Winterraps – Aussaat und was dann?
Wichtige Informationen aus dem Rems-Murr-Kreis vom 28.08.2026
„Aufgrund der Markt- und Preissituation wird dieses Jahr der Rapsanbau sicherlich ausgeweitet werden und auch Neueinsteiger werden sich an die Rapsaussaat heranwagen,“ so der Blickwinkel der agilen und renommierten Pflanzenschutzexpertin A. Bäuerle vom Landwirtschaftsamt Rems-Murr-Kreis in Backnang.
Raps bevorzugt ein gut abgesetztes, feinkrümeliges Saatbett mit einer guten Stroheinarbeitung und Strohrotte. Ein gleichmäßiger Feldaufgang und eine rasche Jugendentwicklung lassen ihn den Schädlingen aus den Zähnen wachsen. Aufgrund der Trockenheit, einer schlechten Strohrotte und einem meist unbefriedigenden Aufgang von Ausfallgetreide werden nicht immer optimale Voraussetzungen für die Aussaat und den Aufgang der Feinsämerei vorherrschen. Als wichtige Prämisse gilt deshalb wie seit eh und je: Saatbett geht vor Saatzeit!
Die Wetterstationen im Kreis melden bisher für August in Welzheim insgesamt 40 Liter/m2 und für Backnang und das Remstal um die 20 Liter/m2 Niederschlag. Für den Feldaufgang reichen diese Wassermengen, für eine sichere Etablierung muss aber Nachschub an Wasser kommen, da die Böden tief ausgetrocknet sind.
Rapserdfloh und Schnecken - Der Rapserdfloh hält Sommerruhe in Hecken und Waldrändern. Ab Anfang September besiedelt er die jungen Rapsbestände. Aktuell hört und liest man viel über hochresistente Rapserd-flöhe gegen Pyrethroide (die sogenannte „super Knock Down Resistenz“ - sKDR). In den Kreisen Karlsruhe, Heidelberg, Rhein-Neckar-Kreis und Enzkreis, aber auch im angrenzenden Kreis Ludwigsburg wurden diese bereits nachgewiesen. Im Rems-Murr-Kreis wurden bislang nur Käfer mit einer teilweisen Pyrethroid-Resistenz gefunden.
Aus den letzten Jahren wissen wir, dass der Rapserdfloh im Rems-Murr-Kreis ein eher geringes Aufkommen hat. Behandlungswürdig sind meist einzelne Schläge, nicht aber der Raps einer gesamten Gemarkung/Region. Für 2026 ist deshalb nach aktuellem Stand davon auszugehen, dass die Pyrethroide noch wirken.
In diesem Herbst gilt es in jedem Fall dem Rapserdfloh eine besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Der Rapserdfloh ist ab dem Keimblattstadium in kurzen Abständen zu überwachen. Dies erfolgt einerseits mit Gelbschalen, die etwas in den Boden eingegraben, zu 2/3 mit Wasser sowie einem Spritzer Spülmittel gefüllt und mit einem Gitter versehen werden. Andererseits mit Kontrolle des Lochfraßes an Keim- und Laubblättern. Der Rapserdfloh landet eher zufällig in der Gelbschale, da ihn das Gelb nicht anzieht. Die Gelbschalenfänge sollen aber sicherstellen, dass auch tatsächlich Rapserdflöhe auf der Fläche sind. Bis zum 3-Blattstadium gilt als Bekämpfungsrichtwert mehr als 10% durch Fraß zerstörte Blattfläche. Anschließend zählt man bis zum 6-Blatt-Stadium die gefangenen Käfer in der Gelbschale. Hier gilt der Bekämpfungsrichtwert 50 Käfer in 3 Wochen.
Praxistipps: Sofern kein früher Starkbefall vorliegt, ist es sinnvoll mit einer evtl. notwendigen Behandlung bis Mitte/Ende Oktober zu warten. Dann sind die meisten Rapserdflöhe zugeflogen und parallel können die ersten Larven miterfasst werden. Bei den Larven liegt der Bekämpfungsrichtwert bei 3 bis 5 Larven/Pflanze (je nach Rapsbestand). Neben den bekannten Pyrethroiden (siehe IP-Heft „Integrierter Pflanzenschutz 2026 – Ackerbau und Grünland“, S. 86f.), die zur Bekämpfung nach Überschreiten der Bekämpfungsrichtwerte im frühen Stadium noch zur Verfügung stehen, wurde dieses Jahr zur Resistenzvermeidung wieder den Produkten Exirel und Minecto Gold die Notfallzulassung erteilt. Sie beinhalten den Wirkstoff Cyantraniliprole. Er dringt in die Pflanze ein (translaminar, lokalsystemisch, „Xylemmobil“). Die Erdflöhe nehmen den Wirkstoff über Fraß und auch durch Kontakt auf. Es werden sowohl die adulten Käfer als auch die jungen Larven in der Pflanze erfasst. Cyantraniliprole sollte bevorzugt nach dem Schlupf der Larven ab Oktober zum Einsatz kommen. Der Wirkstoff ist ein wichtiger Resistenzbrecher!!
Wichtiger Hinweis: Wir haben am Landwirtschaftsamt in Backnang noch Gelbschalen vorrätig. Wer Schalen benötigt, kann diese gerne bei uns abholen. Bitte melden Sie sich unbedingt, wenn sie Resistenzen gegen Pyrethroide bei Rapserdflöhen feststellen. Wir werden auch dieses Jahr wieder adulte Käfer und nach Möglichkeit Larven zur Resistenzuntersuchung einschicken.
