Gemüsebau – Tierische Schädlingspopulationen breiten sich aus

Wichtige Informationen aus dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald vom 20.04.2026

 

Der renommierte und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Gemüsebauexperte A. Altmann vom Landwirtschaftsamt im Breisgau-Hochschwarzwald informiert heute über fortschreitenden Besatz mit tierischen Schädlingspopulationen in Gemüsekulturen.

 

Kohlfliege - Die erste Eiablage der Kohlfliege wurde bereits festgestellt. Bei feuchtem Boden und wieder steigenden Temperaturen wird diese in den nächsten Tagen stetig zunehmen. Rettich, Radies, Mairübchen und Kohlarten sind meist noch durch Vliesauflage geschützt. Von Kohlsätzen, die älter als etwa 4 Wochen sind, kann die Bedeckung abgenommen werden, weil sie genug Wurzeln haben, um den Kohlfliegenmaden davonzuwachsen. Vorsicht ist geboten bei Kohlrabi, der tief gepflanzt, umgekippt oder angehäufelt wurden: Die Kohlfliegenmaden fressen sich in die Knollen, wenn diese Bodenkontakt haben. Solche Bestände sollten möglichst noch zugedeckt bleiben. Rettich, Radies, Mairübchen und andere Speise- und Kohlrüben bleiben sowieso am besten während der gesamten Kulturzeit unter Vlies bzw. Netz. Für bessere Laubqualität kann eine Woche vor der Ernte die Bedeckung abgenommen werden, ohne damit Schäden am Erntegut zu riskieren - so lange dauert es von der Eiablage bis zu Madenschlupf. 
Praxistipps für den Profianbau: Alternativ zum Netzeinsatz kann in Wurzel- und Knollengemüse im Feld Minecto One genutzt werden (2 x 1,88 g/Ar, WZ=7 Tage) mit etwa 3 Wochen Wirkungsdauer. Eine Behandlung mit Kaiso Sorbie, Karate Zeon oder Evure schützt etwa 1 Woche vor Kohlfliege. Kohlarten, die ohne Bedeckung gepflanzt werden, sollten als Jungpflanzen mit SpinTor (alle Kohlarten), Nokaut (Chinakohl, Kopf-, Blumenkohle) bzw. Verimark (Blumen-, Kopfkohle) angegossen werden. Das schützt etwa 3 Wochen vor Kohlfliege, Verimark außerdem vor Erdflöhen. 

Kohlerdflöhe - Es ist nur noch eine Frage von Sonne und Wärme, bis größere Zahlen von Kohlerdflöhen auf den Flächen auftauchen. Sicher abgewehrt werden auch sie durch eine Netzauflage (0,8 mm). Dieses muss auf der Kultur liegen, bevor die Tiere einwandern. Von den zugelassenen Insektiziden haben Minecto One (Wurzel- und Knollengemüse), Benevia (Blumen- und Kopfkohle) bzw. Verimark (Jungpflanzen von Blumen- und Kopfkohle) oder SpinTor (alle Kohlarten); Nokaut (Chinakohl, Kopf-, Blumenkohle) oder Mospilan SG (Kohlrabi, Kopfkohle) eine Wirkung auf die Käfer, bei nicht zu hohen Temperaturen auch Pyrethroide. 

Möhrenfliege - Im Markgräflerland wurden mit gelben Leimtafeln in überwinterter Petersilie erste Möhrenfliegen gefangen. Da die Möhrenfliegen sich nur ungern weit weg bewegen, legen sie ihre Eier dort ab, wo sie aus der Puppe geschlüpft sind – vorausgesetzt, dort stehen geeignete Wirtspflanzen. Das ist bei der überwinterten Petersilie der Fall. Diese sollte nach Möglichkeit noch drei oder vier Wochen als Fangpflanzen stehen bleiben. Befall kann aber auch ausgehen von Flächen, auf denen bis in den Oktober / November Möhren, Pastinaken oder Sellerie standen, an denen es Schäden gab. Da diese Flächen abgeerntet sind, suchen die Möhrenfliegen in einer Entfernung von etwa 200-300 m nach geeigneten Pflanzen für die Eiablage, bevorzugt solche, die den Boden beschatten. Petersilie und Liebstöckel sind da interessanter als die meisten Möhrenaussaaten. Etwa ab dem dritten Laubblatt der Möhre sollten Netzauflage oder ein Insektizideinsatz stattfinden. Auch Bodenbearbeitung reduziert den Befall.

Lauchminierfliege - Die Lauchminierfliege hat im ganzen Gebiet ihren Aktivitätshöhepunkt erreicht. Bisher haben sich die Tiere fast ausschließlich dort aufgehalten, wo sie überwintert haben, vor allem in Schnittlauch oder Winterlauch. Mit dem Abwandern auch in weiter entfernt liegende junge Bestände von Lauch, Knoblauch, Zwiebeln etc. ist jetzt zu rechnen. Wo diese mit Kontaktinsektiziden geschützt werden sollen, ist dafür jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen. Der Einsatz von systemischen Insektizide (NeemAzal-T/S, Minecto One, Benevia) kann noch etwa eine Woche warten. 

Paprika und Zuckermais - Ein wichtiger Schädling in Paprika und Zuckermais ist der Maiszünsler. Mit Trichogramma-Schlupfwespen, welche die Eier des Schädlings parasitieren, lässt er sich in diesen Kulturen in den meisten Jahren gut kontrollieren. Die Bestellung für die Schlupfwespen sollte bald an die Nützlingszüchter bzw. -händler gehen, dabei sollte explizit die Kultur genannt werden. Zuckermais und Paprika benötigen Trichogramma in größerer Zahl (je Einsatz 20-40/m²) und Häufigkeit (maximal 2 Wochen Intervall) als Körnermais.

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