Ackerbau – „Zeit zum unmittelbaren Handeln sieht anders aus.“
Wichtige Informationen des LRA Tübingen vom 29.05.2026
„Die ersten Weizenbestände beginnen mit der Blüte und die ersten Staubbeutel werden sichtbar,“ so der langjährig versierte, amtliche, Beraters und Pflanzenschutzexperte A. Lohrer im Landkreis Tübingen mit der Ergänzung:
Winterweizen - Durch die trockene Witterung ist aktuell nicht mit Infektionen zu rechnen. Je nach Vorhersage kann es in der kommenden Woche gute Infektionsbedingungen mit Temperaturen um 20 -25°C und mehr als 24h Feuchtigkeit geben. Bei Temperaturen im unteren Bereich wird eine eher lange Blattfeuchte benötigt und umgekehrt, auch die spätere Toxinbildung ist temperaturabhängig. Ob eine Behandlung notwendig ist hängt aber auch sehr stark von den Risikofaktoren Vorfrucht, Ernterestmanagement, Bodenbearbeitung, Sortenanfälligkeit und Feuchtigkeit zur Blüte auf dem jeweiligen Schlag ab. Bei einer weniger anfälligen Sorte (BSA-Note 3 oder weniger, z.B. Exsal, Moschus) und günstiger Vorfrucht kann meist auf Fungizidbehandlungen verzichtet werden. Bei reduzierter Bearbeitung nach Mais mit vielen Ernteresten an der Bodenoberfläche und Sorten mit einer Anfälligkeit nach BSA von 5 oder höher (z.B. Chevignon, Informer, KWS Donovan, etc.) ist eher mit Fusariuminfektionen zu rechnen. Fungizidbehandlungen sind am wirksamsten 1-2Tage vor oder bis zu 3 Tage nach Niederschlägen während der Blüte. Allerdings blüht der Weizen verdeckt und schiebt die Staubbeutel erst nach erfolgter Befruchtung nach außen. Wenn also ca. 20-30% der Staubbeutel außen an den Ähren sichtbar sind kann von der Vollblüte des Bestandes als optimalem Behandlungszeitpunkt ausgegangen werden. Geeignete Fungizide wie z.B. Input Classic, Maganic, Navura, Tokyo, Prosaro, Soleil, etc. finden Sie auf S. 58 – 61 im Heft „Integrierter Pflanzenschutz 2026“.
Sommergerste - Je nach Standort befindet sich die Sommergerste überwiegend zwischen BBCH 39 (Fahnenblatt voll entwickelt) und BBCH 51 (Beginn Ährenschieben). Somit ist das Entwicklungsstadium für eine wirkungsvolle Abschlussbehandlung mit Schwerpunkt Ramularia erreicht. Wie auch in Wintergerste sollte gegen die Ramularia 1,5 l/ha Folpan 500 SC, Nafabo, etc. oder 1,5 l/ha Amistar Max zugegeben werden. Die Aufwandmengen der oft eingesetzten Carboxamid/-Azol-Kombinationen kann wegen der schnelleren Pflanzenentwicklung auf ca. 80% im Vergleich zu Wintergerste reduziert werden, z.B. auf 1 l/ha Ascra Xpro, 1,2 l/ha Balaya, 0,8 l/ha Elatus Era, 1,2 l/ha Jordi, 1,2 l/ha Revytrex, etc. Auf schwächeren Standorten ist alternativ zu den den Carboxamid-haltigen Mitteln auch der Einsatz von 200 g/ha Prothioconazol (z.B. 0,8 l/ha Aurelia, Tokyo, Proline, Joust oder 0,65 l/ha Pecari 300 EC, Protendo 300 EC,…) möglich.