Winterraps – Gelbschalen im Raps kontrollieren
Wichtige Informationen aus dem Main-Tauber-Kreis vom 01.03.2026
„Die milden Temperaturen von über 12°C und ausbleibende Nachtfröste in den letzten Tagen veranlassen die Rapsschädlinge zum Ausfliegen aus den Winterquartieren und Einwandern in die Rapsfelder,“ so der renommierte Pflanzenschutzexperte und versierte Berater T. Bender am Landwirtschaftsamt Bad Mergentheim in einer Kurzmeldung aus seinem Beratungsgebiet. „Gleichzeitig erschweren die immer noch sehr feuchten Böden die Terminierung für eine Insektizid-Anwendung.
Durch den Sonnenschein und die warmen Temperaturen ist der Boden oberflächlich stellenweise abgetrocknet. Dennoch ist es sehr wichtig ein Augenmerk auf die tieferen Bodenschichten zu legen. Richtet eine Überfahrt mehr Schaden an, als der Effekt einer Behandlung wäre, ist diese sinnlos. Ein guter und kräftiger Raps kann insbesondere auf besseren Standorten sehr viel kompensieren und eine leichte Überschreitung von Schadschwellen bedeutet nicht, dass sich eine Behandlung in jedem Fall lohnt, da dies immer von vielen Faktoren abhängt. Risiken und Nutzen sollten daher sorgsam abgewogen werden. Bisher variieren die Schädlingszahlen in den Gelbschalen im Main-Tauber-Kreis. Fänge sind bisher vor allem in den wärmeren Lagen verzeichnet worden. Durch weiterhin vorhergesagte milde Temperaturen in den nächsten Tagen ist allerdings mit weiteren Zuflug zu rechnen.
Beobachten Sie daher unbedingt Ihre Gelbschalen und achten Sie auf die Bekämpfungsrichtwerte:
Der gefleckte Kohltriebrüssler hat eine Schadschwelle von 15 Käfern in 3 Tagen. Er ist 2,5 - 3,3 mm groß und hat rotbraune Beine. Bevor die Weibchen mit der Eiablage beginnen, machen sie einen Reifungsfraß im Raps. Dieser dauert 10 bis 14 Tage an. Sind also nur gefleckten Kohltriebrüssler in der Schale, können Sie vorerst Ruhe bewahren, da eine Behandlung auch nach einigen Tagen (spätestens aber nach 10 Tagen) noch effektiv ist.
Der große Rapsstängelrüssler hingegen hat eine Schadschwelle von 5 Käfern in 3 Tagen. Diese ist in einigen Regionen des Main-Tauber-Kreises bereits überschritten. Er ist mit 3,3 – 4 mm größer als der gefleckte Kohltriebrüssler und gräulich behaart mit schwarzen Füßen. Der Reifungsfraß bei ihm beträgt nur 3 Tage, daher muss eine Behandlung innerhalb der ersten drei Tage nach Überschreiten der Schwelle erfolgen.
Nehmen Sie die Schädlinge für eine richtige Bestimmung aus der Gelbschale und trocknen diese auf einem Stück Küchenrolle. So fällt die Bestimmung leichter.
Praxistipps: Wenn eine Bekämpfung ansteht und Ihre Flächen gut befahrbar sind, eignen sich Pyrethroide mit guter Kontaktwirkung wie z.B. Karate Zeon mit einer Aufwandmenge von 75 ml/ha in 200 bis 400 Liter Wasser pro ha, Nexide mit einer Aufwandmenge von 80 ml/ha in 200 bis 400 Liter Wasser pro ha, Decis forte oder Sumicidin Alpha EC. Die letzteren beiden haben Bienengefährlichkeit B2!
Bei Temperaturen über 12°C kann ab Entwicklungsstadium BBCH 31 (1. Internodium sichtbar gestreckt) bis BBCH 39 (9 und mehr Internodien gestreckt) auch Carnadine 200 eingesetzt werden, das mit dem Wirkstoff Acetamiprid eine gute und länger anhaltende systemische Wirkung hat.
Falls Sie Bor mit einmischen, achten Sie darauf die Spritzbrühe z.B. mit Zitronensäure anzusäuern, da Bor ziemlich viel Wirkstoff bindet. Bei Karate Zeon ist das allerdings unproblematisch. Mischen Sie alternativ das Bor zum Schluss ein und fahren direkt los.