Cercospora in Zuckerrüben: jetzt gilt es Früh zu handeln, Wirkung absichern, Mischungen sauber trennen
Cercospora beticola ist die wichtigste Blattkrankheit der Zuckerrübe. Entscheidend ist dabei nicht nur der sichtbare Blattfleck, sondern vor allem der Verlust aktiver Assimilationsfläche. Stirbt Blattmasse ab, muss die Rübe neues Laub bilden. Dafür wird Zucker verbraucht, der nicht mehr für Ertrag und Zuckergehalt zur Verfügung steht. Bei starkem Befall verliert der Bestand zunehmend seine Leistungsfähigkeit; im Extremfall entsteht der bekannte „verbrannte“ Eindruck, wenn einzelne Flecken zusammenlaufen und ganze Blätter absterben.
Typisch sind kleine, rundliche Blattflecken mit dunklem bis rotbraunem Rand und grau-silbrigem Zentrum. Bei genauer Betrachtung sind in den Flecken häufig dunkle Sporenträger zu erkennen. Unter günstigen Bedingungen breitet sich der Befall sehr schnell aus. Besonders kritisch ist, dass Cercospora polyzyklisch ist: Nach einer ersten Infektion können bei passender Witterung fortlaufend neue Sporengenerationen entstehen. Der sichtbare Befall ist daher immer nur ein Blick in den Rückspiegel. Wenn Flecken sichtbar werden, können bereits weitere Infektionen gesetzt sein.
Warm, feucht, tauig: Ab jetzt steigt das Risiko deutlich
Cercospora entwickelt sich besonders stark bei warm-feuchter Witterung. Kritisch sind warme Tage, feuchte Nächte, Tau, Gewitterschauer und längere Blattnässephasen. Genau diese Kombination ist ab Mittwoch, dem 17. Juni 2026, in vielen Regionen zu erwarten beziehungsweise bereits angelegt. Temperaturen im Bereich von 25 bis über 30 °C, warme Nächte, Tau und einzelne Schauer schaffen ideale Bedingungen für Neuinfektionen.
Die Bonituren zeigen an vielen Standorten bereits erste Infektionen. Kommen jetzt Temperatur, Tau und Gewitterschauer zusammen, ist mit einer sehr schnellen Befallszunahme zu rechnen. In solchen Phasen kann sich ein scheinbar noch niedriger Befall innerhalb kurzer Zeit stark ausweiten. Gerade bei anfälligen Sorten, später Rodung und bekannter Cercospora-Historie auf dem Schlag darf nicht abgewartet werden, bis der Bestand optisch sichtbar krank ist. Also Orientierung können hier die Monitoring Daten auf ISIP der verscheiden Akteure bieten.
Wann starten?
Die BKS-Schwellen geben eine grobe Orientierung, ab wann eine Behandlung notwendig ist. Anders als beispielsweise im Getreide bieten die derzeit verfügbaren Produkte keine ausreichend starke kurative (heilende) Wirkung mehr. Daher sollte der Applikationstermin sehr nahe an der BKS-Schwelle oder idealerweise kurz davor liegen. Eine Ausbreitung von Cercospora kann innerhalb weniger Tage sprunghaft zunehmen – beispielsweise von 1 auf 5 % oder sogar von 5 auf 15 % Befallsstärke.
Konkret bedeutet das: Werden bei der aktuellen Witterung erste Cercospora-Flecken beziehungsweise Befallswerte im Bereich von etwa 3 bis 5 % auf der Fläche festgestellt, sollte in Risikolagen nicht gewartet werden. Bei feucht-warmer Witterung kann sich der Befall explosionsartig entwickeln. Die verfügbaren Wirkstoffe können gesetzte Infektionen nur begrenzt stoppen. Der Bekämpfungserfolg hängt daher entscheidend davon ab, früh genug zu behandeln und den Blattapparat protektiv zu schützen.
