Getreide - Fusarium im Weizen im Blick behalten
Wichtige Informationen aus dem Landkreis Ravensburg vom 03.06.2026
Die frühen Winterweizen-Bestände im Schussental befinden sich im Stadium Mitte bis Ende Blüte (BBCH 65-69), die späteren bewegen sich rund um´s Ährenschieben. „Sobald die Ähre voll erschienen ist, geht der Weizen recht zügig in die Blüte,“ so das renommierte Beratungstrios M. Längle, S. Löbner und M. Kreh vom Landwirtschaftsamt Ravensburg.
Weizen beginnt bereits langsam mit der Blüte, auch wenn die Ähre noch nicht aus der Blattscheide heraus geschoben ist. Kontrollieren Sie Ihre Bestände daher genau, um dieses Stadium der beginnenden Blüte nicht zu verpassen. An der gesamten Ähre findet die Blüte der Ährchen nacheinander statt, beginnend in der Mitte und weiter verlaufend nach oben und unten. Um genauer nachzuschauen müssen Sie die Blüte mit dem Fingernagel öffnen. Wenn der Staubbeutel noch grün ist, blüht das Ährchen noch nicht, ist er gelb so ist Vollblüte. Wenn aber außen bereits gelbe, kompakte Staubbeutel am Ährchen erkennbar sind, ist bei diesen Ährchen die Blüte schon abgeschlossen und vorbei. Die weiter außen liegenden Ährchen sind dann noch in der Blüte. Die Blüte und somit der gefährliche oder auch passende Zeitraum dauert bei den heutigen Weizensorte vier bis maximal 7 Tage.
Frühe Bestände im Schussental haben bereits vor einigen Tagen, bei noch trockener Witterung geblüht, hier war keine Gefahr einer Fusarium-Infektion vorhanden, die gesetzte Behandlung auf´s voll entwickelte Fahnenblatt war hier ausreichend gewesen, um den Blattapparat vor Septoria etc. zu schützen.
Wenn Sie noch entscheiden müssen, weil Ihre Bestände erst noch in die Blüte kommen: Generell hängt die Gefahr einer möglichen Fusariuminfektion hängt von mehreren Faktoren ab. Diese sind unter anderem die Anfälligkeit der Sorte (BSA-Einstufung), die Vorfrucht Mais, Bodenbearbeitung zur Aussaat und wechselfeuchter Witterung mit Temperaturen zwischen 16 und 25°C während der Blüte. Die Ausbreitung der Infektion erfolgt über Stoppelreste der Vorfrucht Mais über Wind und Regentropfen vom Boden aus hinauf zur Ähre. Treffen mehrere der genannten Faktoren aufeinander, ist eine gut terminierte Blütenbehandlung sinnvoll. Der Behandlungszeitpunkt beschränkt sich allerdings nur auf max. 2 Tage vor und 3 Tage nach Infektion/bzw. nach Niederschlägen zur Hauptblüte. Die bereits gefallenen Niederschläge und diejenigen, die noch kommen, können zu Fusarium-Infektionen führen. Fürs Wochenende sind wieder steigende Temperaturen bei anhaltender Feuchte angekündigt.
In den kommenden Tagen ergeben sich immer wieder Zeitfenster zwischen den Niederschlägen, um Fungizid-Maßnahmen durchzuführen. Wenn leichte Taunässe bzw. hohe Luftfeuchte vorhanden ist, unterstützt dies die Verlagerung des Wirkstoffs in die Ährchen hinein. Zum jetzigen Zeitpunkt können auch noch Betriebe agieren, die bislang auf eine Abschlussbehandlung verzichtet hatten und nun Blattapparat und Ähre gesammelt in einer Überfahrt schützen. Bei anfälligen Sorten wie Informer, Donovan, Absolut, Chevignon ist eine volle Aufwandmenge der bekannten Produkte mit Prothioconazol, Tebuconazol, Metconazol… emfehlenswert. Andere Wirkstoffe aus der Gruppe der Strobilurine oder Caroxamide sind für die reine Ährenbehandlung nicht sinnvoll und nicht nötig, wenn zuvor schon eine Abschlussbehandlung aufs Fahnenblatt stattgefunden hat. Es können auch Mischungen mit Teilmengen aus reinen Prothioconazol-Produkten (Aurelia, Proline…) mit Metconazol (Plexeo, Sirena…), und Tebuconazol (Folicur…).
Vorbeugen ist besser als Nachsorgen: Sogar eine optimal gesetzte Blütenbehandlung ist kein Garant, die Fusarium-Infektion im Griff zu haben. Die eingesetzten Fungizide haben selbst bei optimalem Einsatz eine Wirkung von 50-80%. Nehmen Sie Fusarium-Infektionsdruck raus, indem Sie für eine optimale Strohrotte der Maisstoppeln sorgen. Dies geschieht durch eine Zerkleinerung mittels Mulcher, oder mit anderen schneidenden Geräten (Messerwalze, Kurzscheibenegge…). Danach sollte eine gleichmäßige Einarbeitung bei der Grundbodenbearbeitung durchgeführt werden, die das Ziel verfolgt, dass die Bodenlebewesen unter aeroben Bedingungen die Stoppeln optimal verarbeiten können. Hier kann eine passende mischende, nicht wendende Gerätetechnik gute Arbeit verrichten. Das tiefe Vergraben der Maisstoppeln durch eine saubere Pflugfurche ist keine Garantie für eine Reduktion des Fusarium-Drucks. Wenn das Maisstroh unter anaeroben Bedingungen vor sich hin fault und im nächsten Jahr mit dem Pflug wieder hochgedreht wird, kann das Infektionspotenzial der Dauersporen immer noch vorhanden sein. Hier kann dann wiederum eine Infektion im Keimstadium des Weizens im Herbst erfolgen.