Mais – Silomais sollte geerntet werden – Warum?

Wichtige Informationen aus dem Rhein-Neckar-Kreis vom 12.08.2026

 

"Die Kollegin N. Renner aus dem Hohenlohekreis hat gemeinsam mit dem dortigen Milchviehberatungsdienst einen sehr gelungenen Artikel zur optimalen Silomaisreife unter den aktuellen Witterungsbedingungen erarbeitet, den wir dankenswerter Weise hier veröffentlichen dürfen,“ so die heutige Regionalinformation die beiden renommierten und landesweit bekannten amtlichen Pflanzenschutz- und Anbauexperten H. Gawron und G. Münkel aus dem Rhein-Neckar-Kreis.  

 

Silomais sollte geerntet werden, wenn keine weitere Zunahme an Qualität und Ertrag erwartet werden kann. Die Beurteilung Ihrer Maisbestände machen Sie am besten morgens, bis spätestens 10 Uhr in der Früh. Lassen Sie sich zudem nicht von Randpflanzen täuschen, sondern gehen Sie zur Beurteilung tiefer in den Bestand hinein. Schneiden Sie hierzu am besten einen Stängel der Länge nach auf und fahren mit Ihrem Fingernagel im Stängel entlang. Alternativ können Sie auch den Wringtest zwischen dem zweiten und dritten Knoten durchführen. Ist im Stängel keine Feuchtigkeit mehr zu spüren bzw. tritt keine Feuchtigkeit mehr aus und über 50% der Blätter ist hitzegeschädigt (nicht mehr grün), dann ist mit keiner weiteren Assimilationstätigkeit zu rechnen. Bei gleichzeitig geringem/keinem Kolben- und Kornansatz, empfiehlt es sich, die Bestände zügig zu häckseln, da sonst die Verdaulichkeit der Restpflanze noch weiter abnimmt und die Verdichtung schwierig wird. Hat die Restpflanze mehr als 25% TS, ist die Verdichtung oft problematisch. Schlechte Maisbestände unbedingt regelmäßig kontrollieren um den „optimalen/spätes möglichen“ Häckseltermin nicht zu verpassen.

Anzustrebende TS-Gehalte bis 28% sind in diesen Fällen besser als 33-35%. Bei Silomais mit wenig/keinem Kolbenanteil ist ein höherer Zuckergehalt zu erwarten, da hier noch keine Umwandlung von Zucker in Stärke stattgefunden hat. Um eine Nacherwärmung im Silo sowie damit verbundene Qualitäts- und Futterverluste zu vermeiden, ist der Einsatz von Siliermitteln und das Geschlossen-halten des Silos für mindestens acht Wochen zu empfehlen. Solange Sie im Stängel noch Feuchtigkeit spüren und ausreichend grüne Blätter an den Pflanzen sind, findet noch ein Nährstofftransport statt. Zuwächse in Qualität und Ertrag sind noch möglich. Selbst 3-5 Liter Regen in der Woche kann der Mais umsetzen und der TS-Gehalt geht wieder um einige Prozent nach unten. Bei anhaltend heißer und trockener Witterung kann die Austrocknung der Bestände jedoch sehr rasant verlaufen. Trockensubstanzzunahmen von 1-2% pro Tag sind durchaus möglich. Bei guter Kolbenausbildung kann das Problem auftreten, dass die TS-Gehalte der Restpflanze schon relativ hoch sind, die der Kolben für die Siloreife allerdings zu gering (Kolben mindestens 55% TS). Die Bestände sollten geerntet werden, bevor der TS-Gehalt der Restpflanze über 35% ansteigt.

Praxistipps: Landkreisweit sind die Maisbestände sehr unterschiedlich. Früh gesäte Bestände auf besseren Böden haben entsprechend Biomasse gebildet. Auf schwächeren Standorten hat der Mais frühzeitig die Fahne geschoben, teilweise ohne Kolbenbildung. Beurteilen Sie nicht nur Ihre einzelnen Schläge sondern machen Sie auch eine Gesamtbeurteilung Ihres Maises. Ein einzelner kleiner, stark vertrockneter Maisacker kann im Silo zwischenrein siliert werden, ohne dass es zu Problemen kommt. Muss die Hälfte der Maisschläge aufgrund der Trockenheit frühzeitig geerntet werden, bieten sich zwei Häckseltermine an. Möglichst nicht bei >30°C häckseln, da dies Fehlgärungen begünstigt. Körnermaisanbauer sollten sich grundsätzlich überlegen, ob sie Körnermaisbestände, die keine weitere Entwicklung mehr erwarten lassen, besser als Silomais für die Fütterung nutzen oder verkaufen können.

 

Apell: Kontrollieren Sie Ihre Maisbestände regelmäßig (alle zwei Tage). Optisch sehen viele Bestände weiter aus als sie tatsächlich sind. (Quelle: Lfl Freising, LAZBW)

Tags