Sortenanfälligkeit: Nicht jede Rübe reagiert gleich
Die Sortenwahl ist ein zentraler Baustein der Cercospora-Strategie. Das Bundessortenamt beschreibt Sorteneigenschaften mit Noten von 1 bis 9. Niedrige Noten stehen für eine geringe, hohe Noten für eine starke Ausprägung der jeweiligen Eigenschaft. Bei Cercospora bedeutet eine höhere Note also eine stärkere Anfälligkeit.
Diese Noten sollten nicht als einfacher linearer Kalender verstanden werden. In der Praxis wirken sich Unterschiede in der Sortenanfälligkeit unter hohem Infektionsdruck deutlich stärker aus, als es eine einzelne Ziffer vermuten lässt. Der Unterschied zwischen einer blattgesunden Sorte und einer anfälligen Sorte entscheidet häufig darüber, ob zwei Maßnahmen ausreichen oder drei beziehungsweise mehr Fungizidmaßnahmen notwendig werden.
Besonders schwierig ist die aktuelle Sortenwahl in SBR-Regionen. SBR-tolerante Sorten sind dort unverzichtbar, um Schäden durch die Schilfglasflügelzikade und die damit verbundenen Krankheitserreger zu begrenzen. Gleichzeitig sind einige dieser Sorten gegenüber Cercospora nicht immer die stärksten Kandidaten. Damit entsteht ein Zielkonflikt: Eine Sorte kann im SBR-Komplex notwendig sein, gleichzeitig aber ein höheres Cercospora-Risiko mitbringen. Genau deshalb muss der erste Befall bei anfälligeren Sorten besonders ernst genommen werden.
Als Faustregel für die Beratung gilt: Je höher die Cercospora-Anfälligkeit der Sorte, desto früher muss bonitiert werden, desto kürzer müssen in Infektionsphasen die Spritzabstände gewählt werden und desto eher wird eine zusätzliche Maßnahme notwendig. Eine höhere Boniturnote ist kein mathematischer Automatismus für genau eine zusätzliche Behandlung. Unter starkem Infektionsdruck kann sie in der Praxis aber genau diesen Effekt haben.
In Kombination mit der begrenzten Wirksamkeit der aktuell stärksten Fungizide gegen Cercospora muss der erste Befall besonders ernst genommen werden. Enge Spritzabstände von zum Teil um 14 Tagen sind in stark infektionsreichen Phasen häufig notwendig, um den Befall zu kontrollieren. Eine BSA Note höher bedeutet also ca 1 Behandlung mehr und/oder einen um 2 Tage engen Spritzabstand wenn Infektionsbedingungen günstig sind. Bsp. Cerco. Note 2 sind innerhalb von 7 Wochen 2 Behandlungen notwendig wohin gegen eine BSA Note 5/6, drei oder mehr Fungizid-Maßnahmen in 2024 erforderlich gemacht haben. Am deutlichsten auch an den BZE Differenzen behandelt zu unbehandelt zu erkennen. (z.B. Josephina 100-82%; Blandina 100-92%)
Wirkstoffe: Mehr Bausteine, aber keine einfache Lösung
Die Cercospora-Bekämpfung ist schwieriger geworden. Strobilurine haben gegen Cercospora in vielen Regionen keine/geringe Bedeutung. Ihre Leistung gegen andere Blattkrankheiten, etwa Rost, kann weiterhin eine Rolle spielen; als tragende Säule gegen Cercospora sind sie jedoch nicht mehr einzuplanen.
Azole bilden weiterhin die wichtigste Basis der chemischen Cercospora-Bekämpfung. Allerdings zeigen auch sie regional Wirkungsverluste beziehungsweise ein Wirkstoff-Shifting. Deshalb ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel notwendig. Prothioconazol-haltige Produkte gehören derzeit zu den stärkeren Bausteinen. Abgestuft dahinter kommt dann Mefentrifluconazol und weiter deutlich abgestufter die anderen Azole wie: Metconazol, Difenoconazol und Tetraconazol. Diese sollten, wenn überhaupt, nur im Rahmen des Resistenzmanagements oder zur Bekämpfung anderer pilzlicher Schaderreger eingesetzt werden, etwa als Bestandteil einer 4. oder 5. Behandlung in langen Fungizidprogrammen.
