Getreide – Wachstumsreglereinsatz?
Wichtige Informationen aus dem Rems-Murr-Kreis vom 03.04.2026
„Nachdem mit den warmen Temperaturen die Entwicklung der Bestände richtig schön in Gang ge-kommen war, haben die kalten Temperaturen diesen Vorwärtstrend nahezu gestoppt,“ so die agile Pflanzenschutzexpertin und amtliche Beraterin A. Bäuerle mit Blick in ihr Beratungsgebiet. „Das Krankheitsgeschehen ist derzeit über alle Getreidekulturen hinweg moderat.“
Auf die kalten Temperaturen reagieren die Bestände gerne mit Blattverfärbungen, Streifen, Nekrosen, Chlorosen… - oft ist dies sortenabhängig. Ursache ist meist ein stressbedingter zeitweiser (Mikro-)nährstoffmangel z.B. von Mangan oder Phosphor. Aber auch Herbizidmaßnahmen können ursächlich sein. In der Regel verwächst sich das wieder mit der weiteren Bestandsentwicklung.
Beim Getreide findet sich insgesamt ein weites Feld an Entwicklungsstadien, da die Saatzeitpunkte und Höhenlagen sehr unterschiedlich sein können. Weit entwickelte Bestände im Winterweizen haben die Bestockung abgeschlossen und die Triebe aufgerichtet (BBCH 29-30). Weizen nach N-reichen Vorfürchten wie Kartoffel oder Zuckerrübe sind bereits am Schossen (BBCH 31), spät gesäte Bestände bzw. in den Höhenlagen sind noch am Bestocken. Bei diesen sollten die Herbizidmaßnahmen zum Abschluss kommen, sobald es die Witterung wieder zulässt.
Vorüberlegungen zum Wachstumsreglereinsatz im Getreide - Das Thema Wachstumsreglereinsatz ist jedes Jahr ein häufig diskutiertes Thema. Ist er notwendig oder nicht, wann ist der richtige Zeitpunkt, wann die richtige Witterung? Falsch platzierte und/oder falsch dosierte Wachstumsreglermaßnamen können ohne Wirkung bleiben oder eine überzogene Wirkung mit Ertragsdepression nach sich ziehen.
Grundsätzlich gilt beim Einsatz von Wachstumsreglern:
Lagerneigung nimmt zu von WW → Triticale → WG → Dinkel/Winterroggen
nur wirklich dann einkürzen, wenn es tatsächlich notwendig ist, z.B. Lagerneigung der Sorte, sehr dichter Bestand, …
Fingerspitzengefühl und Erfahrung nutzen, nur so viel einkürzen wie tatsächlich nötig, Mittelmenge entsprechend anpassen, eine zu starke Stauchung der Blattetagen erhöht die Krankheitsanfälligkeit
Wachstumsregler wirken z.T. sehr unterschiedlich, ein Hin- und Herwechseln zwischen den Wirkstoffen ist oft nicht zielführend, Erfahrung sammeln und nutzen
typischer Einsatzzeitpunkt - Je nach Wirkstoff ist das Entwicklungsstadium BBCH 31/32 (Chlormequat früher/Ethephon später) BBCH 31 = 1. Knoten mind. 1 cm vom Bestockungsknoten entfernt. BBCH 32 = 2. Knoten mind. 2 cm vom 1. Knoten entfernt
nicht bei Frost oder hohen Temperaturen
in einer aktiven Wachstumsphase einsetzen
nicht bei Trockenstress
zu später Einsatz macht Getreidepflanzen anfällig für Krankheiten
nicht mehr ab Ährenschieben (Ähre kann steckenbleiben),
Mischung von Wachstumsreglern mit anderen Pflanzenschutzmitteln fördern Unverträglichkeiten (Herstellerangaben beachten),
bei Mischung mit Fungiziden kommt es zu einer Wirkungsverstärkung - Menge reduzieren
Fungizidzugabe nur, wenn es das Krankheitsgeschehen wirklich notwendig macht !!!
Im Folgenden zu Ihrer Information ein Überblick wie sich die einzelnen Wirkstoffe auf das Pflanzenwachstum auswirken und welche Witterungsbedingungen wichtig sind:
Wirkstoff | mögliche Mittel | Ausbringungsbedingungen |
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Chlormequat | CCC 720, Stabilan 720, Manipula-tor, Shortcut, Regulator 720, … | Sonnenschein >7°C bedeckter Himmel >10°C |
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Hinweis: Früher Einsatz bei geringer Pflanzendichte (Anregung Bestockung), hemmen Längenwachstum (Gibberelline), verstärken Halmwand, fördern Nebentriebe, als Folge ergibt sich ein einheitlicheres Aussehen. | |||
Trinexapac
| Calma, Countdown NT, Modan 250 EC, Moddus, Moddevo (Einsatz auch bei tieferen Temperaturen möglich), Modolan DC, Moxa, Terplex, Stemper, … | mind. 12°C (Sonne)
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Hinweis: Einsatz in der frühen Schossphase (BBCH 31/32), hemmen Pflanzenhormone später, verkürzen Abschnitte zwischen den Knoten, regen Wurzelbildung an, gleichmäßige Wirkung auf Haupt- und Nebentrieb, als Folge Aussehen wie unbehandelt. | |||
Prohexadion | Fabulis OD
| mind. 12°C (Sonne) und wüchsige Bedingungen |
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Hinweis: Wirkung ähnlich wie Trinexapac | |||
Mepiquat + Prohexadion | z.B. Medax Top (+Turbo) | mind. 12°C (Sonne) |
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Hinweis: Mepiquat wirkt früh auf die Pflanzenhormone, verkürzt die Länge und verstärkt die Wand des Halms, Haupttrieb wird gehemmt, Nebentrieb gefördert. Prohexadion wirkt etwas später - stärkste Einkürzung. | |||
Prohexadion + Trinexapac | Prodax | mind. 12°C (Sonne) |
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Hinweis: Beide Wirkstoffe verkürzen über einen längeren Zeitraum den Halm und erhöhen die Wanddicke - stärkste Einkürzung. | |||
Ethephon | Camposan Top, Cerone 660, Orlicht Plus, Vitoval | mind. 14°C und wüchsige Bedingungen |
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Hinweis: Wirken über das Pflanzenhormon Ethylen, verkürzt die Halmlänge, die Halmwand wird nicht beeinflusst, hat positive Auswirkungen auf das Ährenknicken bei WG, auch späterer Einsatz möglich. | |||
Im Rahmen der Umsetzung von IPSplus in Schutzgebieten, ist der Verzicht auf den Wachstumsreglereinsatz eine mögliche Wahlmaßnahme im Getreide (A4.4w „Verzicht auf Wachstumsregler). Weitere Infos zum Einsatz eines Wachstumsregler und zur Zulassung können dem aktuellen IP-Heft „Integrierter Pflanzenschutz 2026 – Ackerbau und Grünland“ ab S. 41 entnommen werden.