Schnecken - Sicherlich wird dieses Jahr aufgrund der Trockenheit und einem rückverfestigten feinkrümeligen Saatbett das Aufkommen von Schnecken eher gering ausfallen. Trotzdem ist es empfehlenswert, diese zu überwachen, gerade an Gräben, Grasstreifen oder Gewässerrändern. Die Kontrolle kann mittels Jutesäcke, Bretter oder spezieller Schneckenfolie erfolgen. Von Vorteil ist es, etwas Metaldehydhaltiges Schneckenkorn mit unter die Matte zu geben, da durch das Ausschleimen auch wieder abgewanderte Schnecken erkennbar sind. Die Überwachung empfiehlt sich bis zum 4-Blatt-stadium. Als Bekämpfungsrichtwert ist 1 Schnecke je Kontrollstelle in 1-2 Tagen angesetzt.
Praxistipps: Eine Randbehandlung kann ausreichend sein. Bitte denken Sie daran, dass Geräte, mit denen Schneckenkorn ausgebracht wird, über eine gültige TÜV-Plakette Pflanzenschutz verfügen müssen.
IPSplus - Beim Anbau von Winterraps in Schutzgebieten ist im Rahmen von IPSplus, die Überwachung des Rapserdflohs und der Schnecken sowie die Einhaltung der Bekämpfungsrichtwerte zu dokumentieren (Maßnahmen A2.2 und A2.3). Die Ausführungen zu den IPSplus-Maßnahmen so-wie eine Vorlage zur Dokumentation finden Sie auf der Seite des Infoservice des Rems-Murr-Kreises unter folgendem Link:
https://rems-murr-kreis.landwirtschaft-bw.de/MLR.ULBWN,Lde/Startseite/Fachinformationen/Ackerbau
Bitte beachten Sie: Seit der Aussaat 2024 gilt vereinfachend, dass im Rahmen von IPSplus die Kontrolle auf Schnecken auch schon unmittelbar vor der Saat erfolgen und bei Überschreiten des Bekämpfungsrichtwertes das Schneckenkorn bereits zur Saat ausgebracht werden kann.
Herbizidmaßnahmen - Die Durchführung von Herbizidmaßnahmen gegen Unkräuter im Vorauflauf gestaltet sich nach aktuellem Stand aufgrund der Trockenheit schwierig, da die bodenaktiven Wirkstoffe zur Wirkungsentfaltung ausreichend Bodenfeuchte benötigen.
Praxistipps - Vorauflauf: Passen die Bedingungen im Vorauflauf können Metazachlorhaltige Produkte wie Butisan Gold, Butisan Kombi, Fuego Top, Porafam Titan + Fuego, … zum Einsatz kommen. Metazachlor bringt zudem eine Grundwirkung gegen Ackerfuchsschwanz mit (dies gilt auch für die Wirkstoffe Dimethenamid-P und Pethoxamid). Der Wirkstoff darf in 3 Jahren mit maximal 1000 g/ha auf derselben Fläche ausgebracht werden. Es wird aber empfohlen, die Aufwandmenge auf 500 g in 3 Jahren zum Schutz des Grundwassers zu reduzieren und auf eine Anwendung auf grundwassersensiblen Standorten zu verzichten. Bei Wirkungslücken kann mit anderen Produkten kombiniert oder in Spritzfolgen Vorauflauf/Nachauflauf gearbeitet werden. Kommen Clomazonehaltige Mittel im Vorauflauf zum Einsatz, ist auf die Einhaltung der um-fangreichen Anwendungsbestimmungen und Auflagen sowie Dokumentationspflichten zu achten.
Praxistipps - Nachauflauf: Ist es nach der Saat hingegen zu trocken oder soll die sichere Bestandsetablierung bzw. der Stand der Verunkrautung abgewartet werden, kann die Unkrautbekämpfung mit LaDiva, Belkar gänzlich in den Nachauflauf verlegt werden. Erste Spritzung dann mit LaDiva in BBCH 12 bis BBCH 14 und Nachlage 14 Tage später mit Belkar ab BBCH 16.
Achtung: Für den Einsatz des Halauxifenmethylhaltigen LaDiva muss der Bestand sicher das 2-Blatt-Stadium erreicht haben, da es sonst zu Kulturschäden kommen kann. Dies gilt auch bei Tankmischungen oder Spritzfolgen mit Belkar oder LaDiva. Achten Sie unbedingt auf die Empfehlungen des Herstellers zu beiden Produkten. Das Metconazolhaltige Carax ist nach wie vor von einer Anwendung ausgenommen!
Ausfallgetreide und Gräser - Werden grundsätzlich mit blattaktiven Wirkstoffen behandelt. Deshalb sollten Gräser sie bei der Behandlung im Allgemeinen weitgehend aufgelaufen sein. Die Trockenheit birgt die Gefahr, dass der Auflauf heuer in Wellen stattfindet und u.U. nochmals nachbehandelt werden muss.
Praxistipps: Planen Sie auf typischen Ackerfuchsschwanzstandorten nach Vegetationsende unbedingt eine Anwendung mit dem Wirkstoff Propyzamid, z.B. Kerb Flo ein. Weitere Informationen zu den Herbiziden, Wirkungsbreiten und Anwendungszeitpunkte entnehmen Sie bitte dem aktuellen IP-Heft „Integrierter Pflanzenschutz 2026 – Ackerbau und Grünland“, S. 82f.)
Sollten Sie Fragen zu Spezialverunkrautungen haben, melden Sie sich bitte.