Zur protektiven Anwendung oder zur Verlängerung der Wirkungsdauer bieten sich Carboxamide wie Fluopyram (Propulse) oder Fluxapyroxad (Diadem) an. Diese können die Wirksamkeit der Azole sinnvoll ergänzen. SDHI-Wirkstoffe wie Fluopyram oder Fluxapyroxad sind wichtige Bausteine, sollten aus Resistenzsicht jedoch gezielt und nicht mehrfach hintereinander eingesetzt werden. Mit der Notfallzulassung von Univoq steht 2026 zusätzlich Fenpicoxamid in Kombination mit Prothioconazol zur Verfügung. Fenpicoxamid ist ein neuer Wirkstoffbaustein, bleibt aber ebenfalls ein Single-Site-Wirkstoff und ist daher ebenso resistenzgefährdet wie SDHI‘s. Er darf nicht als Freifahrtschein verstanden werden, sondern muss in eine saubere Strategie eingebaut werden.
Baustein | Beispiele | Fachliche Einordnung |
Azole / DMI | Prothioconazol, Mefentrifluconazol, Metconazol, Difenoconazol, Tetraconazol | Basis der chemischen Kontrolle; Wirkstoffwechsel zwingend notwendig |
SDHI / Carboxamide | Fluopyram, Fluxapyroxad | gezielt einsetzen, nicht mehrfach hintereinander |
Strobilurine / QoI | Azoxystrobin | gegen Cercospora vielerorts kaum noch tragend; eher Zusatznutzen bei anderen Krankheiten |
Fenpicoxamid / QiI | Fenpicoxamid in Univoq | neuer Baustein; nur einmalig zugelassen; ebenfalls Resistenzmanagement beachten |
Kontakt-/Multisite | Kupferpräparate | keine Kurativleistung, aber wichtige protektive Absicherung |
Biologische/sonstige Bausteine | Bacillus-Präparate, Schwefel gegen Mehltau | keine tragende Cercospora-Leistung im Hochdruck |
Die Konsequenz daraus lautet: Nicht das einzelne Produkt entscheidet, sondern die Strategie. Wirkstoffwechsel, rechtzeitige Anwendung, saubere Applikation und Kupferabsicherung sind zusammen zu denken.
Wann welches Mittel einsetzen?
Die erste Maßnahme muss sitzen. Sie sollte bei Infektionsgefahr beziehungsweise erstem Befall mit einem starken Baustein erfolgen. In Risikolagen ist die Zugabe von Kupfer zur Wirkungs- und Resistenzabsicherung sinnvoll. Unter dem aktuell zu erwartenden hohen Cercospora-Druck sollte die erste Maßnahme mit einem der leistungsstärksten verfügbaren Bausteine erfolgen. Für den Einstieg bieten sich insbesondere prothioconazolhaltige beziehungsweise sehr wirksame Kombinationen wie Propulse oder – bei entsprechender Zulassung und Beachtung aller Auflagen – Univoq an. Ziel der ersten Behandlung ist es, sehr früh in das Infektionsgeschehen einzugreifen und den Blattapparat möglichst protektiv abzusichern, da die kurative Leistung der verfügbaren Fungizide begrenzt ist.
Die Folgebehandlung sollte in Abhängigkeit von Sorte, Befallsentwicklung, Witterung im Abstand von etwa 14 bis 19 Tagen eingeplant werden. Bei anhaltend warm-feuchter Witterung, Tau, Gewitterschauern und weiter steigendem Befall sind eher die kürzeren Abstände zu wählen. Lassen die Infektionsbedingungen nach oder stehen blattgesündere Sorten, können die Abstände entsprechend verlängert werden.
Bei moderatem bis rückläufigem Infektionsdruck kann Diadem als Folgebaustein eingesetzt werden. Da die kurative Leistung des enthaltenen Azols im Vergleich zu Prothioconazol geringer einzuschätzen ist, sollte der Abstand zur ersten Behandlung in solchen Strategien eher enger gewählt werden.
