Striegeleinsatz zur Bekämpfung der Gemeinen Rispe
Anhaltende Trockenphase im Dauergrünland
Für die nächsten Wochen lassen die Wetteraussichten nicht viel Gutes für das Dauergrünland versprechen. Nach vielerorts zunächst guten bis sehr guten ersten und zweiten Schnitten sah es beim dritten Schnitt in puncto Ertrag häufig ziemlich mau aus. Hinzu kommt, dass der Wiederaustrieb durch die hohen Temperaturen und das fehlende Wasser ebenfalls erschwert wird. Gräser können in der Temperaturspanne 17 bis 25 °C die höchsten Zuwachsraten verzeichnen. Steigt die Temperatur darüber, gehen diese schrittweise zurück. Bei 30 °C und mehr wird das Wachstum aufgrund der hohen Verdunstung komplett eingestellt. Wie sich die Situation zuspitzen kann, zeigen Aufnahmen vom Versuchsfeld in Kyllburgweiler aus dem Jahr 2022. Hier stellten bis auf das Knaulgras alle Grasarten ihr Wachstum ein. Interessant ist allerdings auch, dass die Bestände nicht in dem Maß wie zunächst angenommen darunter litten. Bereits eine Woche nach den ersten Niederschlägen im September war insbesondere das Deutsche Weidelgras wieder vollständig ergrünt und es konnte noch ein guter vierter Schnitt mit 21 dt TM/ha geerntet werden.
Abb. 1: Anders als erwartet war das Deutsche Weidelgras nach nur einer Woche Niederschlag wieder regeneriert
Gemeine Rispe: Ertrags – und Qualitätsräuber im Dauergrünland
Allerdings bieten die aktuell sehr trockenen Bedingungen die Möglichkeit, das Hauptproblemgras im Dauergrünland nachhaltig zu bekämpfen. Die gemeine Rispe wirkt sich wie der stumpfblättrige Ampfer auch bereits in geringen Ertragsanteilen negativ auf den Ertrag und die Futterqualität aus. Dabei lässt sich im ersten Aufwuchs davon noch nicht viel erahnen. Hier liefert die gemeine Rispe gute Erträge und es entsteht durch die hohe Bestandesdichte der Anschein eines leistungsfähigen Grünlandbestandes.
Abb. 2: Durch ihr flaches Wurzelwerk lässt sich die gesamte Pflanze inklusive Wurzel aus dem Boden ziehen
Grund dafür ist das flache Wurzelwerk von nur wenigen Zentimetern Tiefe: Die Rhizosphäre der gemeinen Rispe ist somit schon im zeitigen Frühjahr auf „Betriebstemperatur“. Dadurch ist die gesamte Pflanze auch bei noch geringen Bodentemperaturen bereits früh im Jahr aktiv und beginnt sich in Form von oberirdischen Ausläufern in Bestandeslücken auszubreiten. Auch die Qualität dieses ersten Aufwuchses befindet sich zumindest in frühen Entwicklungsstadien noch auf einem akzeptablen Niveau.
Tab. 1: Vergleich der Qualitätsentwicklung von Deutschem Weidelgras und gemeiner Rispe (Roth, 2008)
Das böse Erwachen kommt dann mit den Folgeschnitten. Hier zeigt die gemeine Rispe nur eine sehr geringe Nachwuchsleistung und auch die Qualität des Aufwuchses ist unterdurchschnittlich. Das zeigt sich vor allem bereits bei kurzen Trockenperioden. Hier wird ihr das flache Wurzelwerk zum Verhängnis und die Pflanze vertrocknet.
Abb. 3: Ausgetrocknete Gemeine Rispe, jetzt sollte der Striegel zur Bekämpfung eingesetzt werden
Striegeleinsatz im Sommer
Zu diesem Zeitpunkt bietet sich der optimale Termin für einen Striegeleinsatz. Anders als im Frühjahr kann hier die gesamte Pflanze inklusive Wurzel von der Maschine aus dem Boden herausgerissen werden. Bei Versuchen des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Eifel konnte der Besatz von 50% auf 25 bzw. 15 % reduziert werden. Idealerweise wird die Fläche mehrfach diagonal gestriegelt, um den Bekämpfungserfolg zu erhöhen. Die wertvollen Gräser nehmen davon praktisch keinen Schaden, dementsprechend sollten die Zinken möglichst aggressiv eingestellt werden. Ist der Besatz an gemeiner Rispe gering, verbleiben die ausgerissenen Pflanzen auf der Grasnarbe, wo sie vertrocknen. Sind die Ertragsanteile höher, neigen vor allem Striegel mit geringerem Strichabstand zum Verstopfen. Speziell beim Ausheben am Vorgewende bilden sich dann Haufen mit dem herausgestriegelten Material. In diesem Fall muss die Fläche geschwadet und die Pflanzenrückstände abgefahren werden, um die Verunreinigung der Folgeschnitte zu minimieren.
Abb. 4: Verstopfte Zinkenfelder bei sehr hohem Besatz
Abb. 5: Das herausgestriegelte Material wird bei hohen Mengen geschwadet und abgefahren
Gerätewahl
Grundsätzlich sind die meisten Grünlandstriegel im Stande den Besatz an gemeiner Rispe auf Dauergrünland zu verringern. Je nach Bau- und Arbeitsweise können jedoch Unterschiede im Wirkungsgrad der Maßnahme auftreten. Gute Erfolge können mit Striegeln erzielt werden, die mit 8 bis 10 mm starken Zinken ausgestattet sind. Ein geringerer Durchmesser geht zu Lasten der Aggressivität der Zinken, sodass die gemeine Rispe nicht vollständig herausgestriegelt wird bzw. Ausläufer zurückbleiben, die erneut austreiben können. Bei hohen Zinkendurchmessern von mehr als 10 mm besteht dieses Problem nicht, allerdings ist hier mit erhöhtem Verschleiß und größeren Abfuhrmengen zu rechnen, da neben dem pflanzlichen Material auch Bodenbestandteile herausgestriegelt werden können.
Ein weiterer Faktor ist der Strichabstand der Striegelzinken. Dieser sollte eng gewählt werden, um gewährleisten zu können, dass möglichst viel Angriffsfläche zur Entfernung der gemeinen Rispe zur Verfügung steht. Auf dem Markt werden dazu Striegel mit mehreren Zinkenreihen angeboten. Durch den schmalen Strichabstand ist hier allerdings der Durchgang niedriger und die Striegel neigen bei hohen Mengen zum Verstopfen.
Gelungene Nachsaat mit empfohlenen Sorten
Die durch den Striegeleinsatz geschaffenen Lücken müssen durch eine Nachsaat geschlossen werden. Hierbei sollte auf empfohlene Sorten zurückgegriffen werden, die mit dem roten Etikett ausgezeichnet sind und sich dementsprechend für den Einsatz in Mittelgebirgslagen eignen. Für eine erfolgreiche Nachsaat ist vor allem Bodenfeuchtigkeit entscheidend, weshalb aktuell darauf verzichtet werden sollte. Ohnehin stellt der Herbst für Gräser meist den besseren Zeitpunkt für eine Nachsaat dar. Anders verhält es sich bei Leguminosen: Diese benötigen viel Wärme, um sich vor dem Winter ausreichend etablieren zu können. Hier ist nach dem ersten Schnitt der optimale Termin, vorausgesetzt es ist genügend Feuchtigkeit im Boden.