Mais – Schon ernten oder noch stehen lassen?
Wichtige Informationen aus dem Landkreis Ravensburg vom 24.08.2026
Das renommierte Beratungstrios M. Längle, S. Löbner und M. Kreh vom Landwirtschaftsamt Ravensburg berichtet, dass bedingt durch die überaus heißen und trockenen vergangenen Wochen die Maisbestände schon sehr weit entwickelt sind und in Folge dessen verfrüht abreifen. „Die Bestände zeigen sich allgemein breit gestreut im Zustand, von sehr schlecht bis recht gut, je nach Region und Niederschlag und natürlich auch Bewirtschaftung bzw. Aussaatzeitpunkt und evtl. Vorkultur im Frühjahr.“
Als Grundsatz gilt, dass der Mais dann geerntet werden, wenn kein Zuwachs an Masse oder Qualität mehr erreicht werden kann.
Am besten beurteilen Sie Ihre Bestände am Vormittag, so lange diese von der Nacht noch „frisch“ sind. Lassen Sie sich vom Rand nicht täuschen, sondern laufen in den Bestand hinein, der Einsatz einer Drohne zur Überfliegung und besseren Betrachtung ist hier sicher vorteilhaft. Nehmen Sie einen Stängel und verdrehen/wringen Sie ihn zwischen dem 2. und 3 Knoten. Wenn keine Feuchtigkeit mehr austritt und über 50% der Blätter vertrocknet sind, dann führt der Mais keinen Stoffwechsel und keine Einlagerung mehr durch, die Restpflanze hat dann über 25% TS. Wenn das Blatt auf Kolbenhöhe schon dürr und vertrocknet ist, findet kein Wachstum mehr statt. Hier sollte die Ernte dann zügig geplant werden. Ansonsten geht die Restpflanzenverdaulichkeit zunehmend zurück und über 25% TS der Restpflanze wird die Verdichtung im Fahrsilo zunehmend problematisch, Nacherwärmung und Futterverluste drohen. Auf Nummer sicher gehen Sie, wenn eine Gesamt-TS-Messung der gesamten Maispflanze inkl. Kolben, nach häckseln und trocknen, durchgeführt wird. Anzustreben sind TS-Gehalte der gesamten Pflanze inkl. Kolben von 30-35%. Unter 30% TS kommt es zu Sickersaftaustritt, über 40% TS besteht die Gefahr von Schimmelbildung und Nacherwärmung im Silostock. Beim Wringen des Stängels tritt noch leicht Schaum aus, und die Körner sind hart, oder der „schwarze Punkt“ ist sichtbar.
Praxistipps: Zur Abschätzung des gesamten TS-Gehaltes bieten die Maiszüchter Tabellen an. Bei Silomais mit wenig/keinem Kolbenanteil ist ein höherer Zuckergehalt zu erwarten, da hier noch keine Umwandlung von Zucker in Stärke stattgefunden hat. Weiterhin gilt es die bekannten Punkte zu beachten, wie Häcksellänge 6-10mm, vorbildliche Verdichtung, dünne Schichten. Bei hohen Umgebungstemperaturen über 30°C und somit warmem Häckselgut läuft der Silierprozess nicht optimal, bedingt durch niedrige Milchsäuregehalte. Um eine Nacherwärmung im Silo sowie damit verbundene Qualitäts- und Futterverluste zu vermeiden, ist der Einsatz von Siliermitteln und das Geschlossenhalten des Silos für mindestens acht Wochen zu empfehlen.
Körnermaisanbauer sollten sich überlegen, ob Maisbestände, die keine weitere Entwicklung mehr erwarten lassen, besser als Silomais für die Fütterung verkaufen können. Bei der aktuellen Grundfutterknappheit wird der Silomais sicherlich von einem Rinderhalter nachgefragt.