Bleibt der Infektionsdruck dagegen ähnlich hoch wie aktuell prognostiziert oder nimmt der Befall weiter zu, sollte auch zur zweiten Behandlung erneut ein sehr leistungsstarker Cercospora-Baustein (Propulse oder Univoq) eingesetzt werden. Dabei ist jedoch zwingend das Resistenzmanagement zu beachten. Nach zwei prothioconazolhaltigen Anwendungen darf nicht weiter in derselben Azol-Logik gearbeitet werden. Spätestens danach ist ein konsequenter Azolwechsel erforderlich, um die ohnehin angespannte Resistenzsituation nicht weiter zu verschärfen.
Kupfer ist bei den ersten Maßnahmen ein muss!
Kupfer ist nicht gleich Kupfer
Kupfer ist ein Kontaktfungizid. Es wirkt protektiv, nicht systemisch und nicht heilend. Es bildet einen Belag auf der Blattoberfläche. Bei Feuchtigkeit werden Kupferionen freigesetzt, die an mehreren Stellen in den Stoffwechsel von Pilzen eingreifen. Damit ist Kupfer ein Multisite-Wirkstoff und ein wichtiger Baustein im Resistenzmanagement.
Für Zuckerrüben stehen 2026 reguläre Kupferzulassungen gegen Cercospora zur Verfügung. Genannt werden unter anderem Recudo mit Kupferoxychlorid sowie Coprantol Duo beziehungsweise Badge WG mit einer Kombination aus Kupferoxychlorid und Kupferhydroxid.
Je nach eingesetzter Kupferverbindung unterscheiden sich Freisetzungsgeschwindigkeit, Dauerwirkung und Regenfestigkeit teils erheblich:
Kupferhydroxid (5-7Tage)
Kupferhydroxid gibt bei Blattbenetzung durch Regen oder Tau relativ rasch Cu2+-Ionen ab. Dadurch wirkt es schnell und zuverlässig gegen frisch auftretende Infektionen, insbesondere in der Anfangsphase des Cercospora-Befalls. Die Wirkung ist stark, aber vergleichsweise kurzanhaltend, da die Substanz durch Regen leicht abgewaschen werden kann. Kupferhydroxid eignet sich deshalb gut für den kurzfristigen Schutz, insbesondere zu Spritzbeginn oder bei beginnendem Infektionsdruck.
Kupferoxychlorid (7-10Tage)
Diese Verbindung ist weniger wasserlöslich als Kupferhydroxid und setzt die Kupferionen langsamer frei. Dadurch entsteht ein gleichmäßiger, anhaltender Schutzfilm auf dem Blatt, der eine längere Depotwirkung ermöglicht. Kupferoxychlorid ist besonders dort sinnvoll, wo längere Spritzabstände geplant sind oder wo anhaltend feuchte Bedingungen vorherrschen, die das Infektionsrisiko erhöhen. Die längere Regenfestigkeit macht es zu einer robusteren Option bei schwankenden Witterungsverhältnissen.
Kupfersulfat (3-5Tage)
Kupfersulfat ist sehr leicht löslich in Wasser und setzt sofort große Mengen an Kupferionen frei, was zu einer raschen, aber kurzlebigen Fungizidwirkung führt. Aufgrund der schnellen Reaktivität ist es empfindlich gegenüber Auswaschung und besitzt kaum Depotwirkung. Es wird daher in der Zuckerrübe in reiner Form nur selten eingesetzt, sondern findet eher in Mischpräparaten oder speziellen Anwendungen wie z. B. der Bordeauxbrühe Verwendung.
