Gedanken zur Düngung - Bei der Düngeplanung nicht nur an Stickstoff denken!

Wie jedes Jahr weisen wir an dieser Stelle auf die bevorstehende Düngersaison hin und erwähnen dabei, dass bei der Bedarfsermittlung nicht nur der Stickstoffbedarf betrachtet werden soll. Während in der Milchviehhaltung regelmäßig die Leistung nicht nur der Herde, sondern von jedem einzelnen Tier ermittelt und die Fütterung optimiert wird, werden im Ackerbau meist nur im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Fristen Bodenproben gezogen. Weiterhin stellen wir in der Beratung fest, dass viele Betriebsleiter der Meinung sind Grundnährstoffe, soweit die Gehaltsklasse C erreicht ist, nicht düngen zu müssen. 

Dies ist ein Trugschluss. In der Gehaltsklasse C sollte der zu erwartende Entzug gedüngt werden. Bei einer besseren Versorgung der Flächen weniger und bei schlechter versorten Flächen mehr als der Entzug, um langfristig die Versorgungstufe bzw. Gehaltsklasse C zu erreichen.

In den vergangenen Jahren traten immer wieder Stresssituationen für die Bestände auf (Nässe, Trockenheit, Kälte, Hitze). Im Getreide äußerte sich dies oft an undefinierbaren nichtparasitären Flecken auf den Blättern. Die Beratererfahrung zeigt, dass in Betrieben mit einer ausgewogenen Grundnährstoffversorgung deutlich weniger Flächen mit diesen Symptomen zu finden waren als auf Flächen in Betrieben mit geringer Grundnährstoffversorgung.

Nun sind zurzeit die Preisaussichten für die Ernte 2026 gering und die Düngerkosten hoch. Das ist zwar ein Argument aber kein Grund die Grundnährstoffversorgung weiterhin zu ignorieren. Viele Betriebe reagieren bei verhaltenem Wachstum der Bestände mit einer höheren Stickstoffdüngung. Dies führt leider nicht zum Ziel, wenn Phosphor, Kali und auch Schwefel vernachlässigt wurden. Eine gute und nachhaltige Strategie ist, in Jahren mit niedrigen Preisen für Grundnährstoffe etwas mehr zu geben und in Jahren mit hohen Preisen für Grundnährstoffe etwas weniger zu geben. Aber niemals nichts. So haben schon geringe Mengen an wasserlöslichem Phosphat (30-40 kg P2O5) einen sehr positiven Effekt auf die Wurzelentwicklung. Eine Kali Gabe im Frühjahr hilft den Pflanzen Phasen mit Trockenstress besser zu bewältigen. 

Beim Schwefel dürfen ebenfalls keine Kompromisse eingegangen werden. Auch wenn ASS in diesem Frühjahr nur schwer oder gar nicht zu bekommen ist, darf auf eine Schwefeldüngung nicht verzichtet werden. Beim Getreide sollten 20-25 kg/ha S und bei Raps und Mais 40-50 kg/ha S gegeben werden. Schwefel verbessert die Ausnutzung des Stickstoffs und verbessert die Proteingehalte beim Getreide.

Allerdings besteht beim Schwefel die Gefahr das man sich verrechnet. Die Bedarfszahlen beim Schwefel werden als kg S (also die Elementform) angegeben. Seit einigen Jahren dürfen die Gehalte bei den Düngern auch in der Oxidform SO3 angegeben werden. Dies muss unbedingt beachtet werden.

Die Umrechnungsfaktoren sind:

SO3 zu S mal 0,4

S zu SO3 mal 2,5

Organische Dünger wie Stallmist, Gülle oder Gärrest haben nur geringe Schwefelgehalte. Der Schwefel liegt zum großen Teil organisch gebunden vor und wird deutlich langsamer mineralisiert als der enthaltene organisch gebundene Stickstoff. 

Zur Bedarfsermittlung von Stickstoff und Phosphor bietet sich der N-Düngeplaner RLP 2.1 an. Diesen findet man hier als Anhang, oder unter:

https://www.xn--dngeberatung-dlb.rlp.de/Duengung/Ackerbau-/-Gruenland/Ackerbau-und-Gruenland

Unter dem Reiter „Nährstoffplaner Ackerland“ und „Nährstoffplaner Grünland“ kann man ebenfalls den Bedarf an Kali über die Fruchtfolge kalkulieren.

Was die Stickstoffdüngung angeht, sollte man sich bei der Kalkulation der Andüngung auf die Bestandsentwicklung im Frühjahr orientieren. Das heißt schwache Bestände etwas stärker und starke Bestände etwas schwächer andüngen. Die Nmin Werte können und sollen ebenfalls berücksichtigt werden. Dies jedoch mehr bei der Kalkulation der Gesamtstickstoffmenge. Bei der Andüngung ist lediglich der Gehalt an Nitrat in der oberen Schicht von Bedeutung. Eigene Nmin Werte sind wesentlich aussagekräftiger als die von uns veröffentlichten Durchschnittswerte. Diese sind für Viehstarke Betriebe meist zu gering und für die reinen Ackerbaubetriebe zu hoch.

Übrigens, Kalk kann man auch im Frühjahr streuen. Schnell wirksame Kalke wie z.B. Brandkalk, zur Saatbettbereitung vor Mais oder Rüben, verbessern die Gare und beugen Verschlämmungen vor und können als aktive Maßnahme zur Erosionsvermeidung angesehen werden.

 

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