Winterraps - Nicht zu früh, aber auch nicht zu spät

Wichtige Informationen aus dem Landkreis Calw vom 13.08.2026

 

„Die Rapsaussaat rückt näher, hierzu ein paar Informationen – zur Beantwortung von Rückfragen bitte melden,“ so S. Klasen, renommierter Pflanzenschutzexperte und Anbaufachmann aus der Abteilung Landwirtschaft und Naturschutz im Landratsamt Calw.

 

Aussaat - Winterraps braucht im Herbst ausreichend Zeit, um ein leistungsfähiges Wurzelsystem und eine kräftige Rosette zu entwickeln. Gleichzeitig sollte eine übermäßige Herbstentwicklung vermieden werden. Als Orientierung gilt: Die Aussaat sollte so terminiert werden, dass der Raps vor dem Winter etwa 6 bis 8 gut entwickelte Blätter erreicht. Dieses Jahr ist die Bodenfeuchte entscheidender als der Kalendertag. Die Aussaat sollte nicht in einen ausgetrockneten Saathorizont erfolgen. Ein feinkrümeliges, rückverfestigtes Saatbeet sorgt für guten Bodenschluss und einen gleichmäßigen Feldaufgang. Daher lieber auf einen Niederschlag warten. Für eine gute Herbstentwicklung benötigt der Raps ca. 800 Gradtage. Diese haben wir in den vergangenen Jahren bei einer Aussaat in der ersten Septemberwoche noch erreicht.

Sortenwahl - Die Sorte zu meinem Standort - Einen ersten Anhaltspunkt liefern die vorläufigen Druschergebnisse der Landessortenversuche 2025 / 2026 in der folgenden tabellarischen Übersicht. Des Weiteren sollte der Sortenpass weitere Auskunft über die Eigenschaften geben auf welche man Wert legt. Hierzu zählen beispielsweise eine gute Jugend-, Frühjahrsentwicklung, Krankheitstolerant, sowie einen hohen Korn- und Ölertrag.

Foto oben: "Kornertrag bei 91_% TS dt/ha" (Rel.-Wert in %) aller Versuchsstandorte, reduziert (ohne Fungizid und wuchsregulierende Maßnahmen) - Quelle: vorläufige Ergebnisse der Landessortenversuche Baden – Württemberg 2026 (drei Standorte ausgewertet) Tabelle: eigene Darstellung

Schnecken - Diese befinden sich bei der aktuellen Witterung nicht an der Bodenoberfläche, sondern haben sich in tiefere Schichten zurückgezogen. Bei feuchter werdendem Wetter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass diese wieder in die jungen Rapsbestände einwandern. Daher gilt es Fallen aufzustellen um die Zuwanderung zu kontrollieren. Empfehlenswert ist eine Behandlung mit Schneckenkorn am Rand und auf grobscholligen Stellen. 

Rapserdfloh - Achtung: Verwechslungsgefahr bei den Schadbildern mit der Schnecke 

Dieser hat bei uns in der Region in den vergangenen Jahren keine große Rolle gespielt, jedoch hat sich durch Untersuchungen herausgestellt, dass auch bei uns im Kreis die sogenannte Super KDR (Super knock-down Resistenz) nachgewiesen wurde. Die üblichen Pyrethroid- Wirkstoffe sind somit in Ihrer Wirkung deutlich eingeschränkt. Umso wichtiger ist es eine Behandlungsnotwendigkeit richtig einzuschätzen. 

Eine Möglichkeit im Jugendstadium bietet die Beizung mit Buteo Start. Durch die teilsystemische Wirkung bietet dies einen Schutz bis zum Laubblattstadium. Danach nimmt die Wirkung bzw. der Schutz ab und die Überwachung auf Befall muss durch den Lochfraß oder mittels Gelbschale beobachtet werden.

Herbizidbehandlung - Die Unkrautbekämpfung im Winterraps sollte bereits bei der Aussaat mitbedacht werden. Besonders wichtig ist eine möglichst konkurrenzfreie Jugendentwicklung. 

Hierfür gibt es zum einen die Möglichkeit im Vorauflauf oder zum anderen im Nachauflauf. 

Kombinationen im VA: 

  • 2,5 Liter/ha Butisan Gold oder 

  • 0,5 Liter/ha Porafam Titan + 1,0 Liter/ha Fuego oder 

  • 2,0-2,5 Liter/ha Butisan Gold + 1,0 Liter/ha Stomp Aqua oder 

  • 2,0 Liter/ha Butisan Gold + 0,2 Liter/ha Runway VA 

Bei den aufgeführten Kombinationen werden die zweikeimblättrigen Unkräuter zuverlässig erfasst. Bei Problemen mit Klatschmohn wird durch die Zugabe von Stomp Aqua zu Butisan Gold dieser miterfasst. Sind Klatschmohn und Kornblume zu erwarten sollte die Kombination aus Butisan Gold und Runway VA eingesetzt werden. Da es sich hier überwiegend um Bodenherbizide handelt wird für einen hohen Wirkungsgrad Niederschlag bzw. Bodenfeuchte benötigt. 

Metazachlor bewusst einsetzen - Der Wirkstoff Metazachlor ist ein wichtiger Baustein bei der Ackerfuchsschwanzbekämpfung, da hiermit gute Erfolge erzielt werden können. Durch den Einsatz kann der erste Auflauf schon deutlich abgemildert werden. Zudem wird aktives Resistenzmanagement durch Wirkstoffwechsel betrieben. Beim Einsatz Metazachlorhaltiger Mittel sollte der Grundwasserschutz berücksichtigt werden. Daher darf zum Schutz des Grundwassers 500 g Metazachlor/ha nicht überschritten werden.

Möglichkeiten im Nachauflauf - 0,25 Liter/ha Ladiva ab BBCH 12-14 zzgl. falls erforderlich 0,25 Liter/ha Belkar im Kulturentwicklungsbereich BBCH 16-18.

Achtung: Zwischen der Anwendung von Ladiva und Belkar mind. 14 Tage Abstand einhalten. 

Diese Strategie ist insbesondere interessant, wenn Problemunkräuter wie Kornblume, Mohn, Klettenlabkraut, Kamille oder Storchschnabel im Bestand vorkommen. Des Weiteren werden Wurzelunkräuter miterfasst. Lediglich bei den Ehrenpreisarten besteht eine Lücke, jedoch kann diese durch den Einsatz von Propyzamid (Kerb Flo) geschlossen werden.

Praxistipp: Bei der Kombination beziehungsweise Spritzfolge sind außerdem die Hinweise zur Mischbarkeit mit Gräsermitteln, Fungiziden und Wachstumsreglern zu beachten.