Winterraps – Noch ein bisschen Zeit aber…

Wichtige Informationen aus dem Landkreis Göppingen vom 06.08.2026

 

„Bis zur Rapsaussaat ist es noch ein bisschen hin, aber dennoch wollen wir bereits das Thema behandeln, damit Sie sich frühzeitig Gedanken machen können wie sie vorgehen und ggf. Mittel bestellen können,“ so der renommierte, amtliche Pflanzschutzberaters T. Kielmann, vom Landwirtschaftsamt in Göppingen. Aus Sicht des Göppinger Experten ist ein gut abgesetztes, feinkrümeliges Saatbett mit sorgfältiger Stroheinarbeitung Voraussetzung für ein optimales Keimen und gleichmäßiges Auflaufen des Rapses.

 

Bodenbearbeitung - Die Bodenbearbeitung sollte so erfolgen, dass Strukturschäden ausgeschlossen sind. Ein rückverfestigtes Saatbett vermindert zudem den Schneckenbefall. Im Zeitraum von der Saat bis zum Auflaufen des Rapses muss dringend auf Schneckenbefall kontrolliert werden. Bei Bedarf sollte sofort gehandelt werden. Es stehen Metaldehydhaltige Schneckenkörner (z.B. Metarex Inov, Limares Techno, Mollustop, Arinex30) oder Eisen-III-Phosphathaltige Präparate, wie das neue Ironmax Pro, Ferrex oder Sluxx HP, zur Verfügung. Achtung: IPS+ in den bekannten Schutzgebieten schreibt eine Überwachung der Schädlinge vor (Seite 2). 

Praxistipps: Eine Randbehandlung mit Schneckenkorn kann auch ohne Überwachen erfolgen. Beachten Sie, dass Geräte mit denen Schneckenkorn ausgebracht wird mittlerweile auch eine TÜV-Prüfplakette benötigen. Sprechen Sie Ihre Werkstatt, die auch Ihre Feldspritzen kontrolliert, darauf an. 

 

Unkraut - Bei der Unkrautbekämpfung kann auf bewährte Mittel (mit Metazachlor) im Vor- bzw. frühen Nachauflauf (0 bis 7 Tage nach der Saat) zurückgegriffen werden, z.B.: Butisan Gold (2,5 Liter/ha), Torso (3,5 Liter/ha), Fuego Top (2,0 Liter/ha). Für eine gute Wirkung muss der Boden feucht, das Saatbett gut abgesetzt und feinkrümelig sein. Zu beachten sind neben den normalen Anwendungsbestimmungen und den jeweiligen Gebrauchsanleitungen der eingesetzten Mittel insbesondere die Auflagen NG 349/350 („auf derselben Fläche keine Anwendung von Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Aminopyralid (NG 349) und Clopyralid (NG 350) im folgenden Kalenderjahr“). Wenn also auf einer Fläche Runway im Herbst gespritzt wurde, darf im Frühjahr kein Einsatz von Korvetto, Effigo oder Lontrel 720 SG erfolgen; auch dürfen z.B. Duanti oder Ariane C in der Folgekultur Getreide nicht zur Anwendung kommen. 

Zudem ist zu beachten, dass innerhalb von 3 Jahren die maximale Aufwandmenge – je nach Pflanzenschutzmittel – von 750 g bzw. 1000 g Metazachlor pro Hektar auf derselben Fläche - auch in Kombination mit anderen diesen Wirkstoff enthaltenden Pflanzenschutzmitteln - nicht überschritten werden darf (NG346-1 bzw. NG346). 

Als Metazachlorfreie Variante, Metazachlor wird leider vermehrt im Grundwasser gefunden, gibt es seit letztem Jahr für den bewährten Belkar Power Pack (Belkar + Synero 30 SL) einen Nachfolger, nämlich bei der 1. Behandlung LaDiva und falls notwendig bei der 2. Behandlung Belkar. LaDiva ersetzt die bisherige Tankmischung aus Belkar + Synero. Die Anwendung im Nachauflauf sollte wie beim Vorgänger auch frühestens erfolgen, wenn der Raps mindestens im 2-Blattstadium ist (auch verzettelt aufgelaufene Pflanzen). Hier kein Agil-S, kein AHL und keine Quizalofop-P-ethylhaltigen Produkte wie z.B. Gramfix oder Targa Super (Ausnahme Panarex) zumischen. Select, Flua Power, Fusilade Max oder Panarex und ähnliche Gräsermittel sowie Insektizid und Bor sind möglich. Die zweite Anwendung sollte frühestens nach 14 Tagen im 6 bis 9- Blattstadium erfolgen. Mischungen mit Tilmor (max. 1,0Liter/ha oder Folicur (max. 0,75 Liter/ha) oder Orius (max. 0,6 Liter/ha) oder Architect (max. 1,6 Liter/ha) sowie Insektizide und Bor sind möglich. Bei Unsicherheiten empfiehlt es sich vorab Rücksprache mit Corteva, Händler oder uns zu halten, um die Mischung zu prüfen. Die Anwendung von Fungiziden auf Metconazolbasis (z.B. Carax) im Herbst darf bei einer Anwendung von Belkar dann nicht erfolgen! 

