Winterraps – Saatbett geht vor Saatzeit!
Wichtige Informationen aus dem Landkreis Ravensburg vom 24.08.2026
Das renommierte Beratungstrios M. Längle, S. Löbner und M. Kreh vom Landwirtschaftsamt Ravensburg weiß, dass der Raps kaum gedroschen ist, für das Erntejahr 2027schon wieder die Aussaat-Vorbereitungen erfolgen müssen. „Bei der aktuellen Markt- und Preissituation wird auch in der kommenden Saison der Winterraps die Kultur mit der besten Wirtschaftlichkeit darstellen,“ so das Ravensburger Expertenteam mit dem Rat: „Wenn möglich bauen Sie ihren Anbauumfang aus, oder steigen Sie neu in Raps ein, denn unsere Region eignet sich aufgrund der Witterung und der noch ruhigen Situation bei den (resistenten) Rapserdflöhen vorzüglich für den Rapsanbau.“ Dank der aktuell gefallenen Niederschläge, ergibt sich nun die Möglichkeit in der kommenden Woche eine Grundbodenbearbeitung vor Raps durchzuführen. Wenn man den Wettervorhersagen glauben kann, so ergibt sich in den folgenden Tagen gutes Wetter, das auch Bodenfeuchte bringt, um ein Saatbett mit genügend Feuchtigkeit im Saathorizont herzurichten.
Das Ziel aller Maßnahmen ist dem Raps eine ungestörte Jugendentwicklung zu ermöglichen, um den Schnecken oder Rapserdflöhen davonzuwachsen. Fehler bei der (Grund-)Bodenbearbeitung quittiert der Raps mit Ertragsdepression. Dies ist dann meistens in der schlechten Wurzelentwicklung begründet. Mit einer tieferen Bodenbearbeitung sollte das Stroh der Vorkultur gleichmäßig eingemischt und die Krume gelockert werden. Praxistipps: Raps wünscht ein sich ein Saatbett ohne Strohnester/-matten und eine solche Rückverfestigung, dass die Wurzel kontinuierlich senkrecht nach unten wachsen kann und dann auch in einen tieferliegenden unbearbeiteten Untergrund eindringen kann. Hierzu sind Packerwalzen von Vorteil, die tiefer wirken und sich nicht unbedingt breitflächig abstützen. Schmier- oder Schadverdichtungs-Schichten kann der Raps gar nicht gebrauchen, diese gilt es zu vermeiden. Auf jeden Fall sollte die Hauptwurzel länger als die Seitenwurzeln sein, ansonsten war die tiefe Lockerung nicht ausreichend.
Eine von Grund auf schlechte Bodenstruktur, kann durch Bodenbearbeitung nicht wesentlich verbessert werden. Also bei Bedarf vor der Rapsaussaat kalken und somit Porenvolumen und Struktur nachhaltig optimieren! Die intensive, tiefe Bearbeitung erbringt eine Nährstoffmobilisierung bzw. Mineralisierung. Das ist vor allem beim Raps von Bedeutung, da die Bestände, vor allem die früher gesäten, schon im Herbst einen ordentlichen Nährstoffbedarf haben. Allzu oft sieht man früh gesäte Bestände, die dann im späteren Herbst gelb oder violett werden und hungern. Es darf nicht vergessen werden: Raps beginnt mit der Anlage von Knospen bereits im 6-Blatt-Stadium im Oktober. Raps dankt die Herbstdüngung mit gutem Wachstum vor Winter, einer schnelleren Regeneration nach Winter und Mehrerträgen. Laut Dünge-Verordnung darf Raps im Herbst gedüngt werden, beachten Sie hierbei die bekannte Obergrenze von max. 60 kg Gesamt-N/ha, bzw. 30 kg Ammonium-N/ha. Eine Herbst-Düngung, die in aller Regel vor der Saat und anschl. Einarbeitung erfolgt, muss dann im Frühjahr bei der Düngebedarfsermittlung mit angerechnet bzw. abgezogen werden. Laut DüV darf bis 30.09. gedüngt werden. Praxistipps: Wenn vorhanden, empfehlen sich organische Dünger im Herbst, hier sind dann Phosphor, Kali, ein wenig Schwefel und Magnesium automatisch schon mit dabei. Mikronährstoffe können bei den noch folgenden Pflanzenschutzmaßnahmen mit appliziert werden.
