Zuckerrüben – Auf Blattkrankheiten achten

Wichtige Informationen vom Regierungspräsidium Stuttgart vom 15.06.2026

 

Nach Reihenschluss, meist ab Mitte Juni, werden die Zuckerrüben auf Blattkrankheiten kontrolliert. Die Infektionsgefahr für Cercospora-Blattflecken ist bei Temperaturen zwischen 25 und 35°C und einer hohen Luftfeuchtigkeit über mehrere Stunden besonders hoch. Zudem zeigen langjährige Erfahrungen, dass der Infektionsdruck stark von der Anbaudichte in einem Gebiet abhängt. In den intensiven Rübenanbaugebieten sind häufig drei Fungizidanwendungen notwendig, während in höher gelegenen Randlagen teilweise überhaupt keine Fungizidbehandlung notwendig ist. 

Bei den fungiziden Wirkstoffen wurde bei Cercospora-Isolaten aus Süddeutschland teilweise bereits ein starker Shift zu weniger sensitiven Isolaten festgestellt, z.B. bei Difenoconazol (z. B. Amistar Gold, Score). Das bedeutet, dass bei entsprechenden Pflanzenschutzmitteln je nach ggf. weiteren Wirkstoffen und örtlich vorherrschenden Cercospora-Isolaten gegebenenfalls mit verminderten Wirkungsgraden zu rechnen ist. Bei dem Wirkstoff Prothioconazol (z.B. Propulse) deuten die Untersuchungen und auch Praxiserfahrungen darauf hin, dass hier noch durchweg eine sehr gute Wirkung gegeben ist, weshalb diesem Wirkstoff eine Schlüsselstellung in der Bekämpfung zukommt. In Gebieten mit hohem Cercospora-Druck sollte den Azolen immer ein Kupfer-Präparat („Multi-site-Inhibitoren", z.B. Funguran progress, Funguran progress, Yukon) beigemischt werden (sofern die Notfallzulassungen rechtzeitig kommen), um die Bildung von Resistenzen zu verhindern. Wichtig ist, dass Kupferpräparate nicht bei sehr trockener oder feuchter Witterung, bzw. vorhergesagtem Regen oder Taubildung angewendet werden. Auch bei intensiver Sonneneinstrahlung sind Verbrennungen möglich. Ideal ist eine Ausbringung am Nachmittag oder frühen Abend bei durchschnittlichen Temperaturen und bedecktem Himmel. Die Spritzmenge ist in jedem Fall so zu bemessen, dass Tropfenbildung und Ablagerungen vermieden werden. In der Vergangenheit gab es teilweise massive Schäden am Blattapparat durch ungünstig platzierte Kupferanwendungen, dies sollte unbedingt vermieden werden. Im Zweifelsfall den Hersteller kontaktieren und Beratung anfordern.

Grundsätzlich gilt bei Cercospora: „Vorbeugen ist besser als Heilen.“ Weder die Kurativleistung noch die Wirkungsdauer (in Regelfall nicht mehr als 3 Wochen, teilweise deutlich kürzer) der Fungizide darf überschätzt werden. Sowohl Südzucker als auch der Pflanzenschutzdienst an den Landratsämtern informieren regelmäßig über die Ergebnisse der Überwachung auf Blattkrankheiten (Blattkrankheiten Warndienst). Dies ersetzt jedoch nicht die regelmäßige Kontrolle der eigenen Bestände, da kleinräumige Unterschiede möglich sind. Bei ersten Symptomen sollte unverzüglich eine Behandlung erfolgen, um den Blattapparat zu schützen. Zweijährige Versuchsergebnisse aus Bayern in den Jahren 2024 und 2025 zeigen deutlich, dass eine zusätzliche vorbeugende Behandlung vor der üblichen T1-Behandlung, den bereinigten Zuckerertrag erheblich verbesserte. Die vollständigen Versuchsergebnisse der ARGE Regensburg sind online einsehbar unter https://bayernruebe.de/medien/ → Versuchsbericht → 2025 → 2024. Bislang orientiert sich die amtliche Beratung in Baden-Württemberg noch an den bekannten Bekämpfungsrichtwerten. Vermutlich wird es jedoch in Zukunft Änderungen geben, da die Vorzüge eines frühen Behandlungsbeginns immer deutlicher sichtbar werden und in Versuchen bereits mehrjährig nachgewiesen sind. 

Eine mögliche Spritzfolge bei drei Anwendungen wäre: 

  • T1-Behandlung: Propulse (Prothioconazol, Fluopyram) + Kupferpräparat

  • T2-Behandlung: Diadem (Mefentrifluconazole, Fluxapyroxat) + Kupferpräparat

  • T3-Behandlung: Panorama (Prothioconazol, Metconazol

Soweit es von der Kupfermenge möglich ist, kann auch der T3-Behandlung noch ein Kupferpräparat zugemischt werden. 

Weitere geeignete Fungizide und Hinweise können Tabelle 48 (Seite 96 und 97) der Broschüre „Integrierter Pflanzenschutz 2026 – Ackerbau und Grünland“ entnommen werden. Bei Kupferpräparaten sind zusätzlich die aktuell gültigen Notfallzulassungen zu beachten.

In Schutzgebieten (Geltungsbereich von IPSplus) ist zur Beurteilung der Behandlungsnotwendigkeit ein Spritzfenster anzulegen. Es wird jedoch insbesondere bei Cerocospora auch außerhalb von Schutzgebieten dringend empfohlen ein Spritzfenster anzulegen. Nur so kann die eigene Fungizid-Strategie zuverlässig bewertet, mit Kollegen und Beratern diskutiert und ggf. in Folgejahren verbessert werden. 

 

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