Ackerbau – Zikadennymphen und -larven aushungern lassen

Wichtige Informationen des LTZ Augustenberg vom 02.11.2026

 

Die Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade zur Reduktion und Verzögerung von SBR/Stolbur-Infektionen wird mit Sicherheit noch mehrere Jahre andauern. Neben dem gezielten (Notfall)Einsatz von Insektizid-Mischungen, die das Bundesamt für Verbraucherschutz auch in diesem Jahr im Rahmen von Notfallzulassungen sowohl in Zuckerrüben als auch in Kartoffeln ermöglicht hat, sollten Landwirte, die am Anbau stark geschädigter Kulturen im Hot-Spot-Gebiet festhalten, unbedingt zusätzliche Maßnahmen ergreifen, um Schäden in den kommenden Jahren zu begrenzen.

 

Dazu gehören z.B. eine ausreichende Düngung, Vermeidung von Strukturschäden im Boden, optimale Saat- und Pflanzenzeiten, ausreichend weite Kartoffel- bzw. Zuckerrübenfruchtfolgen und der Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln. Vorteile bringt es auch, wenn direkt nach der Ernte eine tiefere mechanische Bearbeitung erfolgt (z.B. Pflug, Grubber), da hier die Nymphen teilweise zerdrückt werden.

In Bezug auf GLÖZ 6 (Mindestbodenbedeckung) sollten vorrangig die bestehenden Ausnahmemöglichkeiten (z.B. Erbringung nur auf 80% der Ackerfläche notwendig) genutzt werden. Wo diese nicht ausreichen, kann beim örtlich zuständigen Landwirtschaftsamt ein „Antrag auf Genehmigung einer Ausnahme von den Vorgaben von GLÖZ 6 nach § 3 Abs. 3 GAPKondG“ für einzelne Flächen „zur Aushungerung von Nymphen der Schilfglasflügelzikade (= Gründe des Pflanzenschutzes)“ gestellt werden.

Wo eine Begrünung rechtlich oder fachlich erforderlich ist (z.B. in Problem- und Sanierungsgebieten nach SchALVO oder auf stark erosionsgefährdeten Lössstandorten) kann anstelle einer Schwarzbrache auch Ölrettich oder Senf als Zwischenfrucht in Reinsaat gesät werden. Sofern Kartoffeln, Zuckerrüben und die betroffenen Gemüsearten in den Betrieben tragende Säulen mit hohen Deckungsbeiträgen bleiben sollen, lohnt sich auch der Versuch ob eine Umstellung der Fruchtfolge nach der Ernte 2026 – vlt. in nachfolgend beschriebener Form -gelingen kann.

Ölrettich und Senf sind für die Nymphen der Schilf-Glasflügelzikade keine geeignete Zwischenfrucht. Zwischenfruchtmischungen sind zu vermeiden, da hier aller Wahrscheinlichkeit nach Komponenten enthalten sind, die den Nymphen der Schilf-Glasflügelzikade als willkommene Nahrungsquelle dienen. Nach der Schwarzbrache bzw. nach Ölrettich und Senf als Zwischenfrucht sollte eine möglichst späte Sommerung gesät/gepflanzt werden wie Mais, Soja oder Kürbis. Bei frühen Sommerungen wie z.B. Sommergerste überleben mehr Nymphen, da sich zuerst noch an Wurzelstücken von Zuckerrüben oder Karotten ernähren können und dann relativ bald im Frühjahr die Wurzeln der Sommergerste kommen, die dann weiter als Nahrungsgrundlage dienen. 

Die Schwarzbrache - beispielsweise nach späten Kartoffeln - ist nicht zu verachtender Lösungsansatz zur Bekämpfung von Zikadennymphen und -larven. Unabhängig von der Einstufung des (Anbau)Gebietes gilt es, das landesweite Zikadenproblem besonders in den mittel bis stark betroffenen Anbaugebieten „in Schach“ zu halten. Dafür ist die Zeit zwischen Beerntung und dem kommenden Frühjahr bis zum Zeitpunkt der Aussaat geradezu prädestiniert. Dieser zur Verfügung stehende Zeitraum lässt sich ganz gezielt für die flächenspezifische Bekämpfungsstrategie nutzen. Wissen müssen wir dabei, dass das Aushungern der Nymphen aber nur dann eine deutlich spürbare Wirkung auf die Zikaden-Population hat, wenn Landwirte in einem größeren zusammenhängenden Gebiet (mindestens eine Gemeinde, besser mehrere benachbarte Gemeinden) gemeinsam das Aushungern nach Kartoffeln, Zuckerrübe und den betroffenen Gemüsearten angehen. 

Letztlich bleibt und ist die Gestaltung der Fruchtfolge eine herausfordernde und kontrovers diskutierte betriebliche Entscheidung. Die massiven Schäden - nicht nur in Kartoffeln und Zuckerrüben, sondern auch in vielen Gemüsearten - aber zeigen, dass nachhaltige Lösungen unbedingt gebraucht werden.