Getreide - Nicht überstürzt handeln!
Wichtige Informationen aus dem Landkreis Ravensburg vom 06.10.2026
„Viele Wintergerstenbestände sind schon gesät, die Winterweizenaussaat steht nun auch bevor. Überstürzen Sie jedoch nichts!“ so das junge und weitsichtige Beratungstriumphirat M. Längle, S. Löbner und M. Kreh vom Landwirtschaftsamt Ravensburg in ihrem aktuellen Hinweis.
Warme Herbsttemperaturen können zu überwachsenen Beständen führen, welche anfälliger für Krankheiten und/oder Auswinterungsschäden sind. Aufgrund der besonderen Umstände, durch den Wegfall von Flufenacet, sollten Sie sich frühzeitig Gedanken über eine längerfristig passende Herbizidstrategie machen. Insbesondere deshalb, weil die meisten „Flufenacet – Alternativen“ im Vorauflauf angewendet werden müssen. Dazu hier nun ein paar erste Anregungen.
Praxistipps:
Sollten Sie früh gesäte Bestände haben, lohnt sich auf jeden Fall eine Herbizidmaßnahme im Herbst. Da hier einfach mehr Wirkstoffe zur Auswahl stehen und der Bekämpfungserfolg aufgrund der frühen Applikation besser ist, als im Frühjahr. Anbei finden Sie die Tabelle mit Mitteln zur Unkrautbekämpfung im Herbst: (Integrierter Pflanzenschutz - Ackerbau und Grünland).
Sollten Sie auf Ihren Flächen Ackerfuchsschwanz, Windhalm oder andere Gräser haben, dann lohnt sich im Herbst auf jeden Fall eine Ungrasbehandlung im Herbst. Anbei finden Sie eine Übersicht über die zugelassenen Mittel (Integrierter Pflanzenschutz - Ackerbau und Grünland).
Achtung: Die beiden Wirkstoffe Pendimethalin und Prosulfocarb haben eine hohe Verflüchtigungsneigung. Beachten Sie bitte die nachfolgenden Auflagen zur Ausbringung:
90% Abdriftminderung
Mindestens 300 Liter/ha Wasser
Maximale Fahrgeschwindigkeit von 7,5 km/h
Maximale Windgeschwindigkeit von 3 m/s
Wichtiger Hinweis - Ende des Jahres fällt der sehr wichtige Wirkstoff „Flufenacet“ zur sicheren Ungrasbekämpfung weg. Das heißt, dass Sie die Mittel mit diesem Wirkstoff (in der zweiten Tabelle mit gelb markiert) nur noch dieses Jahr anwenden dürfen. Danach endet die Aufbrauchfrist und Restbestände müssen bei der Problemstoffsammlung - u.U. sogar kostenpflichtig - abgegeben werden.
Mögliche Alternativen zu Flufenacet - Um den Ackerfuchsschwanz ohne Flufenacet in den Griff zu bekommen, helfen meist ackerbauliche Maßnahmen. So zum Beispiel eignet sich ein „falsches“ Saatbett sehr gut oder Spätsaaten von Getreide. Was ist mit Spätsaaten gemeint? Wir meinen damit nicht die Aussaat Ende Oktober / Anfang November, sondern einfach ein paar Tage später zur regulären Aussaat. Das heißt, wenn Sie sonst Mitte / Ende September Wintergetreide gesät haben, dann schieben Sie die Aussaat einfach auf Anfang / Mitte Oktober. Vorausgesetzt das Wetter und die Bodenbedingungen passen. Meist hilft ein 1 bis 2 Wochen später ausgewählter Saattermin erheblich bei der Reduktion von Ackerfuchsschwanz. Eine weitere Maßnahme wäre das Blindstriegeln nach der Aussaat. Hier kann aufkommender Ackerfuchsschwanz nochmals deutlich reduziert werden. Es gibt auch weiterhin chemische Alternativen, siehe unser Merkblatt. Hierbei muss aber unbedingt auf die Verträglichkeit und die teilweise sehr herausfordernden Anwendungsbestimmungen geachtet werden.
News - In diesem Jahr (vom 01.09. bis zum 29.12.2026) gibt es zur Ackerfuchsschwanzbekämpfung in Winterweichweizen eine Notfallzulassung des Produktes „Luxinum“ (Wirkstoff: Cinmethylin). Beim Einsatz dieses Mittels gilt es zu beachten:
Anwendungstermin - Vor dem Auflaufen bis maximal zum 2-Blattstadium des Weizens!
Feinkrümeliges Saatbett
Bodenfeuchte
Mindestbodenbedeckung des Saatguts von 3 cm
Wüchsiges Wetter 3 Wochen lang nach der Applikation
Für Wintergerste gibt es keine Zulassung!
Wintergerste reagiert auf eine Anwendung mit Phytotox (stirbt ab)
Weitere Notfallzulassung für die Ackerfuchsschwanzbekämpfung in Winterweichweizen und Wintergerste:
Das Produkt „Fundatis“ von Cheminova enthält die Wirkstoffe Bixlozone und Beflubutamid. Die Zulassung läuft momentan vom 28. September 2026 bis zum 25. Januar 2027.
Zusätzlich dieser Tatsache gilt es die einschlägigen Anwendungsbedingungen und Einsatzkriterien zu beachten:
Anwendungszeitpunkt: vor dem Auflaufen, bis unmittelbar nach dem Auflaufen, Herbst
mindestens 300 Liter/ha Wasseraufwandmenge
Gepflügte Flächen an Oberflächengewässer mit einer Hangneigung von 2% oder mehr ⇒ 20 m Gewässerabstand
Tageshöchsttemperatur über 25°C: keine Anwendung
Tageshöchsttemperatur über 20°C: Anwendung nur zwischen 18 Uhr abends und 9 Uhr morgens
Maximale Windgeschwindigkeit bei der Ausbringung: 3 m/s
90% Abdriftminderung!!!
Fahrgeschwindigkeit max. 7,5 km/h
50 m Abstand zu Ortschaften und Flächen der Allgemeinheit (z.B. Sportplätze)
5 m Abstand zu allen anderen Flächen