Grünland – Herbstzeitlose sorgt für Probleme

Wichtige Informationen aus dem Landkreis Göppingen vom 16.04.2026

 

Dieses Frühjahr finden wir wieder verstärkt im ganzen Landkreis, aber vor allem auf extensiv geführten Grünlandbeständen die Giftpflanzen Herbstzeitlose (Colchicum autumnale). „Aus diesem Anlass möchten wir Sie erneut über die Problematik dieser Pflanze informieren,“ so T. Kielmann, amtliche Pflanzschutzberater am Landwirtschaftsamt in Göppingen in seinen heutigen Praxistipps mit Blick in sein Beratungsgebiet.

 

Im Frühjahr ist die Herbstzeitlose anhand ihrer charakteristischen, fleischigen, tulpenähnlichen Blätter sowie einer etwa 5 cm großen Samenkapsel gut zu erkennen. Die lilafarbene, krokusähnliche Blüte erscheint hingegen erst im Spätsommer bis in den Herbst hinein – dann allerdings ohne begleitende Blätter. Bei der Pflanze handelt es sich um eine mehrjährige, krautige Pflanze, die über 20 verschiedene Giftstoffe enthält. Besonders relevant für Mensch und Tier ist dabei das Alkaloid Colchicin, das unter anderem zu Krämpfen, Koliken, blutigem Urin und Kot, Lähmungen sowie im schlimmsten Fall zum Tod führen kann. Nach Lebensmittel- und Futtermittelgesetz ist das Verfüttern oder das in Verkehr bringen von mit Giftstoffen belasteten Futtermitteln unzulässig, streng genommen gilt eine Entsorgungspflicht. 

 

Die Bekämpfung der Herbstzeitlose gestaltet sich schwierig, da sie über eine zwiebelartige, unterirdische Knolle verfügt. Jährlich bildet die Pflanze eine Tochterknolle, die sich unterhalb der Mutterknolle entwickelt und zunehmend tiefer in den Boden verlagert Eine wirksame chemische Bekämpfung steht derzeit nicht zur Verfügung, sodass ausschließlich mechanische Maßnahmen infrage kommen. Bei vereinzeltem Auftreten sollten die Pflanzen möglichst frühzeitig ausgestochen und fachgerecht entsorgt werden (z.B. über den Hausmüll oder eine Kompostieranlage). Bei stärkerem Befall muss die Bewirtschaftung angepasst werden. Bewährt hat sich insbesondere ein vorgezogener Schnittzeitpunkt oder ein Pflegemulchschnitt Ende April bis Anfang Mai. Wichtig ist hierbei, dass die Samenkapseln bereits gut sichtbar sind und vom Mulchgerät vollständig erfasst werden. Weitere unterstützende Wirkung bei der Bekämpfung der Herbstzeitlose kann die Witterung haben. Es hat sich gezeigt, dass ein Mulchschnitt vor einer längeren niederschlagsreichen Witterungsphase vorteilhaft sein kann. Bei anhaltendem Regen kann Wasser über die Schnittstellen in die Knolle eindringen und Fäulnisprozesse fördern. Studien zeigen zwar, dass im nachfolgenden Aufwuchs geringe Colchicin-Gehalte nachweisbar sein können, diese jedoch deutlich unterhalb kritischer Grenzwerte liegen. Für einen nachhaltigen Rückgang im Bestandes ist es jedoch erforderlich, diese Maßnahmen über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren konsequent durchzuführen. Darüber hinaus sollte eine standortangepasste Düngung erfolgen und gegebenenfalls eine Nachsaat in Betracht gezogen werden, um vorhandene Lücken im Grünlandbestand zu schließen. 

Praxistipps: Bitte informieren Sie sich unbedingt vorab, ob es sich bei ihrer Fläche um eine FFH-Mähwiese handelt. In diesem Fall gelten besondere naturschutzrechtliche Anforderungen. Für eine individuelle Beratung können Sie sich gerne an uns wenden.

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