Für die Aussaat gilt wie immer noch: Saatbett geht vor Saatzeit! Raps benötigt ein fein krümeliges und vor allem gut abgesetztes Saatbett. Bei zu großem Kluten-Anteil finden Rapserdflöhe und Schnecken tendenziell mehr Unterschlupf. Für einen zügigen und gleichmäßigen Feldaufgang benötigt der kleine Rapssamen ausreichend Kontakt mit dem Boden. Wenn die Bedingungen zur Saat trocken sind, kann Walzen den Bodenschluss verbessern, auch dann wenn die Sätechnik (Andruckrollen) vielleicht nicht ganz optimal ist. Beachten Sie aber trotzdem die Erosions- und Verschlämmungsgefahr bei zu feinem Saatbett und anschließendem Walzvorgang, vor allem bei hängigen Flächen. Lassen Sie sich beim Saattermin noch nicht verrückt machen, in anderen Regionen Deutschlands wird tendenziell früher gesät, um durch frühere, bessere Entwicklung der Bestände dem riesigen Druck resistenter Rapserdflöhe voraus zu sein.
Praxistipps: Bei uns in der Region ist zum einen der Druck noch nicht so hoch und es sind keine Pyrethroid-Resistenzen der Erdflöhe bekannt. Durch Auswahl der richtigen spätsaatverträglichen, frohwüchsigen Sorte, die im Herbst eine geringe Neigung zur Stängelbildung zeigt, kann auch gut noch in den ersten 10 Septembertagen Raps gesät werden. Dies sind z.B. Picard, Karat, Golding, Ambassador, LG Avenger, LG Baracuda, KWS Ektos, KWS Vamos, KWS Ambos…. Raps benötigt in der Theorie im Herbst von der Aussaat bis zum Vegetationsende 800 Gradtage (durchschnittliche Tagestemperatur x Anzahl Tage) um ideal in den Winter zu gehen. Bei einer späteren Saat gilt es dann die Aussaatstärken nach oben anzupassen. Dies ist auch hilfreich, wenn man evtl. Verluste durch Schnecken oder Erdflöhe mit einkalkuliert. Wenn von vorn herein zu dünn gesät wird, dürfen keine Verluste mehr vorkommen.
Das Thema Nachbaurisiken beim Raps kommt besonders in einem Trockenjahr wie diesem wieder mehr in den Vordergrund. Hierbei geht es darum, dass im Frühjahr ausgebrachte Sulfonylharnstoff-Getreideherbizide den jungen auflaufenden Raps schädigen können. Spät gesetzte Anwendungen wurden durch die Trockenheit nicht vollständig abgebaut und bereiten dann gerade auf leichteren oder mittleren Böden Probleme beim Auflauf. Förderlich für den Wirkstoff-Abbau ist eine Vermischung der obersten Bodenschicht mit einer tieferen, die biologisch aktiver ist. Durch eine 15-20 cm tiefe, intensiv mischende Grund-Bodenbearbeitung wird die Wirkstoffkonzentration der Sulfonyle im Keimhorizont des Raps „verdünnt“. Die betreffenden Produkte sind z.B. Concert SX, Pointer Plus, Omnera LQM, Atlantis Flex, Niantic und Husar. Durch Anwendung des „Kresse-Test“ können Sie selbst analysieren, ob auf Ihrem Standort ein Nachbaurisiko besteht. Für den Test werden an mehreren Stellen im Feld Bodenproben entnommen und diese z.B. in Gelbschalen gefüllt. Dies geschieht im Idealfall vor einer (intensiven) Bodenbearbeitung. Für eine Probe wird der Boden aus den obersten 5 cm gesammelt, diese spiegelt den Keimhorizont des zukünftigen Raps dar. Für eine weitere Probe wird der Boden bis ca. 15cm tief entnommen und vermischt, um zu simulieren wie das Ergebnis nach einer durchmischen Bodenbearbeitung aussieht. Als Gegenprobe wird Boden aus einem Feld entnommen, auf dem keine Sulfonylharnstoff-Anwendung im Frühjahr stattgefunden hat. Kresse reagiert sehr empfindlich auf Sulfonylharnstoff-Rückstände im Boden. Außerdem keimt Kresse recht schnell, so dass innerhalb weniger Tage ein Ergebnis vorliegt. Kresse-Samen ist in jedem Baumarkt verfügbar. Einfach den Samen in die drei verschiedenen Schalen streuen, wässern und auf die Fensterbank stellen und die Entwicklung begutachten.
Praxistipps: Vorbeugend und nachhaltig kann dieses Nachbau-Problem durch ein optimales Bodenleben und eine optimale Bodenstruktur gelöst werden. Ein hoher Humusgehalt bzw. ein aktiver Boden unterstützen die Bodenorganismen, die maßgeblich den Wirkstoff-Abbau beeinflussen. Herbizid-Wirkstoffe werden außerdem an Humuspartikel gebunden, höhere Gehalte sorgen für höhere Bindung.