Winterraps – Die Lage ist ernst: Massiver Anstieg des Erdflohbefalls

Wichtige Informationen aus dem Landkreis Karlsruhe vom 29.09.2026

 

C. Erbe, B. Trautmann-Lutsch und A. Kästel von der amtlichen Beratung Bruchsal berichten heute aus ihrem Beratungsgebiet wie folgt:

  • Massiver Anstieg des Erdflohs in den vom Landwirtschaftsamt Bruchsal aufgestellten Gelbschalen seit vergangenen Donnerstag d.h. jetzt unbedingt die eigenen Gelbschalen kontrollieren 

  • Bei Überschreiten des Bekämpfungsrichtwertes (50 bis 75 Erdflöhe in 3 Wochen) die Erdflöhe durch Insektizidbehandlung unbedingt an einer Eiablage zu hindern  

  • Die Wahl des richtigen Insektizids ist stark situationsabhängig – Beratung anfordern! 

  • Aufstellen von Gelbschalen zur schwarzen Kohltriebrüsslerkontrolle 

Das Wachstums des Rapses ist in den vergangenen 2 Wochen je nach Standort komplett auseinandergedriftet. Auf besseren Böden/Schlagteilen ist der Raps nahezu ohne Wasser weitergewachsen und befindet sich momentan im 4 bis 6 Blattstadium. Auf den Sandböden der Hardt und den Kuppen/Sonnenhängen im Kraichgau verharrt er hingegen oftmals im 2 bis 4 Blattstadium bei meist klein entwickelten Pflanzen. Septembersaaten sind im Keimblattstadium oder noch nicht aufgelaufen. 

Seit vergangenen Donnerstag finden wir in den Gelbschalen vermehrt Erdflöhe jenseits der 75 Erdflohschadensschwelle. Der bisherige Flughöhepunkt fand vergangenes Wochenende statt mit 100 bis 500 Erdflöhen je Gelbschale in 3 Tagen. In Randbereichen unseres Beratungsgebietes, wo bislang wenig bis kein Raps angebaut wurde, sind die Gelbschalenfänge noch deutlich unterhalb des amtlichen Bekämpfungsrichtwertes.

Praxistipp: Kontrollieren Sie deshalb ab jetzt intensiv Ihre eigenen Gelbschalen, um eine schlagindividuelle Insektizidbehandlung durchführen zu können.

 

Aus den Gelbschalenfängen ergeben sich nachfolgende Insektizidstrategien:

 

Raps hat 4 bis 6 Blätter / Gelbschalenfänge deutlich über der Schadensschwelle / Fraßschaden vom Erdfloh kann vernachlässigt werden - Hier zielt die Insektizdbehandlung darauf ab, möglichst viele adulten Erdflöhe an der Eiablage zu hindern. Die Kausalkette ist wie folgt: Reduktion Eiablage Erdfloh -> weniger große Larven zu frühen Zeitpunkt im Herbst in der Rapspflanze -> weniger Schädigung des Rapses im Herbst durch große Rapserdflohlarven. Da kein hoher Wirkungsgrad bei der adulten Rapserdflohbekämpfung zu erwarten ist, ersetzt diese Spritzung jedoch nicht die spätere Larvenkontrolle in der Pflanze und den Einsatz eines Cyantraniliprolhaltigen Insektizides (Exirel oder Minecto Gold). Zum Einsatz können Carnadine 0,2 Liter/ha + 0,3 Liter/ha Folicur (+ 0,075 Liter/ha Karate Zeon) oder Exirel 0,4 Liter/ha bzw. Minecto Gold 0,1 kg/ha kommen. 

Die Insektizidapplikation sollte im Laufe dieser Woche erfolgen, damit die Rapserdflöhe noch nicht mit der Eiablage begonnen haben. Der Behandlungszeitpunkt ist auf die späten Abendstunden besser noch nachts zu legen, da hier die größte Erdflohaktivität zu erwarten ist. Die Haupt-wirkung der oben genannten Mittel ist durch die gezielt Applikation auf die adulten Erdflöhe gegeben und weniger über die Aufnahme des Wirkstoffes durch Fraß. Demnach sollten möglichst viele Erdflöhe bei der Behandlung getroffen werden. Die Zumischung von Folicur zu Carnadine steigert dessen Insektizidleistung. Karate Zeon wirkt überwiegend über Kontakt und ist dementsprechend gegenüber Nicht-Ziel-Organismen weniger selektiv als Carnadine/Exirel/Minecto Gold. Die Zumischung des Pyrethroids (z.B. Karate Zeon) erfolgt, da wir nicht mit absoluter Sicherheit sagen können, wo wir in unserem Dienstgebiet noch eine Teilwirkung erwarten können und wo nicht. Die Grenzen sind fließend. Hier ist Ihre betriebsindividuelle Erfahrung gefragt. Konnten Sie im vergangenen Jahr eine Wirkung feststellen, ist eine diesjährige Zugabe sinnvoll. Bei keiner vorhandenen Wirkung des Pyrethroides im letzten Jahr ist zum Schutze der Nicht-Ziel-Organismen von einer Zugabe abzusehen. 

