Gemüsebau – Tierische Schädlingspopulationen breiten sich aus
Wichtige Informationen aus dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald vom 01.07.2024
Der renommierte und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Gemüsebauexperte A. Altmann vom Landwirtschaftsamt im Breisgau-Hochschwarzwald informiert heute über fortschreitenden Besatz mit tierischen Schädlingspopulationen in Gemüsekulturen.
Kohldrehherzgallmücke - Die Drehherzmücke fliegt noch immer in großer Zahl - zumindest in Kohlbeständen, die in der Nähe letztjähriger Befallsflächen stehen. Dank ihres geringen Ausbreitungsdranges bietet ein Abstand von 100 m zu solchen Flächen offenbar genügend Schutz vor Befall, sofern keine Gebäude oder höhere Vegetation wind- und trockenheitsgeschützten Korridore bilden. Bestände mit geringerem Abstand zu letztjährigen Befallsflächen sollten weiterhin geschützt werden. In der Regel reicht die Nebenwirkung von Insektizide, die ohnehin gegen Raupen oder Erdflöhe eingesetzt werden, vorausgesetzt, die Brühe gelangt an die Herzblätter.
Kohlmotte - Seit etwa einem Monat kann man in vielen Kohlbeständen im ganzen Gebiet zahlreiche Kohlmotten umherflattern sehen. Vermutlich haben sie sich über den milden Winter an kreuzblütigen Unkräutern und Zwischenfrüchten unbemerkt vermehren können. Zu diesem Massenauftreten passte nicht, dass bisher nur wenige Raupen zu sehen waren. Nun findet man örtlich viele von ihnen auf Kohl und Rucola. Auf manchen Flächen ist aber über die Hälfte davon bereits durch Schlupfwespen parasitiert, das Zusammenbrechen der Population ist absehbar. Das ist dort zu beobachten, wo konsequent nützlingsschonend gearbeitet wurde. Wo nicht, sollten die Räupchen bekämpft werden, bevor es zu größeren Schäden kommt. Bei Kohlrabi kann Fensterfraß an den Blättern je nach Vermarktung toleriert werden. An Rosen- und Kopfkohl halten sich die Tiere gerne zwischen und an den Herzblättern. Wachsen diese weiter, verdrehen sie sich und reißen auf. Wenn zu viel Blattfläche auf diese Weise verloren geht, kostet das Ertrag. Beim Einsatz von Insektiziden ist es wichtig, die Brühemenge so bemessen, dass sie auch an die Herzblätter gelangt, und die Wirkung nach einigen Tagen zu kontrollieren. Kohlmotten können je nach Herkunft resistent gegen manche Wirkstoffe sein. Sicher wirksam, auch bei sehr hohen Temperaturen, ist XenTari (Zulassung verlängert bis 30.04.2026). Weil es empfindlich gegen UV-Strahlung ist, sollte es am besten spätabends gespritzt werden.
Kohlerdfloh - Wo nicht eingegriffen wird, zerfressen Heerscharen von Kohlerdflöhen Blätter von Kohl, Rettich und Rucola. Junge Pflanzen können dadurch absterben. Der sicherste Schutz ist eine Abdeckung mit Netz (0,8 mm) sofort nach Pflanzung. In Kohl kann es etwa ab Reihenschluss entfernen werden. Alternativ kann die (Neben-)Wirkung genutzt werden von z. B. Coragen, Minecto One oder SpinTor. Pyrethroide wie Mavrik Vita wirken auch, aber bei der aktuellen Witterung ist es schwer einen Applikationszeitpunkt mit weniger als 23°C zu finden. Und auch die meisten anderen Pflanzenschutzmittel sollten nach guter fachlicher Praxis und wegen Wirkungsverlusten nicht bei über 25°C gespritzt werden.
Lauchmotte - Die zweite Generation der Lauchmotte hat ihren Flug begonnen. Eine allgemeine Aussage zum Befall ist nicht möglich, dieser kann von Fläche zu Fläche sehr unterschiedlich sein. Vor einer Behandlung sollten die Bestände auf Befall kontrolliert werden. Für Lauch, der kurz vor der Ernte steht, gelten 4% befallene Pflanzen als Bekämpfungsrichtwert, bei jüngeren Sätzen kann evtl. mehr Befall toleriert werden.
Blattläuse - Blattschäden durch Mehlige Kohlblattlaus sind häufig zu sehen, von den Läusen selber zeugen meist nur noch leere Mumien. Schlupfwespen (vermutlich vor allem Diaretiella rapae) haben ganze Arbeit geleistet. Im Salat ist der Befallsdruck durch die Grüne Salatblattlaus dagegen immer noch hoch. Für lausfreien Salat war bisher mindestens eine Spritzung nötig. In unbehandelten Beständen zeichnet sich aber seit einigen Tagen ab, dass Hitze, Pilzkrankheiten und Nützlinge auch in diesem Sommer die Saison für die Salatblattlaus beenden. Im Bio-Anbau ist Abwarten jetzt besser, als schlecht wirkende Pflanzenschutzmittel zu spritzen, die am Ende noch den Nützlingen schaden.