Getreide – Schlagspezifisch entscheiden!

Wichtige Informationen aus dem Enzkreis vom 13.05.2026

 

„In Anbetracht der unterschiedlichen Entwicklungsstadien der Getreidebestände gilt stets schlagspezifisch und entsprechend des vorherrschenden Entwicklungsstadiums und Infektionsdrucks zu entscheiden,“ so die Sicht der agilen, amtlichen Pflanzenschutzberater S. Nagel und F. Fuchs im Vorfeld ihrer kulturspezifischen Empfehlungen für den Dienstbezirk Enzkreis.

 

Die Niederschläge der letzten Woche haben den Beständen gutgetan und tragen dazu bei, dass die Stresssymptome, die im vergangenen Warndienst beschrieben wurden, gelindert werden. Beobachten Sie dennoch Ihre Bestände engmaschig, um mögliche Krankheitsentwicklungen abschätzen zu können. 

Zur Abschätzung der standortspezifischen täglichen Infektionsbedingungen kann auf die verschiedenen Entscheidungshilfen bei ISIP zurückgegriffen werden. Die Modellberechnungen sind als Hilfestellung anzusehen, ersetzen aber keine Bestandskontrolle. 

Selbst wenn einzelne Infektionen wahrscheinlich, dementsprechend rot hinterlegt in der Darstellung, auf-gezeigt sind, ist dies nicht mit einer Aufforderung zur Applikation von Pflanzenschutzmitteln gleichzusetzen, sondern dient rein der Information, dass es aufgrund von Witterung und Bestandsentwicklung wahrscheinlich ist, dass es zur Infektion kommen kann. Vielmehr können die rot markierten Tage als Aufforderung für eine Bestandskontrolle angesehen werden. 

Ob sich eine Infektion tatsächlich etabliert, hängt maßgeblich vom Erregerdruck und der Anfälligkeit der Pflanze sowie von den Umweltbedingungen am Standort ab, die eine Infektion zur Folge haben können. Behalten Sie in diesem Zusammenhang auch im Hinterkopf, dass – je nach Erreger - nicht sofort unmittelbar nach einer Infektion die ersten Symptome an den Pflanzen sichtbar werden. 

Bei Rückfragen zum Programm, dessen Bedienung, Einrichtung und Interpretation der Darstellung melden Sie sich gerne jederzeit.

 

Winterweizen - Die Bestände befinden sich, je nach Standort und Sortenwahl, in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Zugunsten der Planung der Fungizid-Strategie ist es von entscheidender Bedeutung den Entwicklungszustand der Bestände richtig zu bestimmen. Es gilt die oberen Blattetagen zur Ertragsabsicherung gesund zu erhalten. Dies umfasst neben dem Fahnenblatt (F) auch das darunterliegende Blatt (F-1). Dementsprechend kann, aufgrund von Witterung und dem möglichen Infektionsgeschehen auf den älteren Blättern sowie dem Entwicklungsstadium der Bestände, nur schlag- und kulturspezifisch über eine Behandlung entschieden und der Fungizid-Einsatz geplant werden. Bei Unsicherheiten können Sie selbstverständlich jederzeit Beratung anfordern.

 

Zum Erhalt der Wirksamkeit der Fungizide sind Maßnahmen zur Vermeidung von Resistenzen von entscheidender Bedeutung, diese Maßnahmen umfassen u.a.: 

  • Wirkstoffgruppenwechsel: Einsatz von unterschiedlichen Wirkstoffgruppen innerhalb der Gruppe der Azole (z.B. Prothioconazol, Mefentrifluconazol...) 

  • Wirkstoff-Mischungen  dem Einsatz von Solo-Wirkstoffen vorziehen: Planung einer ausgewogenen Spritzstrategie mit allen verfügbaren Wirkstoffklassen über die Spritztermine hinweg 

  • Einsatzbedingungen: Applikationstechnik und möglichst optimale Umweltbedingungen bei der Aus-bringung (Fahrgeschwindigkeit, Düsentechnik, Witterungsbedingungen bei der Behandlung…)

 

Zur Unterscheidung der verschiedenen Wirkstoffgruppen und zugehörigen Wirkstoffe finden Sie unten-stehend eine Übersicht. Die einzelnen Wirkstoffgruppen und Wirkstoffe können mit den Produkt-empfehlungen im Heft Integrierter Pflanzenschutz - Ackerbau und Grünland auf S. 58 ff. abgeglichen werden. 

Wirkstoffgruppe

FRAC-Gruppe 

Wirkstoffe (Beispiele) 

Azole 

G3 

Triazole 

Prothioconazol oder Tebuconazol 

Isopropanole

Revysol/ Mefentrifluconazol

Morpholine Piperidine 

G5 

Spiroxamine 

Strobilurine 

C11 

Azoxystrobin, Trifloxystrobin, Pyraclostrobin, Fluoxastrobin 

Carboxamide 

C7 

Fluxapyroxad, Bixafen, Benzovindiflupyr 

Quinazolinone 

E13 

Proquinazid 

Anilino-Pyrimidine 

D9 

Cyprodinil 

Picolinamide 

C21 

Fenpicoxamid 

Phthalimide 

M04 

Folpet 

Phenyl-Acetamid 

U06 

Cyflufenamid 

Multisite 

M02 

Schwefel 

Multisite 

M01 

Kupfer 

 

Sobald das Entwicklungsstadium BBCH 37 (Fahnenblatt spitzt) erreicht ist, sollte mit der Planung der Fungizidbehandlung begonnen werden. Wichtig ist herbei zu berücksichtigen, ob eine Fusariumbehandlung in der Blüte gefahren werden muss. Ein erhöhtes Fusarium-Risiko besteht vor allem bei Vorfrucht Mais und besonders, wenn noch Ernterückstände auf der Bodenoberfläche vorhanden sind. Ebenfalls sind die Witterungsbedingungen (Niederschlag) während der Blüte entscheidend. In der Folge mögliche Szenarien und Handlungsempfehlungen:

 

regionale Fungizid-Strategie-2026

Beispiel-Situation  

Empfehlung  

Abschlussbehandlung

mit Fusarium-Behandlung 

Fusarium-Risiko hoch: anfällige Sorte, Vorfrucht Mais, nicht-wendende Bodenbearbeitung 

Behandlung mit breit-wirksamen Azol-Carboxamid- Fungizid mit 80 % Aufwandmenge möglich (z.B. Elatus Era, Ascra Xpro, Univoq, Jordi, u.a. …) 

Abschlussbehandlung

ohne Fusarium-Behandlung in der Blüte 

Standort- und Sortenabhängig, Voraussetzung gesunde Sorten (Bestandskontrollen unerlässlich) 

Behandlung bei voll ausgebildetem Fahnenblatt mit 100 % Aufwandmenge mit einem Azol-Carboxamid-Fungizid  

Sofern bereits Vorbehandlungen mit einem Prothioconazol-haltigen Mittel (z.B. Navura, Univoq, Input Classic, Ascra Xpro, u.a. …) gefahren wurden, empfehlen wir zur Resistenzvermeidung den Einsatz eines Produktes mit dem Wirkstoff Mefentrifluconazol (z.B. Balaya, Revitrex o.a.) 

Praxistipps: Sofern eine Spätverunkrautung im Bestand vorgefunden wird, kann z.B. mit MCPA bis BBCH 39 (Fahnenblatt voll entwickelt) gegen Ackerkratzdisteln oder mit Lodin/Pixxaro gegen Klettenlabkraut behandelt werden. 

Das Getreidehähnchen stellt momentan kein Problem dar und ist dementsprechend nicht behandlungswürdig.

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