Getreide - Wintergerste abschließen

Wichtige Informationen aus dem Landkreis Ravensburg vom 08.05.2026

 

„Aktuell sind die Wintergerste im Landkreis in BBCH 39 bis BBCH 61, je nach Lage sind große Unterschiede im Fortschritt der Entwicklung zu erkennen,“ so das renommierte Beratungstrios M. Längle, S. Löbner und M. Kreh vom Landwirtschaftsamt Ravensburg.


Auch die Gerste hat mit der anhaltenden Trockenheit zu kämpfen, wobei diese weniger „Stressflecken“ zeigen als so mancher Weizenbestand. Diese Blattverfärbungen, welche nicht auf eine pilzliche Infektion zurückzuführen sind, nennt man auch PLS-Flecken (physiological leaf spots). Eine zu hohe Aufwandmenge von Wachstumsreglern oder auch Fungizidanwendungen können, unter Berücksichtigung der momentanen Trockenstress – Situation, PLS-Flecken fördern.
 
Die Gersten-Krankheit Ramularia und nichtparasitäre Blattflecken treten sehr oft als Komplex auf und lassen sich nur schwierig voneinander unterscheiden. Strahlungsreiches Wetter nach Niederschlägen begünstigt diesen Krankheitskomplex, der jedes Jahr witterungsunabhängig immer auftritt. Für diese wichtige Abschlussbehandlung empfehlen sich die gängigen Azol-haltigen Produkte wie z.B. Ascra Xpro, Avastel-Pack, Balaya, Elatus Era, Jordi, Revytrex, … möglich. Wenn Sie bereits zu Schossbeginn mit Prothioconazol (Delaro, Input, Verben, Proline, Aurelia, …) vorgelegt haben, bedenken Sie aus Gründen der Resistenzvermeidung den Wechsel des Azols hin zu Mefentrifluconazol (Revytrex, Balaya, Xenial, …) Achten Sie auch darauf im Rahmen von Spritzfolgen möglichst jede Wirkstoffgruppe nur ein Mal einzusetzen.
 
Durch das Zumischen des Wirkstoffes Folpet (Folpan 500 SC, Amistar Max, …) wird die Leistung von Carboxamid- und Azol-Produkten verstärkt. Bitte verzichten Sie auf keinen Fall darauf!  Einige der genannten Produkte enthalten die Wirkstoffgruppe der Strobilurine (Azoxystrobin, Pyraclostrobin,…). In der Gerste sind diese wirkungsvoll in der Bekämpfung der Netzflecken (v.a. Pyraclostrobin), gegen Ramularia haben sie keine Wirkung. Sie haben den Nebeneffekt, dass sie die Pflanzen länger „grün“ halten. In Folge dessen, reifen Bestände eher später ab oder es kann durch immer noch grüne Halme zu Problemen beim Drusch kommen. Achten Sie deshalb darauf, dass Strobilurine nicht zu spät eingesetzt werden. Entscheidend ist dabei das Wachstumsstadium Ihrer Gerste zum Zeitpunkt der Behandlung.
 
Der ideale Zeitpunkt vom Vegetationsstadium zur Abschlussbehandlung der Wintergerste ist, wenn das Fahnenblatt voll entwickelt ist und die Grannen, oder auch die Ähre schon zu sehen sind. Gleichzeitig sollte die Witterung im Übergang von einer kühlen, regnerischen Phase in eine trockene, warme und strahlungsintensive Phase sein. Eine Behandlung vor Niederschlägen (über ca. 20 mm) ist meist nicht sinnvoll, da der Kontakt-Wirkstoff Folpet von Blättern und Grannen ansonsten abgewaschen und die Wirkung somit stark reduziert wird. Durch den Folpet-Belag wird die Gerste vor der intensiven Strahlung geschützt. Folpet darf aber nie solo eingesetzt werden, sondern immer nur in Kombination mit Azolen oder Carboxamiden, um einen umfassenden Schutz zu bieten.
 
Nicht behandelte Bestände brechen innerhalb kürzester Zeit zusammen und reagieren in der Regel mit sehr hohen Mindererträgen. Beobachten Sie ab dem Grannenspitzen die Wettervorhersagen und handeln dementsprechend. Am Ende dieser Woche wäre ein passender Termin, um die Abschlussbehandlung unter bestmöglichen Bedingungen durchzuführen.

 

Geeignete Mittel finden Sie in der Broschüre „Integrierter Pflanzenschutz 2026“ auf den Seiten 58-59

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