Situation im Grünland (Herbst 2026)

Auf vielen Betrieben stellt sich derzeit die Frage, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um die geschädigte Grasnarbe winterfest zu machen. Ergiebige Niederschläge sind weiterhin nicht in Sicht und so langsam neigen sich die Tage mit guten Keimtemperaturen auch dem Ende zu. Wird über eine Nachsaat nachgedacht, sollte zuerst der Blick über die Fläche gehen. Unabhängig von Saattermin, Temperatur, Standort und Bodenfeuchte kann sich eine Nachsaat nur dann etablieren, wenn vernünftiger Bodenschluss gewährleistet ist. Es bringt also nichts, die Grassamen auf der Altnarbe abzulegen. Sind keine Lücken in der Grasnarbe zu sehen, wird eine Nachsaat nicht erfolgreich sein. Das Herausstriegeln von abgestorbenen Pflanzen ist die aktuell ebenfalls kritisch zu sehen. Zwar lässt sich dadurch offener Boden zur Saatgutablage schaffen, allerdings wird der Nachsaaterfolg nicht in dem Maß erfolgreich sein, als dass er die Kosten und den Aufwand der Maßnahme decken würde. 

Ist bereits offener Boden vorhanden, kann eine Nachsaat durchgeführt werden. Hierbei ist das anschließende Anwalzen mit einer Prismenwalze Pflicht, um Bodenschluss zu gewährleisten. Die Saatstärke betreffend, wird in der Praxis häufig auf den Aulendorfer Lückendetektor zurückgegriffen. Der Lückenanteil wird in einem 40x40 cm Quadrat durch die Größe der Handflächen (ca. 15 %) ermittelt. Sind in diesem Quadrat also 1,5 Handflächen Lücken, kann man von ca. 20 - 25 % Lückenanteil ausgehen. Das Ergebnis geteilt durch 2 ergibt die notwendige Saatstärke, in dem Fall 10 – 12 kg. Dieser Wert ist aber als absolute Obergrenze anzusehen. Beim Deutschen Weidelgras ist bei 10 kg/ha bereits die Reinsaatstärke erreicht, Nachsaatmengen von bis zu 20 kg/ha haben keinen nennenswerten Effekt auf den Nachsaaterfolg. Leguminosen sollten aktuell auch keine mehr nachgesät werden, da diese sich vor dem Winter nicht mehr ausreichend etablieren können. 

Eine Alternative könnte das Beimischen von Wiesenlieschgras sein. Dieses hochwertige Gras hat anders als das bspw. das Deutsche Weidelgras eine Keimtemperatur von nur 5 °C. Somit könnte es sich auch bei sehr niedrigen Temperaturen im Bestand etablieren. Durch das sehr geringe TKG werden auch schon bei geringen Saatstärken hohe Mengen an Grassamen ausgebracht. Denkbar wäre bspw. eine Nachsaatmischung von 7 kg G5 und 3 kg Wiesenlieschgras. Hier ist von besonderer Bedeutung den Weidelgrasanteil nicht zu hoch anzusetzen, da das Wiesenlieschgras sonst verdrängt wird.

Fazit: Eine Nachsaat kann aktuell unabhängig von der Höhenlage noch funktionieren, das ist aber abhängig von der Wetterlage im Oktober. Aufgrund dieser Unsicherheit sollte nicht zu viel Geld für die Maßnahme in die Hand genommen werden, eine Übersaat in lückige Bestände ist in diesem Fall empfehlenswert. Beim Saatgut sollte allerdings nicht gespart werden. Gerade in dieser herausfordernden Situation lohnt es sich, die empfohlenen Sorten mit dem roten Etikett einzusetzen. Diese Sorten haben in Ausdauerprüfungen schon in den Jahren 2018 – 2020 unter Beweis gestellt, dass sie mit extremer Trockenheit umgehen können. Nun gilt es, diese Vorteile auch zu nutzen.

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