Grünland – Nachsaat im Herbst?!

Wichtige Informationen aus dem Rems-Murr-Kreis vom 11.09.2026

 

Die agile Pflanzenschutzexpertin A. Bäuerle vom Landwirtschaftsamt Rems-Murr-Kreis in Backnang weiß: „Trockenheit und hohe Temperaturen haben das Grünland zum Teil völlig ausgebrannt und deutliche Spuren hinterlassen.“ Mit Blick in ihr Anbau- und Beratungsgebiet muss aus ihrer Sicht in erster Linie nachgesät werden um die Ertragsfähigkeit des Grünlands wieder herzustellen und das Einwandern von Problemarten wie Ampfer und Co. zu verhindern.

 

Nachsaaten an sich sind grundsätzlich während der gesamten Vegetationszeit möglich, sollten aber nur bei ausreichender Bodenfeuchte bzw. angekündigten Niederschlägen erfolgen.

Geeignete Zeiträume sind: 

  • Frühjahr: besonders in trockenen Lagen, da die Winterfeuchte genutzt werden kann oder auch, wenn der Bestand mit Schäden aus dem Winter kommt (Frostgefahr im Blick haben) 

  • Nach dem ersten oder zweiten Schnitt: in günstigen Lagen, ohne die Gefahr einer Frühsommertrockenheit 

  • Spätsommer/Frühherbst: bei sommerlicher Trockenheit meist besonders erfolgversprechend, da Tau und niedrigere Tagestemperaturen (< 25°C) die Keimung fördern. Die Saat sollte so früh erfolgen, dass die jungen Pflanzen vor dem Winter mindestens das 3-Blatt-stadium erreichen. Je nach Höhenlage ist dies bis Mitte/Ende September möglich, in tieferen Lagen teils noch bis Anfang Oktober. Späte Saaten erhöhen das Risiko von Auswinterungsschäden.

Welche Maßnahme ist sinnvoll? 

Durch den lang erwarteten Regen im August hat das Grünland wieder angeschoben. Jetzt offenbaren sich auch die tatsächlichen Schäden bzw. der Lückenanteil: 

  • Bei weniger als 20 % Lücken- oder Unkrautanteil reicht meist eine Übersaat mit etwa 5 bis 10 kg Saatgut/ha, sie dient vor allem der Bestandserhaltung und ist regelmäßig zu wiederholen. 

  • Bei mehr als 20 % Lücken- oder Unkrautanteil ist eine Nachsaat mit etwa 20 bis 25 kg/ha erforderlich. 

  • Eine Neuansaat bzw. Totalerneuerung sollte erst bei sehr starker Schädigung, meist deutlich über 50% Lücken- oder Unkrautanteil, erwogen werden. Achtung: Ein Grünlandumbruch ist genehmigungspflichtig, sprechen Sie unbedingt vorher mit dem Landwirtschaftsamt. 

Je lückiger die alte Narbe ist, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Bei stark verfilzten oder verunkrauteten Beständen kann eine vorherige Bearbeitung, etwa mit dem Grünlandstriegel, notwendig sein. Gerade die Gemeine Rispe muss herausgestriegelt und abgefahren werden, um Platz für die erwünschten Gräser zu schaffen. 

Deutsches Weidelgras bleibt auf geeigneten, ausreichend wasserversorgten Standorten die wichtigste Art für Nach- und Neuansaaten. Es ist konkurrenzstark und kann sich gut gegen die bestehende Narbe durchsetzen. Ergänzend können je nach Standort weitere Arten wie z.B. Wiesenlieschgras, Wiesenschwingel, Wiesenrispe, Knaulgras und als Leguminosen Rotklee/Weißklee sinnvoll sein. Wobei folgendes dabei von Interesse ist: 

  • Knaulgras: sehr trockenheitstolerant, geeignet für regelmäßig trockene Standorte; muss früh genutzt werden, da es schnell rohfaserreich wird. 

  • Wiesenlieschgras: frosthart und für kühlere, auswinterungsgefährdete oder zeitweise überflutete Lagen geeignet, aber wenig trockenheitsresistent. 

  • Wiesenschwingel: passend für frische bis feuchte, aber auch saisonal trockene Standorte; gute Nachwuchsleistung.

  • Rotklee: trockentoleranter als Gras und gut nachzusäen, aber nicht sehr ausdauernd und für Weiden ungeeignet. 

Auf besonders trockenheitsgefährdeten Flächen sollte die Artenwahl stärker auf trockenheits-tolerante Gräser ausgerichtet werden. Geeignete Mischungen für Nach- und Neuansaaten in Abhängigkeit von Nutzung und Standortbedingungen werden regelmäßig von LAZBW Aulendorf unter folgenden Links veröffentlicht Empfehlung für die Ansaat und Nachsaat von Dauergrünland - Infodienst - LAZBW unter dem Link:

https://lazbw.landwirtschaft-bw.de/,Lde/Startseite/Themen/Empfehlung+fuer+die+Ansaat+und+Nachsaat+von+Dauergruenland

sowie Empfehlungen aus 2025 Microsoft Word - Faltbl_GL_2025_A4.docx unter: https://lazbw.landwirtschaft-bw.de/site/pbs-bw-mlr-root/get/params_E1106952268/25461567/Faltbl_GL_2025_A4.pdf

Praxistipps: Die Nachsaatmengen orientieren sich auch an den eingesetzten Mischungen. Aufgrund der Trockenheit und der hohen Nachfrage ist die Saatgutverfügbarkeit aktuell eingeschränkt. Bitte beachten Sie bei allen Maßnahmen, die Sie auf dem Grünland umsetzen evtl. (förderrechtliche) Bewirtschaftungsauflagen. Fragen Sie ggf. vorab lieber nach.

 

Herbstzeitlose - Derzeit fallen wieder Wiesen mit einem Besatz an Herbstzeitlosen auf. Aufgrund ihrer leuchtend lilafarbenen Blüten sieht man Sie bereits von weitem. Betroffen sind nicht nur extensiv bewirtschaftete Wiesen und Weiden, sondern auch Randbereiche intensiv bewirtschafteter Flächen. 

Praxistipps: Der richtige Zeitpunkt zur Bekämpfung dieser in allen Teilen giftigen Pflanze ist das Frühjahr. Allerdings sind zum Blütezeitpunkt stark befallene Flächen besser zu erkennen. Diese gilt es jetzt aufzuschreiben und ggf. für die Bekämpfung im Frühjahr vorzumerken.

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