Wintergetreide – Überlegungen zum Ackerfuchsschwanzmanagement

Wichtige Informationen aus dem Rems-Murr-Kreis vom 06.10.2026

 

„Dieses Jahr war das Ausfallsamenmanagement aufgrund der Trockenheit nach der Getreideernte nicht ganz einfach,“ so die versierte Pflanzenschutzexpertin A. Bäuerle vom Landwirtschaftsamt Rems-Murr-Kreis in Backnang mit Blick in ihr Beratungsgebiet. „Unkräuter/Ungräser - wie auch Ausfallgetreide - sind auf den Stoppeln nur ungenügend aufgelaufen.“ Die vereinzelten Niederschläge ab Mitte August haben aus Sicht der agilen Beraterin auch in diesem Zusammenhang etwas Entspannung gebracht. 

 

Was wir unbedingt wissen müssen - Die Samenreife des Ackerfuchsschwanzes ist je nach Höhenlage und Witterung in den Monaten Juni und Juli. Die primäre Keimruhe kann bis zu 8 Wochen betragen. Die Hauptkeimzeit liegt damit im September, eine zweite Welle folgt Anfang Oktober. Ab Mitte Oktober nimmt die Keimungsrate deutlich ab. Der Ackerfuchsschwanz kann entsprechend zielorientiert mit ackerbaulichen Maßnahmen bereits vor der Aussaat der Winterungen deutlich reduziert werden. Man sieht den Ackerfuchsschwanz aktuell verhalten auflaufen. Alle Samen, die jetzt keimen, ist man später schon mal los. 

 

Saat und Saattermin - Die anstehende Aussaat der Winterungen wird sich vom Augenmerk her an möglichen Niederschlägen und an einer wassersparenden Bodenbearbeitung orientieren. Dabei gilt es aber im Hinterkopf zu haben, dass sich durch einen späteren Saatzeitpunkt den Ackerfuchsschwanzbesatz deutlich reduzieren lässt. Auf Flächen mit zu erwartendem, höherem Ackerfuchsschwanzbesatz empfiehlt sich zudem vorab die Anlage eines falschen Saatbetts (Scheinsaatbett) ca. 2-3 Wochen vor der eigentlichen Saat. Durch eine flache Bodenbearbeitung mit moderater Rückverfestigung wird der vorhandene Unkrautsamen zur Keimung angeregt. Die Unkrautkeimlinge können anschließend mechanisch (wichtig, flach arbeiten, damit nicht weiterer tiefer liegender Samen zur Keimung angeregt wird) oder im Rahmen der Zulassung ggf. chemisch beseitigt werden. 

Der bewährte Herbizidwirkstoff Flufenacet steht in diesem Herbst letztmalig zur Verfügung! Mit dem Wegfall von Flufenacet wird mehr als deutlich, dass ackerbauliche Maßnahmen gleichwertiger Partner zum Herbizideinsatz sind und nur in Kombination eine effektive nachhaltige Ackerfuchsschwanzbekämpfung erreicht werden kann. Achtung: Die Aufbrauchfristen enden je nach Mittel Anfang Dezember, so dass Restmengen noch gut zum Einsatz kommen können. Wer kein Flufenacethaltiges Präparat mehr im Schrank stehen hat, muss auf andere Präparate z.B. mit den Wirkstoffen Prosulfocarb, Pendimethalin, Chlortoluron, Flumioxazin, Beflubutamid, Pinoxaden, … ausweichen.

Eine echte Alternative? - Neben den oben genannten ackerbaulichen Möglichkeiten kann noch der Striegeleinsatz im Herbst (Blindstriegeln im Vorauflauf) bei der Ungras- und Unkrautbekämpfung unterstützen. Allerdings macht die Witterung oft einen Strich durch die Rechnung, so dass dies nur eine Zusatzmaßnahme sein kann.

 

Praxistipps: Informieren Sie sich frühzeitig bzgl. vorliegender Auflagen oder Anwendungsbestimmungen, z.B. dürfen Pendimethalin- und Prosulfocarbhaltige Mittel nur mit einer 90%-Abdriftminderung und mind. 300 Liter/ha Wasser (NT145), mit max. 7,5 km/h (NT146) sowie bei einer max. Windgeschwindigkeit bis 3 m/s (NT170) eingesetzt werden. In Abhängigkeit der Zulassung unterliegen sie genauso wie Chlortoluronhaltige Präparate Drainage- und Hangneigungsauflagen. Die Herbstbehandlung ist nach wie vor ein wichtiger Baustein im Resistenzmanagement. Auf den hoch resistenzgefährdenden Frühjahrswirkstoffen darf nicht die Hauptlast liegen! Informationen zum ersten Überblick über Auflagen und Anwendungsbestimmungen verschiedener Präparate entnehmen Sie bitte dem aktuellen IP-Heft „Integrierter Pflanzenschutz 2026 – Ackerbau und Grünland“, ab S. 47. Insgesamt gelten die Angaben in den jeweiligen Gebrauchsanleitungen der Präparate.

 

Was der Markt hergibt - Erstmalig in diesem Herbst kann per Notfallzulassung gegen Ackerfuchsschwanz ausschließlich im Winterweichweizen das Produkt Luxinum (Wirkstoff Cinmethylin) zum Einsatz kommen. Wichtig sind u.a. ein feinkrümeliges Saatbett, eine Bodenbedeckung des Saatgutes von mind. 3 cm sowie 3 Wochen Vegetation nach der Anwendung. Eine optimale Saatbettbereitung ist für die Wirkung sehr wichtig. Ansonsten kann es zu Kulturschäden kommen. Lesen Sie die Gebrauchsanleitung aufmerksam durch. Bei Bedarf Beratung anfordern. 

 

 

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