Winterraps – Fänge deutlich unterhalb des Bekämpfungsrichtwertes
Wichtige Informationen aus dem Landkreis Göppingen vom 25.09.2026
„Die meisten Rapsflächen sind gut aufgelaufen, allerdings je nach Saatzeitpunkt unterschiedlich weit entwickelt,“ so der renommierte, amtliche Pflanzschutzberaters T. Kielmann, vom Landwirtschaftsamt in Göppingen mit Blick in sein Beratungsgebiet. „Die Bestände befinden sich je nach Region und Saattermin überwiegend zwischen dem 2- und 5- Blattstadium.“
Unkräuter und Ungräser - Wer seinen Raps bisher noch nicht behandelt hat, kann dies auch im Nachauflauf ab dem 2- bis zum 4- Blattstadium mit dem blattaktiven Herbizid LaDiva, welches das bisherige Belkar und Synero als Fertigformulierung ablöst.
Mögliche Spritzfolge: Vorlage 0,25 Liter/ha LaDiva, gefolgt ab BBCH 16, frühestens 14 Tage nach 1. Behandlung, von weiteren 0,25 Liter/ha Belkar. Wichtig ist, dass erst gefahren wird, wenn die ertragsbildenden Pflanzen das 2-Blattstadium erreicht haben. Einzelne Pflanzen können auch noch kleiner sein. Die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren waren sehr zufriedenstellend. Allerdings gibt es Einschränkungen bei der Wahl des Gräserherbizids: nur Focus Aktiv Pack, Panarex und Flua Power bei der 1. und 2. Anwendung. Nur bei der 1. Anwendung mit Einschränkungen Clethodimhaltige Produkte wie Select + Radiamix oder Vextadim + Vexzone sind für Mischungen mit Belkar Power aber ohne weitere Mischpartner freigegeben.
Praxistipps: Ausfallgetreide und Ackerfuchsschwanz sollten nicht zu spät behandelt werden. Dies kann im 2- bis 4- (6) Blattstadium der Gräser zum Beispiel mit Agil-S, Targa Super, GramFix oder Fusilade Max erfolgen. Bei schwer bekämpfbarem Ackerfuchsschwanz sind DIM-Produkte wie Select, Brixton, Vextadim oder Focus Ultra zu bevorzugen. Select nicht zu spät im Herbst fahren. Denken Sie bei bekannter Ackerfuchsschwanzresistenz an den Einsatz von Propyzamidhaltigen Produkten, wie z.B. Kerb Flo oder Milestone im Herbst zum Vegetationsende. (Bodentemperatur nachhaltig unter 10°C).
Als Fungizide bzw. zur Wuchsregulierung sind die Fungizide Tilmor (bis 1,0 Liter/ha), Toprex (bis 0,5 Liter/ha), Orius (bis 1,0 Liter/ha), Folicur (bis 0,75 Liter/ha) oder Architect (1,6 Liter/ha) zur Beimischung zur 2. Splittingvariante freigegeben. Tankmischungen mit anderen Gräsermitteln und Fungiziden oder auch mit dem Herbizid Fox sind nicht möglich, ein Abstand von 7 Tagen bei Spritzfolgen ist einzuhalten. Wenn LaDiva/Belkar eingesetzt wird, darf nachfolgend im Herbst kein Metconazolhaltiges Fungizid (z.B. Carax, Caramba, …) mehr eingesetzt werden. Mischungen mit allen zugelassenen Insektiziden sind wie auch mit Bordüngern möglich. Beachten Sie alle Auflagen des Mittels, insbesondere ist die Hangneigungsauflage zu erwähnen. Bei >2% Hangneigung muss ein 20 m breiter bewachsener Randstreifen zwischen Acker und Gewässer vorhanden sein.
Praxistipps: Der richtige Termin zur Einkürzung des Rapses ist das 4 – 5 (6) Blattstadium. Bei verzetteltem Auflauf kann eine Fungizidmaßnahme den Bestand „gleichziehen“, da die größeren Blätter mehr Wirkstoff aufnehmen und dann auch stärker eingekürzt werden. Bei normalen Beständen sind Produkte einzusetzen, die sowohl einkürzen, als auch eine gute Fungizidwirkung mitbringen, wie etwa Folicur bzw. Orius mit ca. 0,75 Liter/ha oder 0,35 Liter/ha Toprex sowie das neue Architect+Turbo. Bei Tilmor ist die Fungizidwirkung im Vergleich zur Einkürzung im Vordergrund. Carax (Metconazolhaltig) kürzt am stärksten ein, bringt im Vergleich aber weniger Fungizidwirkung mit. Beachten Sie immer die direkten Auflagen der jeweiligen Mittel, da auch bei gleichen Wirkstoffgehalten, je nach Zulassung unterschiedliche Auflagen gelten können.
Tierische Schaderreger - Der Rapserdfloh ist dieses Jahr unterschiedlich vorhanden, die kühlen Nachttemperaturen helfen uns hier grundsätzlich. In den Gelbschalen sind zum Teil ordentliche Fänge, aber im Bestand ist nur sehr wenig Befall sichtbar, deutlich unterhalb der Bekämpfungsschwelle. Die weiter entwickelten Bestände wachsen dem Erdfloh jetzt zudem davon. Es sollte aber dennoch jeder Schlag, insbesondere Spätsaaten, intensiv beobachtet und auch mit Gelbschalen (Pflicht in Landschafts-, Vogel- und FFH-Gebieten nach IPSplus) überwacht und z.B. in der Dokumentation Pflanzenschutz. Muss behandelt werden, siehe Infoservice 10. Behandlungen nur nach Überschreitung des Bekämpfungsrichtwerts (>10%-Lochfraß bis zum 3-Blattstadium, ab dem 4-Blatt-stadium 50 gefangene Käfer in der Gelbschale in 3 Wochen).
Praxistipps: Kontrollieren Sie die Bestände auch auf Schnecken. In den o.g. Schutzgebieten ist nach IPS+ eine Überwachung mit „Schneckenfolie“, Säcken oder Brettern Pflicht! Dokumentieren nicht vergessen.
Grundsätzlich ist im Raps auf eine gute Bor-Versorgung zu achten, um die Winterfestigkeit zu erhöhen.