Winterraps – Keine Zeit verlieren...

Wichtige Informationen des LRA Tübingen vom 07.08.2026

 

„Die gelegentlichen aber leider nicht flächendeckend ausreichenden Niederschläge ermöglichen das Keimen von Unkräutern und Ausfallgetreide und reduzieren die Staubbildung bei den Bodenbearbeitungen,“ so der langjährig versierte, amtliche, Beraters und Pflanzenschutzexperte A. Lohrer mit Blick in seinen Beratungslandkreis Tübingen.

 

Vor allem für die anstehende Aussaat von Zwischenfrüchten und Winterraps gilt es möglichst viel Feuchtigkeit für die Keimung und eine gleichmäßige und zügige Jugendentwicklung durch angepasste Bodenbearbeitung zu erhalten. Insbesondere die tieferen Grundbodenbearbeitungen sollten rechtzeitig und möglichst ohne Klutenbildung durchgeführt werden, damit bei Niederschlägen im Saatzeitraum keine Zeit und kein Wasser verloren geht.

 

Für den Winterraps kann neben Schnecken auch der Rapserdfloh Probleme bei der Etablierung bereiten. Im letzten Jahr gab es vor allem im Kraichgau und in den Oberrhein- Regionen Probleme durch Pyrethroid-Resistenzen beim Rapserdfloh. Auch bei Proben aus dem Kreis Tübingen konnten schon erste kdr (knockdown-Resistenz = verringerte Pyrethroidwirkung) und super-kdr (super-knockdown-Resistenz = Pyrethroide vollständig wirkungslos) festgestellt werden. Der Anteil liegt bei uns noch auf einem niedrigen Niveau, so dass bei moderatem Befall noch eine ausreichende Wirkung der Pyrethroide zu erwarten ist.

 

In einigen Gebieten wurden schon zur diesjährigen Ernte viele Rapserdflöhe auf den Flächen beobachtet. Das Auftreten auf den Altrapsflächen kann Hinweise auf den Druck zur kommenden Aussaat geben. Die Jungkäfer befinden sich entweder in ihren Sommerlagern oder noch auf den Flächen mit Ausfallraps. Durch mechanische Beseitigung des Ausfallraps, hierfür reichen oft schon extrem flache Eingriffe, z.B. mit Messerwalze, Strohstriegel, werden auch die Käfer reduziert. Dadurch werden auch Ausfallraps und Ackerfuchsschwanz zur Keimung angeregt. 

Praxistipps: Wenn das Auflaufen von Raps und ein starker Zuflug von Rapserdflöhen (in der Regel Anfang, Mitte September) zusammenkommen kann es zu Schäden führen. Gegen diesen frühen Befall im Auflaufen können verschiedene insektizide Beizen unterstützen: 

  • Integral Pro/Susteed (Bacillus amyloliquefaciens): zur Befallsminderung bei schwachem Befallsdruck 

  • Buteo Start (Flupyradifurone): beste Wirkung gegen Erdflöhe; Wirkungsdauer ca. 1 Woche bis Keimblattstadium 

  • Lumiposa (Cyantraniliprole): gegen Erdfloh etwas schwächer, Hauptwirkung gegen Kleine Kohlfliege; Wirkungsdauer ca. 2 Wochen bis ca. 1. Laubblatt 

In Gebieten wo mit einem starken Auftreten von Erdflöhen zu rechnen ist gilt es einen möglichst schnellen und gleichmäßigen Feldaufgang zu erzielen, hierbei können die insektiziden Beizen oder etwas frühere Saattermine helfen. Auch wenn sich jetzt die Ausbringung von Gülle und Gärresten vor den Bearbeitungsmaßnahmen anbietet gilt es hier einige Punkte zu bedenken. Zuerst muss ein Düngebedarf bestehen, dies ist bei Winterraps, Zwischenfrüchten, Feldfutter und Wintergerste nach Getreide bis zu 30 kg/ha Ammonium-N oder max 60 kg/ha Gesamt-N gegeben. Für weitere Informationen verweisen wir auf das Merkblatt „Herbstdüngung“ (Stand 2/25) des LTZ Augustenberg: 

Information zur neuen Düngeverordnung- N-Düngung auf Ackerland im Herbst.pdf

Achtung: Bedenken Sie, dass je nach Standort durch die Trockenheit auch noch größere Anteile der späten Düngegaben zu den Vorkulturen im Boden sein können. Bei den derzeit hohen Temperaturen kommt es sehr schnell zu gasförmigen Stickstoffverlusten bei der Ausbringung von Gülle und Gärresten. Im eigenen Interesse sollte die Einarbeitung unverzüglich erfolgen, auch wenn dies nach Düngeverordnung erst nach einer Stunde erfolgt sein muss. Besser ist natürlich eine direkte Einbringung in den Boden mittels Güllegrubber oder -Scheibenegge

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