Winterraps – Wichtige Mitteilung zum Auftreten von Gegenspielern des Rapsglanzkäfers (Brassicogethes aenius) in Baden-Württemberg
Wichtige Informationen des LTZ Augustenberg vom 20.04.2026
Aufgrund einer spezifischen Anfrage bringen wir heute unser Projekt „EntoProg“ zur Validierung von Prognosemodellen der ZEPP in Erinnerung.
Dort wurden - wie jetzt mit Blick auf tierische Schaderreger - bundesweit wöchentliche Bonituren in Winterraps durchgeführt um die Besatzkontrolle des Rapsglanzkäfers und andere tierische Schaderreger gezielt zu überprüfen. Ziel ist es den Bekämpfungszeitpunkt im gleichen Zug zu optimieren wie den gesamten Behandlungsaufwand auf das unbedingt notwendige Maß zurück zu führen.
Der langjährig renommierte Morphologe H. Rauleder und die Winterrapsexpertin E. Häfele vom LTZ Augustenberg haben schon vor einigen Jahren neben den Schädlingen in der Kultur auch bis dato unbekannte Schlupfwespen beobachtet. Im Rahmen dieses Monitorings werden die Rapsblüten von 25 Rapspflanzen innerhalb des unbehandelten Spritzfensters auf ein weißes Tablett abgeschüttelt. Die Fänge erfasst und die Erreger entsprechend zugeordnet um daraus evtl. eine Befallsnotwendigkeit abzuleiten oder um zu zeigen, dass eine Behandlung nicht notwendig ist.
Wir wissen heute, unbehandelte Spritzfenster im Rapsfeld sind ausgezeichnete kleine Oasen für jegliches Kleingetier. Dort wird komplett auf Einsatz von Insektiziden verzichtet – die Tierchen fühlen sich wohl. Im Verlauf vielzähliger und regelmäßiger Bonituren zum Rapsglanzkäfer sammelten E. Häfele und H. Rauleder mit Hilfe eines sog. „Exhauster“ ganz nebenbei auch die bis dato unbekannte, kleine Tierchen ein. Die exakte Bestimmung der winzigen „Schlüpis“ übernahm der Spezialist H. Rauleder an seinem Mikroskop am LTZ. Ungefähr im gleichen Zeitraum hatte H. Rauleder in seinem Kleingartenanwesen die gleichen Beobachtungen gemacht und über das massenhafte Auftreten von Schlupfwespen an blühenden Kreuzblütlern (Gelben Senf, Raps etc.) in Gesellschaft von Rapsglanzkäfern auf mehrjährigen Blühstreifen berichtet.
Nach seiner umfassenden, morphologischen Expertise hat der LTZ Experte H. Rauleder die Schlupfwespen als „Phradis brevis“, „Phradis interstitialis“ und „Tersilochus heterocerus“ aus der Familie Ichneumonidae - Echte Schlupfwespen - determiniert. Alle drei Arten sind in der Literatur als mögliche Larvalparasitoide von Rapsglanzkäfern bekannt. Jetzt ist die Zeit gekommen um dieses Phänomen in Beratung und Praxis umzusetzen. Deren jetziger Fund in einer wichtigen Rapsanbauregion Baden-Württembergs lässt den Schluss zu, dass sich eine wichtige, strategische Änderung der bisherigen Rapsglanzkäferbekämpfung ziel- und praxisorientiert in verschiedenen Formen umsetzen lässt. Der praktizierte, integrierte Pflanzenschutz wird durch den erneuten Fund dieser Parasitoide auf ein ganz neues Level gehoben. Die Möglichkeiten im Sinne der Reduktion erfahren durch das Umsetzen des neuen Wissens im Feld eine deutliche Erweiterung. Der Einsatz von Insektiziden in Winter- und Sommerraps lässt sich damit nämlich noch gezielter steuern als es zuvor möglich erschien.