Getreide – Für Fusarium war es bislang zu kalt
Wichtige Informationen aus dem Landkreis Karlsruhe vom 20.05.2026
„Frühe“ Weizensorten wie z.B. Complice, Winner, Obiwan oder Balzac haben auf „frühen“ Standorten (Rheinebene/Hardt) zu blühen begonnen. „Für Fusariuminfektionen war es bislang zu kalt,“ so die renommierten Pflanzenschutzexperten C. Erbe und B. Lutsch, vom Landwirtschaftsamt in Bruchsal mit der Ergänzung: „Ab 16°C kann der Fusariumpilz bei vorhandenem Niederschlag aber Infektionen verursachen!“
Generelle Informationen zu Fusarium
Befallsfördernde Faktoren - Anfällige Sorten (BSA Einstufung Fusarium > 4), Vorfrüchte wie Körnermais, Silomais oder Zuckerrüben und viele Erntereste zum Zeitpunkt der Blüte des Weizens (z.B. durch nicht wendende Bodenbearbeitung ohne Strohzerkleinerung) erhöhen generell die Gefahr von hohen Mykotoxinbelastungen des Ernteguts.
Witterung zur Blüte - Entscheidend für die Ausbreitung von Fusarium sind die Bedingungen vor, während und nach der Blüte. Feuchtwarme Bedingungen vor der Blüte lassen die Sporenlager auf den Ernteresten heranreifen. Temperaturen zwischen 16°C – 25 °C während der Blüte gekoppelt mit Niederschlägen > 2mm führen zum Ausschleudern der Sporen aus den Sporenlagern und anschließend zur Infektion der geöffneten Ährchen. Fusarium kann nur während der Blüte infizieren, weil in diesem Moment die Ährchen geöffnet sind und der Pilz durch diese Öffnungen in die Ähre eindringen kann.
Behandlungszeitpunkt - Eine gezielte Fusariumbehandlung kann nur zu Beginn bis Mitte der Blüte erfolgen. Davor oder danach bringen Behandlungen einen nicht ausreichenden Bekämpfungserfolg. Die Behandlung sollte 2 Tage vor bis max. 3 Tage nach einem Infektionsereignis in der Blüte erfolgen. Leichte Taunässe bzw. hohe Luftfeuchte verbessern das Eindringen des Wirkstoffs in die Ähre. Deshalb Fusariumbehandlungen in den frühen Morgenstunden durchführen. Meist blühen die Bestände nicht gleichmäßig ab (Kraichgau = weiter entwickelte Kuppen als Senken). Hier sollte sich an den Tallagen orientiert werden, da diese durch die längere Tauphase stärker von Fusarium betroffen sein können.
Praxistipps: Sollte es in den kommenden Tagen Niederschlagsereignisse geben, raten wir in derzeit blühenden Weizenbeständen, insbesondere nach Mais oder Zuckerrüben in Mulchsaat, zu einer Blütenbehandlung mit Schwerpunkt Fusarium. Zum Einsatz können die Mittel Prosaro oder Navura kommen. „Normale“ Weizensorten wie z.B. Asory, Chevignon oder RGT Reform befinden sich zwischen den Stadien letztes Blatt voll entwickelt, Ährenschwellen bis hin zu Beginn Ährenschieben. Sie kommen voraussichtlich in 10 bis 14 Tagen zur Blüte. Nach Vorfrucht Mais/Zuckerrüben entscheidet sich hier, ob zum Zeitpunkt der Blüte je nach Wetter der Schwerpunkt auf Fusarium oder Rost gelegt werden muss. Unter trockenen Bedingungen kann kostengünstig der Schwerpunkt auf Rost mit 1,0 l/ha eines Tebuconazolhaltigen Fungizides (250g/kg Wirkstoffgehalt Tebuconazol) gelegt werden. Sofern ein Regenereignis während der Blüte stattfindet, muss bei den Vorfrüchten Mais oder Zuckerrüben ein Strategiewechsel erfolgen und die Mittel Prosaro oder Navura zum Einsatz kommen.
Tierische Schaderreger - Eine Behandlung gegen Getreidehähnchen oder Läuse ist derzeit nicht notwendig!
Beim Getreidehähnchen liegt der Bekämpfungsrichtwert bei 20% geschädigter Blattfläche pro Pflanze bzw. ein Ei/Larve pro Halm. Falls der Getreidehähnchenbefall auf Ihren Schlägen massiv ist, bitten wir um eine kurze Rückmeldung. In den Schutzgebieten sind die Auflagen des IPS plus einzuhalten.
Achtung: Liegt der Befall mit dem Getreidehähnchen in den Schutzgebieten über der oben genannten Schadensschwelle, müssen Sie Rücksprache mit der amtlichen Beratung halten, wenn Sie ein Insektizid einsetzen möchten.
Ab dem Ährenschieben liegt die Schadensschwelle bei den Blattläusen bei 65% besiedelter Ähren oder Fahnenblätter, d.h. bei 50 Pflanzen wären auf 32 Pflanzen Läuse vorzufinden. Hierbei spielt es keine Rolle, ob sich auf einer Pflanze eine oder 100 Läuse befinden. Eine Pflanze zählt als befallen sobald eine Laus auf Ihr vorgefunden wird. Denken Sie bei jeder geplanten Insektizid Maßnahme daran, dass auch Nützlinge wie z.B. Marienkäfer miterfasst werden können. Dadurch werden zu einem späteren Zeitpunkt Läuse nicht mehr durch Ihre natürlichen Gegenspieler bekämpft, was im Extremfall eine zusätzliche Insektizidbehandlung nach sich zieht.