Situationsbericht Getreide in der letzten Aprilwoche im Beratungsgebiet des DLR Eifel
Nachdem die Nächte etwas wärmer geworden sind, geht die Entwicklung der Getreidebestände weiter. Allgemein präsentieren sich die Bestände bis auf wenige Ausnahmen sehr gesund.
Die Wintergerste hat das letzte Blatt geschoben bzw, ist bereits am Grannenspitzen/Ährenschieben. Hier sollte in den nächsten Tagen die Abschlussbehandlung mit Folpan und einer Azol- Carboxamid- Strobilorinkombination erfolgen. Ein Wachstumsreglereinsatz gegen Halm- und Ährenknicken ist nur bis zum Stadium 49 (Grannenspitzen) möglich. Eine Auswahl an Fungizidkombinationen finden Sie in unserer WD-Broschüre ab Seite 24.
Die Triticale zeigte vor 2 Wochen beginnenden Gelbrostbefall, der sich jedoch nicht weiterentwickelte. Wahrscheinlich war es für eine weitere Ausbreitung des Gelbrostes zu warm. Allerdings stellen wir in diesem Jahr einen außergewöhnlich hohen Befall mit Rhynchsoporium in fest. Dort wo bereits eine Maßnahme gegen Halmbruch erfolgte, ist die Rhychosporiumkrankheit miterfasst worden. Befallene und bislang unbehandelte Flächen sollten vor dem nächsten Niederschlag mit einem Azolfungizid gegen Rhychosporium geschützt werden. Eine Zugabe eines Strobilorins (Azoxystrobin) unterstützt die Wirkung gegen Rhynchosporium und schützt vor Gelb- und Braunrost. In Beständen die als GPS genutzt werden sollen, führt eine hohe Strobilurin- Gabe zu einem Greeningeffekt, welcher den Erntetermin deutlich flexibler gestaltet, da die Bestände nicht so früh von unten her Absterben.
Im Winterweizen hat sich bislang nur etwas Mehltau etabliert, der aber in den vergangenen Tagen durch den fehlenden Tau wieder rückläufig ist. Der Befall muss weiter beobachtet werden, konkrete Bekämpfungsmaßnahmen stehen nicht an. Septoria titici ist kaum noch zu finden. Die befallenen Blätter aus dem Winter sind zum großen Teil schon abgestorben. Eine erneute Infektion findet erst nach 36-48 Std. andauernder Blattnässe statt. Fungizideinsätze stehen daher frühestens nach den nächsten ergiebigen Niederschlägen an. Bislang konnte an zwei Schlägen Gelbrost festgestellt werden. Durch die hohen Temperaturen wird sich der Befall, ähnlich wie in Triticale, wahrscheinlich nicht stark ausbreiten. Vorbeugende Maßnahmen gegen Gelbrost stehen daher vorerst nicht an. Sehr häufig stellen wir im Rahmen unseres Monitorings im Weizen nicht parasitäre Blattflecken fest. Diese ähneln den Symptomen von DTR. Es ist aber kein DTR, vielmehr handelt es sich dabei um Stressbedingte Flecken. Betroffen ist das zweite, voll entwickelte Blatt von oben. Die Flecken findet man auf dieser Blattetage nur auf dem oberen Drittel des Blattes. Betroffen sind fast alle Sorten und Standorte, unabhängig von bisher durchgeführten Pflanzenschutzmaßnahmen.
Allgemein sind die Witterungsbedingungen für Pflanzenschutzmaßnahmen nicht optimal. Hohe Windgeschwindigkeiten, auch in der Nacht, sowie sehr niedrige rel. Luftfeuchtigkeit die auch am Abend oder am frühen Morgen nicht über 50 % gehen, erschweren den sinnvollen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Vor allem beim Einsatz von Herbiziden in den Sommerungen sollte auf die Windgeschwindigkeit geachtet werden. Neben Weinbergen, Raps und anderen empfindlichen Kulturen kann es zu erheblichen Schäden durch Abdrift kommen. Aber auch wenn keine empfindlichen Kulturen in der Nachbarschaft stehen, verursacht Abdrift Schäden an der Nichtzielfläche.
Gehen Sie verantwortungsvoll beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln um! Man kann nichts erzwingen.