oder gar Ende September. Dementsprechend kann auch der TS-Zuwachs innerhalb weniger Tage sehr schnell voranschreiten. Ein Maisbestand, der heute noch nicht erntereif erscheint, kann deshalb bereits drei bis fünf Tage später ganz anders aussehen. Gerade jetzt sollte die Entwicklung der Bestände daher engmaschig kontrolliert werden.

Schlussendlich lässt sich sagen, dass es für viele Maisbestände in unserem Dienstbezirk keinen guten Erntezeitpunkt gibt. Der Probestandort in Bergweiler zeigt das ganze Problem auf 1000 m² Fläche. Von relativ gut bis ganz schlecht findet man alles in den allermeisten Flächen. Folglich ist der Erntetermin lediglich ein Kompromiss. In den seltensten Fällen lässt sich von einem reifen Mais sprechen, was die Entscheidungsfindung zusätzlich erschwert. Trotzdem muss jetzt vielerorts dringend gehandelt werden, um das wenige Gute nicht noch schlechter zu machen. 

 

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