Winterraps – Gemeinsam sind wir noch stärker

Wichtige Informationen aus dem Landkreis Karlsruhe und aus dem Rhein-Neckar-Kreis vom 17.09.2026

 

In Landkreisübergreifender Zusammenarbeit mit den auch über die Grenzen hinaus bekannten Bruchsaler Kollegen C. Erbe und B. Trautmann-Lutsch haben die beiden renommierten, amtlichen Pflanzenschutz- und Anbauexperten H. Gawron und G. Münkel heuer ausführliche Hinweise für den evtl. notwendigen Einsatz von Insektiziden in Winterraps geschrieben und für die regionalen Bedingungen wie folgt zusammengefasst.

 

  • Der Zuflug des Erdflohs in die Bestände hat begonnen; ab jetzt sind regelmäßige Kontrollen nötig. 

  • Die Bestände sind in den meisten Teilen des Beratungsgebietes gut entwickelt, so dass wir weit weniger Probleme durch frühen Blattfraß erwarten als 2025. 

  • Die Wahl des richtigen Insektizids ist stark situationsabhängig – Beratung anfordern! 

 

Der Raps hat sich an Standorten mit glücklicher Niederschlagsverteilung gut entwickelt und besitzt mittlerweile 2 bis 4 Laubblätter. Dies trifft auf weite Teile unseres Beratungsgebiets zu und somit ist der erste Grundstein einer effektiven Rapserdflohstrategie gelegt. Die Pflanzen sind so schon vor der Ankunft des Erdflohs in einem Stadium, in dem sie den Blattfraß in aller Regel gut vertragen und trotzdem zügig weiterwachsen können. 

 

Seit dieser Woche steigen nun die Rapserdflohzahlen in den Gelbschalen, liegen jedoch noch unter dem Bekämpfungsrichtwert (BKR) von 50–75 Käfern in 3 Wochen. Bei vielen Betrieben stellt sich nun die Frage, ob und wann der Einsatz von Insektiziden gegen den Rapserdfloh erfolgen soll.

Unsere Strategie sieht dabei Folgendes vor: 

In der jetzigen Phase geht es vor allem darum, die Auswirkungen des Blattfraßes auf einem verträglichen Niveau zu halten. Gleichzeitig soll eine Bekämpfung der Käfer dafür sorgen, dass sie an der Eiablage gehindert werden und wir so später weniger Larven im Bestand haben. Ab November richtet sich unser Blick dann auf die Larven. 

Da wir aufgrund der großflächigen Resistenz der Käfer gegenüber Pyrethroiden nicht mehr auf die Wirkung dieses ehemals sehr effektiven Wirkstoffs zählen können, müssen wir besonders auf die Bestände achten und das Beste aus den uns zur Verfügung stehenden Mitteln herausholen. 

Praxistipp: Halten Sie daher unbedingt Ihre Bestände im Blick und ermitteln Sie den Zuflug mittels Gelbschalen bzw. achten Sie auf den Lochfraß an den Blättern Bekämpfungsrichtwert (BKR) 10% Lochfraß.

 

Zur Insektizidstrategie - Wird der genannte BKR überschritten, ohne dass die Rapspflanzen durch Erdflohfraß massiv geschädigt werden, sollte eine Insektizidmaßnahme erst ca. 7 bis 10 Tage nach dem Hauptzuflug erfolgen. Ziel ist es, möglichst viele Erdflöhe noch vor der Eiablage während des Reifungsfraßes aus dem Bestand zu entfernen. Der Reifungsfraß kann in Abhängigkeit von der Temperatur unterschiedlich lang andauern und hängt auch von der Zusammensetzung der Population ab, da Erdflöhe aus spät abgelegten Eiern auch erst später im Jahr mit dem Reifungsfraß beginnen. Wir können daher nicht vorhersagen, was uns erwartet.

Daher haben wir unterschiedliche Strategien für Sie parat: 

1.) Sie können den Blattfraß aussitzen und die ca. 7–10Tage nach dem Hauptzuflug abwarten 

  • In diesem Fall ist der Wirkstoff Cyantraniliprol die beste Wahl, da er die höchste Leistung gegen die Käfer verspricht und zu einem raschen Fraßstopp führt. In diesem Jahr sind in Baden-Württemberg zwei Herbstanwendungen dieses Wirkstoffes zugelassen. Eine davon muss zwingend für die spätere Larvenbehandlung aufgespart werden! 