Bordeauxbrühe (Kupfersulfat + Branntkalk)
Bei dieser klassischen Mischung wird Kupfersulfat durch Kalk stabilisiert, wodurch die Kupferionen nur langsam freigesetzt werden. Das Resultat ist ein robuster, schützender Belag auf der Blattoberfläche mit ausgezeichneter Langzeitwirkung. Diese Form eignet sich besonders für vorbeugende Behandlungen, bei denen eine langanhaltende Wirkung erforderlich ist. Aufgrund ihrer Formulierung kann Bordeauxbrühe jedoch sichtbare Rückstände hinterlassen und bei hohen Konzentrationen phytotoxisch wirken, insbesondere bei empfindlichen Sorten oder unter Stressbedingungen.
Spritzabstände: Drei Wochen sind im Hochdruck oft zu lang
Nach der ersten Behandlung muss weiter bonitiert werden. Die Cercospora-Saison ist mit der ersten Maßnahme nicht erledigt. Entscheidend ist, ob weiterhin Infektionsbedingungen herrschen und ob erneut Befall aufgebaut wird.
Als Orientierung können starke Produkte unter günstigen Bedingungen längere Abstände ermöglichen. Bei leistungsstarken Bausteinen wie Propulse oder Univoq können, je nach Sorte, Druck und Witterung, etwa 16 bis 20 Tage realistisch sein. Bei schwächeren Bausteinen oder unklarer regionaler Resistenzsituation sollten die Abstände enger gewählt werden. Klassische Drei-Wochen-Abstände sind unter der aktuell erwarteten Witterung kritisch zu sehen.
In starken Infektionsphasen mit warmen Tagen, Tau, Gewitterschauern und anfälligen Sorten können Abstände von unter 14 Tagen fachlich notwendig werden. Das gilt besonders dann, wenn die erste Infektion bereits gesetzt ist und sich der Bestand in einer Phase hoher Blattmasse und hoher Anfälligkeit befindet. Lassen die Infektionsbedingungen nach, können Abstände wieder verlängert werden. Gleiches gilt für blattgesündere Sorten mit geringerem Befallsaufbau.
Die Spritzabstände sollten daher dynamisch geführt werden:
- hoher Druck, anfällige Sorte, erste Flecken: enger Abstand,
- starke Produkte und geringerer Druck: mittlerer Abstand,
- trockene Phase und blattgesunde Sorte: Abstand verlängern,
- später Rodetermin: Blattgesundheit länger absichern,
- früher Rodetermin: Wirtschaftlichkeit später Maßnahmen kritisch prüfen.
Insektizide und Fungizide: Ziele sauber trennen
Bei Schilfglasflügelzikade/SBR und Cercospora laufen zwei völlig unterschiedliche Ziele zusammen. Insektizide sollen Vektoren treffen. Fungizide schützen den Blattapparat vor Pilzinfektionen. Diese Ziele fallen zeitlich manchmal zusammen, sollten aber nicht automatisch in eine gemeinsame Überfahrt gezwungen werden.
Fachlich problematisch sind große Tankmischungen aus Insektizid, Fungizid, Kupfer und möglicherweise noch Blattdünger oder Additiven. Je nach Wasserqualität können solche Mischungen zu Ausflockungen, Schlieren, Belagsproblemen und möglichen Minderwirkungen führen. Zusätzlich sind die bienenschutzrechtlichen Vorgaben gesondert zu prüfen. Gerade bei blühenden Unkräutern, Randstrukturen und abendlichen Anwendungen dürfen die Auflagen nicht unterschätzt werden.
Insektizide möglichst solo fahren. Wenn eine Kombination überhaupt erwogen wird, müssen Mischbarkeit, Wasserqualität, Produktauflagen, Bienenschutz, Temperatur und Kulturverträglichkeit vorher geprüft werden. Eine Dreier- oder Vierfachmischung bei 30 Grad + X können sehr schnell auch Kultur unverträglich werden. Vorallem dann wenn ausschließlich gut oder griffig formulierte Produkte gemischt werden.
Mikronährstoffe, Salze und Phytotoxizität
Mikronährstoffe sollten nicht routinemäßig in jede Cercospora-Maßnahme eingemischt werden. Besonders kritisch sind Mischungen aus Kupfer, salzhaltigen Blattdüngern, pH-Absenkern, Additiven und Fungiziden unter Stressbedingungen. Hohe Temperaturen, Trockenstress, starke Sonneneinstrahlung oder weiche Blattoberflächen erhöhen das Risiko für Phytotoxizität.