Das Timing der Maßnahme ist entscheidend, da Carnadine nur 1 mal im Herbst eingesetzt wer-den darf. Cyantraniliprol haltige Insektizide (Exirel oder Minecto Gold) sind in Baden-Württemberg im Herbst zweimal zugelassen. Eine Cyantraniliprol Behandlung muss zwingend für die spätere Larvenbehandlung aufgespart werden! Überdenken Sie deshalb Ihre Behandlung gründlich und orientieren Sie sich streng an Ihren Gelbschalenfängen. Beim Einsatz von Belkar + Synero bzw. LaDiva muss ein zeitlicher Abstand von 1 Woche zum Einsatz von Folicur vorhanden sein.

 

Raps hat maximal 2 Laubblätter Gelbschalenfänge deutlich über Schadensschwelle, Fraßschaden Erdfloh schädigt Raps nicht - Hier zielt die Insektizidbehandlung ebenfalls auf die Minimierung der Eiablage durch adulte Rapserdflöhe ab.  Zum Einsatz kann Exirel 0,4 Liter/ha bzw. Minecto Gold 0,1 kg/ha kommen. Bei solch kleinen Rapspflanzen kann kein Carnadine + Folicur eingesetzt werden, da das Folicur die schwachen Rapspflanzen zu sehr einbremst. Hierdurch werden die Rapspflanzen anfälliger für den späteren Larvenbefall bzw „verkraften“ diesen nicht so gut wie größere/vitalere Rapspflanzen.

 

Raps wird vom Erdfloh aufgefressen, es droht ein Totalausfall - In diesem Fall ist der Wirkstoff Cyantraniliprol die beste Wahl, da er die höchste Leistung gegen die adulten Käfer verspricht und zu einem raschen Fraßstopp führt. Zum Einsatz können 0,4 Liter/ha Exirel oder 0,1 kg/ha Minecto Gold kommen. 

 

Raps im 4 – 6 Blattstadium, Gelbschalenfänge unter Schadensschwelle - Derzeit kein Handlungsbedarf.

 

Spritzfenster bei der Insektizidanwendung - Für die Erfolgskontrolle ist ein etwas größeres und markiertes Spritzfenster unumgänglich. Damit können Sie im weiteren Verlauf auch die Wirkungsgrade auf die Eiablage und somit den Larven-besatz viel besser bestimmen. In Schutzgebieten, in denen IPS+ gilt, ist das Spritzfenster obligatorisch vorgeschrieben. Welche der Strategien für Sie persönlich die passende ist, sprechen wir gerne direkt mit Ihnen durch. Rufen Sie einfach an! 

Weiteres Vorgehen: Befallermittlung Rapsschädlinge mittels Gelbschalen - Nach einer Insektizidbehandlung nehmen die Gelbschalenfänge zu. Dies ist darin begründet, dass die Erdflöhe durch die Behandlung aufgescheucht werden und panisch über den Acker hüpfen. Lassen Sie sich hiervon nicht beirren. 24 Stunden nach der Insektizidapplikation sind die Gelbschalen auszuleeren und mit frischem Wasser samt Spüli zu befüllen (Handschuhe tragen und Anwenderschutz beachten!). Erst dann beginnt die Rapserdflohüberwachung von Neuem. Stellen Sie zudem runde Schalen zur Ermittlung des schwarzen Kohltriebrüsslerzuflugs auf. Diese sollen im Gegensatz zu den Erdflohgelbschalen mit dem Bestand „mitwachsen“. 

Praxistipp: Falls Sie Bedarf an Gelbschalen haben, können Sie ich gerne melden, wir helfen Ihnen weiter.

Tags