Getreide – Regionale „Befallssituation“ durch physiologische Blattflecken – ISIP hilft!
Wichtige Informationen aus dem Enzkreis vom 01.05.2026
Die agilen, amtlichen Pflanzenschutzberater S. Nagel und F. Fuchs berichten über ein vermehrtes Auftreten verschiedenster Blattflecken in den Getreidebeständen im Dienstbezirk und entschärfen die regionale „Befallssituation“ wie folgt.
Physiologische Blattflecken - Hierbei handelt es sich um Stresssymptome, sog. „Physiologische Blattflecken“ (kurz PLS). PLS werden nicht durch Pilze, sondern durch Stressfaktoren wie Hitze, hohe und lang andauernde Strahlungsintensität, Trockenheit und daraus resultierende Nährstoff- und Wasserknappheit und starke Temperatur-schwankungen zwischen Tages- und Nachttemperaturen hervorgerufen. Viele dieser genannten Faktoren sind in den letzten Wochen aufgetreten und setzten die Bestände unter Druck, was sich im Erscheinen dieser Blattflecken äußert. Zusätzlich können auch sog. „Pollennekrosen“ beobachtet werden. Der Pollen-belag auf den Blättern sorgt für eine Abwehrreaktion der Pflanze. Die daraus hervorgehenden Blattflecken sind mit PLS gleichzusetzen.
Anhand folgender Merkmale können PLS von Krankheitssymptomen unterschieden werden, die auf biotische Ursachen (z.B. Pilze) zurückgeführt werden können:
unregelmäßige Verteilung der PLS im Bestand
Blattflecken sind eher am oberen, dem sonnenzugewandten Drittel, der Blätter zu erkennen
keine Fruchtkörper (keine Sporenlager, Pusteln oder Myzel)
verschiedene Farbvariationen in unterschiedlicher Größe auf Blattspreite und an den Blattspitzen: Aufhellungen/ Nekrosen/ Chlorosen, punktförmig oder auch flächig „plötzliches“ Auftreten
Praxistipps: „Teilen Sie uns gerne Ihre Erfahrungen und Beobachtungen mit.“ Im Rahmen der Bestandskontrolle kann es sinnvoll sein, zeichnende Pflanzen zu markieren und über die Zeit hinweg die Entwicklung zu beobachten. Ergänzend zu den regelmäßigen Bestandskontrollen und zur Absicherung der Diagnose kann es hilfreich sein, die Berechnungen der Blattkrankheiten-Prognosemodelle in ISIP zur Abschätzung der wetterabhängigen Infektionsgefahr am jeweiligen Standort heranzuziehen. Dabei gilt es zu beachten, dass es sich hierbei um ein Modell handelt, individuelle Bestandskontrollen sind dadurch nicht zu ersetzen.
Wintergerste - Überwiegend ist das letzte Blatt geschoben und die Bestände befinden sich im Grannenspitzen. Je nach Sorte und Standort sind manche Bestände auch schon weiter in der Entwicklung fortgeschritten. Sobald die Grannen ca. 50 % geschoben haben, steht die Abschlussbehandlung an. Das Zeitfenster für diese Behandlung endet mit dem Ährenschieben. Hinweise zur richtigen Mittelwahl finden Sie im Heft Integrierter Pflanzenschutz - Ackerbau und Grünland auf S. 58 folgend. Achten Sie in diesem Zusammenhang auch auf die Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern und die entsprechende Dokumentation nach IPSplus in den Schutzgebieten.