Mais - Trockengeschädigter Mais – Was tun?
Wichtige Informationen aus dem Rems-Murr-Kreis vom 11.08.2026
Die extreme Hitze und Trockenheit der letzten Wochen machen dem Mais dieses Jahr schwer zu schaffen. „Er erleidet Trockenstress in unterschiedlicher Ausprägung.,“ so die langjährig agile und renommierte Pflanzenschutzexpertin A. Bäuerle vom Landwirtschaftsamt Rems-Murr-Kreis in Backnang. „Der Regen im Kreis, der in einigen Regionen in den letzten Tagen gefallen ist, kann von den Beständen, die noch grüne Kolben und Blätter haben meist noch umgesetzt werden.“ Doch die Expertin weiß auch: „Es steht die nächste Hitzeperiode bereits wieder ins Haus.“
Praxistipps: Bei der Beurteilung der Bestände, auch bei großen Schäden, gilt es, die Ernte gut zu überlegen und erst dann zu häckseln, wenn kein Ertrags-/Qualitätszuwachs mehr zu erwarten ist. Der Eindruck der Außenreihen täuscht oft und spiegelt nicht die Situation im Bestandsinneren wider. Deshalb gehen Sie in die Bestände hinein. Kontrollieren Sie diese immer am früheren Morgen.
Öffnen sich die tagsüber eingerollten Blätter morgens wieder, ist die Pflanze noch aktiv. Sind die Blätter dauerhaft eingerollt aber noch grün, ist meist noch Aktivität vorhanden. Erst wenn deutlich zu erkennen ist, dass die Blätter dürr werden und absterben, wird es auch bei einsetzendem Niederschlag nicht mehr zu einer Erholung der Pflanze kommen.
Der Stängel kann über den Wringtest und einen Blick ins Stängelinnere beurteilt werden. Tritt noch Saft aus und wirkt er vital oder verfärbt sich das Gewebe bereits, ist es trocken oder wird muffig, dann ist die Vitalität nachhaltig gestört.
Weiter gilt der Blick dem Kolben. Ist die Kolbenanlage vorhanden, wurde dieser ausreichend befruchtet? Ohne Kolben, oder sehr schwachem Kolben fehlt dem Mais der wichtige Energiespeicher für Stärke. Der nicht umgewandelte Zucker wird dann im Stängel gespeichert. Die Pflanzen bringt damit insgesamt einen höheren Zuckeranteil mit, was Probleme bei der Silostabilität/mit Nacherwärmung machen kann.
Zusammenfassend bedeutet das, ist im Stängel noch Feuchtigkeit vorhanden, weist die Pflanze noch ausreichend grüne Blätter auf und ist ein einigermaßen ordentlich befruchteter Kolben vorhanden, dann findet noch ein Nährstofftransport statt. Ertrag und Qualität können noch weiter zunehmen. Diese Bestände sollten bei einen TS-Gehalt von 33-35% gehäckselt werden. Die vorhergesagten hohen Temperaturen werden die Abreife mit Sicherheit weiter sehr rasch vorantrieben.
Ist die Assimilation nachhaltig gestört und die Kolbenfüllung noch nicht abgeschlossen, kann es zur Situation kommen, dass der TS-Gehalt der Gesamtpflanze zwar hoch ist, die des Kolbens aber noch gering. Achten Sie hierauf bei der Bestandsbeurteilung. Oft ist tatsächlich noch mehr Feuchtigkeit in der Pflanze als der erste Eindruck dies vermittelt.
Ist der Mais zu ca. einem Drittel trockengeschädigt, sollte mit dem Silieren begonnen werden, da keine weitere Erhöhung des Futterwertes zu erwarten ist. Bei stark trockengeschädigtem Mais und bei kolbenlosem Mais ist die Gefahr einer mangelnden Verdichtung, Schimmelbildung und Nacherwärmung sehr groß. Es empfiehlt sich deshalb einen TS-Gehalt von 29% nicht zu überschreiten.
Bei einem trockengeschädigten Mais ist das Silomanagement elementar wichtig.
achten Sie auf ein sehr gutes und kurzes Häckseln (6 mm theoretische Häcksellänge)
nur dünne Schichten ins Silo einfahren und akribisch verdichten
den Abschluss mit einer feuchteren Schicht machen,
Siliermittel einplanen
Silostöcke zwingend bis zum Erreichen der stabilen Gärphase geschlossen lassen
hohen Vorschub einplanen
nach Möglichkeit nicht bei zu hohen Temperaturen silieren, die Abkühlung des Silostock um 1°C dauert bei kühleren Umgebungstemperaturen ca. 1 Woche
Letztlich ist aber jeder Bestand anders und eine Beurteilung oft gar nicht so einfach. Sollten Sie Fragen haben oder einen fachlichen Austausch benötigen, kommen Sie gerne auf uns zu.
Noch eine Überlegung zum Schluss: Ist die Zielrichtung eigentlich der Körnermais, der Mais aber trockengeschädigt und die Bestandbeurteilung geht dahingehend, dass kein weiterer Ertrags- und Qualitätszuwachs zu erwarten ist, kann es Sinn machen, den Bestand als Silomais zu verwerten. Dies entweder im eigenen Betrieb oder als Verkauf an einen rinderhaltenden Betrieb, der knapp im Grundfutter ist.