Praxistipps: Diese Nachauflaufbehandlung ist durchaus auf Augenhöhe mit den bisherigen Standard-Anwendungen wie Butisan Gold oder ButisanTop. Bei Trockenheit und einer größeren Mulchauflage dürfte diese (Blatt-) Variante den anderen (Boden-) Varianten klar überlegen sein. Unter Umständen wirkt die 1. Behandlung bereits so ausreichend, dass auf die 2. Behandlung mit Belkar verzichtet werden kann. Aber vermutlich ist bei Ehrenpreis, Stiefmütterchen und Vogelmiere eine Nachlage mit Belkar notwendig. 

 

Tierische Schaderreger: Für die Bekämpfung des Rapserdflohs gibt es verschiedene ackerbauliche/mechanische Maßnahmen, die auch in Kombination erfolgen können bzw. sollen. So hilft Mulchen/flaches Einarbeiten die Erdflohpopulation zu reduzieren, ein feines Saatbett und ein feuchter Boden sorgt für einen zügigen und gleichmäßigen Feldaufgang. Saatbedingungen vor Saatzeit. Walzen bei geeigneten Bedingungen verbessert den Bodenschluss. Beizen nutzen. Aufgrund der zum Teil beschränkten Möglichkeiten (keine langanhaltende Wirkung) der Beizen kann aber dennoch nach Überschreiten der Schadensschwelle eine Flächenspritzung nötig werden. 

Es gelten folgende Schadensschwellen: Im frühen Zeitraum (bis 3-Blatt-Stadium des Rapses) Lochfraß größer als 10 % der Blattfläche an den Keim-/Laubblättern. Der Lochfraß wird durch die Erdfloh-Fänge in den Gelbschalen bestätigt. Stellen Sie frühzeitig, am besten direkt nach der Saat, Gelbschalen raus bzw. graben Sie diese leicht in den Boden ein. Der Erdfloh springt am Boden entlang und hüpft dann eher zufällig in die Schale. In Schutzgebieten (Landschafts-, Vogelschutz- und FFH-Gebiet) gilt der IPS+. Hier ist das Überwachen der Rapsschädlinge mittels Gelbschalen und „Schneckenfolie“ (oder mit Sack, Holzbrett) Pflicht! Ebenso ist die Nutzung von Prognosemodellen oder des amtlichen Warndienstes verpflichtend. Der Zuflug kann bereits ab Ende August bis in den Oktober hinein stattfinden. Ab dem 4-Blatt-Stadium des Rapses liegt die Schadensschwelle bei mehr als 50 Käfer in 3 Wochen pro Gelbschale. Bei Überschreiten des Bekämpfungsrichtwertes (BRW) ist ein Pyrethroid, bspw. Karate Zeon, Nexide (Abverkauf bis 30.09.2025, Anwendung bis 30.09.2026) oder Lamdex Forte einzusetzen. Es bestätigen sich leider weitere Pyrethroid-Resistenzen, so dass hier ein alleiniger Einsatz eines Pyrethroids teilweise keinen ausreichenden Erfolg mehr verspricht. Auch im Kreis Göppingen haben wir Rapserdflöhe untersuchen lassen und zum Teil beginnende Resistenzen festgestellt. Als Alternative kann seit letztem Jahr (empfohlener Zeitpunkt: Eiablage bis zum Einbohren der Larven in die Blattstiele) auch 0,2 Liter/ha Carnadine mit dem systemischen Wirkstoff Acetamiprid (Wirkstoffwechsel!) eingesetzt werden. Die Drainage-Auflage ist nun sogar weggefallen! 

Praxistipps: Das BVL hat zudem wieder eine Notfallzulassung für die im Kalenderjahr Anwendung der Insektizide Exirel und Minecto Gold (Wirkstoff Cyantraniliprole) erteilt. Dieser Wirkstoff gehört zur Gruppe der Diamide und hat einen anderen Wirkungsmechanismus (IRAC 28) als die Pyrethroide. Er dringt in die Pflanze ein und wird mit dem Wasserstrom verteilt. Die Erdflöhe nehmen den Wirkstoff über Fraß- und auch durch Kontakt auf. Es werden sowohl die Käfer als auch ihre Larven in der Pflanze erfasst. Einsatz erst nach Ende des Zuflugs am sinnvollsten, also im späteren Bereich nach Überschreiten der Schadensschwelle von mehr als 50 Käfer in 3 Wochen pro Gelbschale. Diese Mittel sind natürlich teurer als die günstigen Pyrethroide, dafür aber auch wirksamer. Führen Sie die Insektizidbehandlungen nur nach Überschreiten der Schadensschwelle durch, um ein Fortschreiten der Resistenz nicht zusätzlich zu fördern. Die Beizung mit Lumiposa (auch Cyantraniliprole) gilt hier nicht als Anwendung.

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