Kupfer setzt unter sauren Bedingungen mehr freie Kupferionen frei. Das kann zwar die biologische Aktivität erhöhen, aber auch die Kulturverträglichkeit verschlechtern. Deshalb sollten pH-Wert, Wasserhärte und Mischpartner beachtet werden. Im Zweifel ist eine getrennte Überfahrt verträglicher und sicherer.
Applikationsbedingungen: Benetzung entscheidet
Für Cercospora ist eine gute Benetzung des Blattapparates entscheidend. Die Krankheit sitzt auf und in der Blattfläche; Kontaktbausteine wie Kupfer müssen dort ankommen, wo Infektionen stattfinden. Deshalb sind ausreichende Wasseraufwandmengen wichtig. Für Fungizidmaßnahmen sollten mindestens etwa 300 l/ha eingeplant werden.
Der beste Anwendungszeitpunkt ist früh morgens oder Nachts. Anwendungen in voller Hitze, bei Trockenstress, starker Sonneneinstrahlung oder Temperaturen über 25 °C sind kritisch.
Düsentechnisch kommt es auf eine gleichmäßige Blattabdeckung an. Doppelflachstrahldüsen können Vorteile bei der Benetzung bieten. Gleichzeitig müssen Abdriftminderungsauflagen, Wasseraufwandmenge, Fahrgeschwindigkeit, Druck und Zielflächenabstand eingehalten werden. Eine technisch saubere Applikation ist unter den aktuellen Resistenzbedingungen kein Nebenthema, sondern ein zentraler Teil der Wirkung.
Förderung der Widerstandskraft von Zuckerrüben zur effektiven Krankheitsbekämpfung
Eine starke und vital entwickelte Zuckerrübe ist weniger anfällig gegenüber pilzlichen Krankheiten wie Cercospora eine geschwächte Pflanzen. Daher ist alles, was der Pflanze zugutekommt, sei es durch optimale Nährstoffversorgung, Schädlingsbekämpfung oder Bodenpflege, auch förderlich für die Krankheitsresistenz.
Gezielte Blattdüngung zur Stärkung der Abwehrkräfte
Die Anwendung von Mikronährstoffen über die Blattdüngung hat sich als wirksame Strategie bewährt, um die pflanzeneigenen Abwehrmechanismen zu unterstützen. Insbesondere Bor, Mangan und Schwefel sind für die Resistenzentwicklung zentral:
- Bor stabilisiert die Zellwände und reguliert den Kohlenhydratstoffwechsel, wodurch die mechanische Barriere gegen pathogene gestärkt wird. Eine Blattdüngung mit 100 bis 200 g Bor pro Hektar, idealerweise in mehreren Applikationen im Abstand von 10 bis 14 Tagen, beginnend ab dem 6-Blatt- Stadium ist empfehlenswert.
- Mangan wirkt als Co-Faktor antioxidativer Enzyme und fördert die Ligninbildung, die als physische Schutzschicht fungiert. Eine Blattdüngung mit 150 bis 300 g Mangan pro Hektar ist sinnvoll, vorzugsweise als manganchelatierter Dünger für eine bessere Aufnahmeeffizienz
- Schwefel ist essentiell für die Bildung schwefelhaltiger Abwehrstoffe und Proteine, die die Immunantwort der Pflanze aktivieren.
- Stickstoff ist ein kritischer Faktor für das Pflanzenwachstum und die Synthese von Abwehrproteinen. Allerdings kann eine exzessive Stickstoffversorgung das Pflanzengewebe übermäßig weich und damit anfälliger für Pilzinfektionen machen
Mehrmalige Applikationen in kritischen Wachstumsphasen steigern die Wirkung deutlich. Neben der Blattdüngung sorgt eine ausgewogene Versorgung mit Phosphor und eine kontrollierte Bodenstickstoffgabe für nachhaltiges Wachstum und Vitalität.