  • Die Aufwandmenge von Exirel beträgt 0,4 Liter/ha, die von Minecto Gold 0,1 kg/ha. 

2.) Sie können oder möchten nicht so lange warten und werden daher sehr zeitnah behandeln 

  • In diesem Fall empfehlen wir Ihnen 0,2 Liter/ha Carnadine + 0,075 Liter/ha Karate Zeon. Ab dem 4-Blattstadium und unter wüchsigen Bedingungen kann 0,3 Liter/ha Folicur beigemischt werden. Um die Thematik „Ansäuern der Spritzbrühe“ zu umgehen empfehlen wir Karate Zeon, da durch die Formulierung hier kein ansäuern nötig ist.

Praxistipps: Die Zumischung des Pyrethroids erfolgt, da wir nicht mit absoluter Sicherheit sagen können, wo in unserem Dienstgebiet wir noch eine Teilwirkung erwarten können und wo nicht. Die Grenzen sind fließend. Das Folicur steigert die Leistung des Carnadines und zügelt den Raps gleichzeitig in seiner Entwicklung, damit er nicht Gefahr läuft zu überwachsen. Daher auf den Zusatz von Folicur verzichten, wenn der Bestand ohne-hin schon gestresst oder unterentwickelt ist.

Achtung: Dies ist nur eine Notlösung für die Tage vor dem eigentlichen Hauptzuflug, die verhindern soll, dass der Raps zu sehr ausgebremst wird. Die Wirkungsgrade werden überschaubar sein! Wir möchten Ihnen so früh jedoch keine Behandlung mit Exirel oder Minecto Gold empfehlen, da wir etwas in der Hinterhand benötigen, sollte es nach dieser Behandlung noch zu weiteren größeren Zuflugsereignissen kommen. Im letzten Jahr hatten wir die größten Probleme häufig erst in den ersten Oktobertagen. Auch könnte es zu heftigem Zuflug kommen, wenn nahegelegener Altraps entfernt wird. Davon haben wir in unserem Dienstgebiet noch recht viel stehen. 

3.) Akuter Notfallplan 

  • Je nach Situation vor Ort kann es passieren, dass einzelne Schläge oder Randbereiche trotz aller Präventivmaßnahmen schon jetzt ganz oder teilweise verlustgefährdet sind. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Das ist dann der Moment, in dem man von jeglicher Optimierung Abstand nehmen, alles zuvor Geschriebene vergessen und direkt in die Vollen gehen sollte, um den Bestand zu retten. 0,4 Liter/ha Exirel oder 0,1 kg/ha Minecto Gold wären dann die Mittel der Wahl. Diese Entscheidung sollte jedoch nicht leichtfertig getroffen und als absolute Feuerwehrmaßnahme gesehen werden. 

 

Spritzfenster bei der Insektizidanwendung - Für die Erfolgskontrolle ist ein etwas größeres und markiertes Spritzfenster unumgänglich. Zumal Sie im weiteren Verlauf auch die Wirkungsgrade auf die Eiablage und somit den Larvenbesatz viel besser bestimmen können. In den Schutzgebieten ist das Spritzfenster obligatorisch vorgeschrieben. 

Praxistipp: Welche der Strategien für Sie persönlich die passende ist, sprechen wir gerne direkt mit Ihnen durch. Rufen Sie einfach an!

 

Herbizideinsatz - Auf einigen Gemarkungen, die nicht mit Niederschlag gesegnet wurden, verharrt der Winterraps seit mehreren Tagen im Keimblattstadium bis erstes Laubblattstadium. Außer von einer Bekämpfung des Ausfallgetreides, raten wir von jeglichen Herbizidmaßnahmen ab, da diese den Raps zusätzlich stressen und wir auch nicht davon ausgehen können, alle Bestände über den Winter zu bekommen. Das gleiche gilt für Bestände, die aktuell nicht wachsen, da sie noch mit den Herbizidrückständen aus der Vorkultur zu kämpfen haben.

Praxistipp: Zum Einsatz von LaDiva verweisen wir auf das letzte Rundschreiben.

 

Wuchsregulierung - Vereinzelt gibt es sehr frohwüchsige Bestände, die bereits das vierte Laubblattpaar voll entwickelt haben. Hier sollte bereits an die erste Einkürzungsmaßnahme gedacht werden. Bedenken Sie bei der Aufwandmenge die Wasserversorgung und das „N“-Angebot im Boden. 

Praxistipp: Lieber an der unteren Aufwandmenge orientieren und entsprechend eine Nachlage einplanen.

 

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