Winterraps – Befallssituation beim Rapserdfloh

Wichtige Information aus dem Enzkreis vom 02.10.2026

„In den vergangenen Tagen stiegen die Rapserdfloh-Fänge in den Gelbschalen massiv an,“ so die agilen, amtlichen Pflanzenschutzberater S. Nagel und F. Fuchs im Vorfeld ihrer kulturspezifischen Empfehlungen für den Dienstbezirk Enzkreis. „Angesichts der weiterhin sommerlich warmen Temperaturen ist im weiteren Wochenverlauf mit erhöhtem Zuflug zu rechnen.“ Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, die Gelbschalen regelmäßig zu kontrollieren  bzw. – sofern noch keine Schalen in den Beständen aufgestellt sind – dies unverzüglich zu tun. 

 

Bereits im letzten Jahr wurde die sog. „super KDR“ bei Rapserdfloh-Proben im Enzkreis mehrfach nach-gewiesen. Erste Rückmeldungen nach Insektizid-Behandlungen bestätigen die Wirkungslosigkeit der Pyrethroide gegen die Erdflöhe nochmals, auch in Kombination mit dem Wirkstoff Acetamiprid. Aufgrund der starken standort- und schlagspezifischen Unterschiede der Pflanzenbestände und Gelbschalenfänge ist es nicht möglich pauschale Empfehlungen auszusprechen. Im Folgenden werden einzelne Punkte aufgezeigt, die Sie bei der Entscheidungsfindung über eine mögliche Behandlung und den passenden Behandlungszeitpunkt unterstützen können. Selbstverständlich stehen wir Ihnen jederzeit für eine individuelle Beratung zur Verfügung. 

Folgende Aspekte gilt es einzubeziehen, Details finden Sie auf den nächsten Seiten:

Bekämpfungsrichtwerte 

  • vom Auflaufen bis 3-Blattstadium des Raps: 10 % Lochfraß bei Keim-/Laubblättern 

  • im 3- bis 6-Blattstadium des Raps: 50 Käfer innerhalb von 3 Wochen 

Entwicklungszustand und Vitalität der Rapsbestände 

Gelbschalenfänge und Zuflug im zeitlichen Verlauf -> Hauptzuflug der Rapserdflöhe 

Es ist davon auszugehen, dass Pyrethroide nicht mehr wirksam sind gegenüber den Rapserdflöhen. Deshalb Einsatz Wirkstoff Cyantraniliprole (Notfallzulassung erteilt, 2 Anwendungen möglich)

Praxistipps: Die Überwachung des Zufluges bzw. der Aktivität der Rapserdflöhe in den Beständen ist wichtig zur Bestimmung des idealen Behandlungszeitpunktes. Es ist durchaus möglich, dass ein massiver Zuflug von Erdflöhen stattfindet ohne, dass sich dieser in erheblichem Lochfraß an den Rapspflanzen zeigt. Angesichts dessen ist es unabdingbar Gelbschalen in die Bestände zu stellen (ca. 20 m vom Feldrand entfernt), bodeneben einzugraben und diese regelmäßig und engmaschig zu kontrollieren. 

Für Bestände im Landschaftsschutzgebiet sind folgende Vorgaben einzuhalten (IPSplus): 

  • bis 2 ha Schlaggröße: mind. 1 Gelbschale 

  • bis 10 ha Schlaggröße: eine weitere zusätzliche Gelbschale 

  • für jede weiteren 10 ha: eine weitere Gelbschale 

Ein Beispiel: Bewirtschaftungseinheit der Größe 13 ha = 3 Gelbschalen 

Entwicklungszustand, Vitalität und Befallssituation der Rapsbestände sind wichtige Faktoren, die es bei der Entscheidung über den Behandlungszeitpunkt zu beachten gilt. Die Bekämpfungsschwelle liegt bei 50 Käfern in 3 Wochen. In wie weit ein möglicher Lochfraß bzw. Besatz mit Erdflöhen toleriert werden kann, wird bestimmt durch den allgemeinen Zustand des Bestandes und durch die Intensität und Höhe des Zuflugs, der nur durch Gelbschalenfänge überwacht werden kann.

 

Entsprechend der Beobachtungen im Enzkreis befinden wir uns derzeit in der Zuflugphase bzw. in der Phase des Reifungsfraßes. Diese Phase erstreckt sich über ca. 10 Tage, danach folgt die Eiablage durch die weiblichen Erdflöhe (vgl. Entwicklungszyklus). Während des Reifungsfraßes sind die Erdflöhe sehr lichtscheu. Aufgrund dessen ist es möglich, dass tagsüber – besonders bei hoher Strahlungsintensität – keine Erdflöhe in den Beständen gesehen werden, am nächsten Morgen jedoch die Gelbschalen gut gefüllt sind. Im Idealfall wird die Insektizidmaßnahme zum Zeitpunkt des Hauptzufluges durchgeführt, um möglichst viele adulte Käfer zu erfassen. Damit wird das Risiko des Lochfraßes reduziert und der Fortbestand des Pflanzenbestandes mit einer ausreichenden Pflanzendichte vorerst gesichert. Gleichzeitig wird das Potenzial einer möglichen Eiablage durch die weiblichen Erdflöhe herabgesetzt und somit der Larvenschlupf und der mögliche Schaden, der durch die Larven im weiteren Verlauf entstehen kann, herabgesetzt. Es ist unumgänglich auch nach der durchgeführten Insektizidmaßnahme die Gelbschalen weiterhin zu kontrollieren und den Zuflug zu überwachen.

Praxistipps: Sollten die Wirkstoffe Pyrethroid und/oder Acetamiprid zum Einsatz kommen, ist es ratsam die Temperaturbedingungen bei der Wahl des Behandlungszeitpunktes einzubeziehen (Optimum Acetamiprid zwischen 15 bis 25°C). Angesichts der heterogenen Bedingungen sind Behandlungsentscheidungen schlagspezifisch zu treffen. Bei Unsicherheiten oder Rückfragen fordern Sie gerne Unterstützung an.

 

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