Kartoffeln - Krankheiten
Kraut- und Knollenfäule
In den verschiedenen Regionen Sachsen-Anhalts unterscheiden sich die Entwicklungsstadien der Kartoffelbestände derzeit deutlich. In einigen Regionen mit geringeren Niederschlagsmengen befinden sich die Bestände noch im Entwicklungsstadium BBCH 31. In anderen Anbaugebieten mit ausreichender Wasserversorgung haben die Kartoffeln bereits die Stadien BBCH 61-65 erreicht.
Bis zum 10.06.2026 wurden aus den Dienstgebieten der vier ÄLFF keine pilzlichen Infektionen durch Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) oder Alternaria gemeldet. Aufgrund der zahlreichen Niederschläge der vergangenen Wochen haben die Kartoffelbestände jedoch eine starke Blattmasse ausgebildet. Dadurch steigt das Infektionsrisiko für Kraut- und Knollenfäule deutlich an.
Nach der ISIP-Risikokarte vom 19.06.2026 werden weite Teile Sachsen-Anhalts als Risikogebiete für eine Infektion mit Kraut- und Knollenfäule ausgewiesen (rote Markierung, siehe Abbildung 1). Auch das Prognose-Modell „Spritzstart“ auf der Internetplattform ISIP (www.isip.de) zeigt einen eindeutigen aufsteigenden Entwicklungsverlauf des Phytophthora-Index (siehe Abbildung 2). In diesem Beispieldarstellung liegen agronomische Annahmen zugrunde, die von einer niedrigen Epidemiegefahr ausgehen (geringe Anbaudichte, gesunde Sorten sowie gute Befahrbarkeit der Flächen). Ein Phytophthora-Index von 100 bedeutet ein Aufruf zur Feldkontrolle und ein unmittelbarer Behandlungsbeginn. Das Modell ist jedoch nicht für Flächen mit Folien- oder Vliesabdeckung sowie für beregnete Bestände geeignet.
Darüber hinaus beeinflussen weitere Standortfaktoren das Infektionsgeschehen erheblich. Hierzu zählen insbesondere die Nähe zu Gewässern, Geländesenken, lokale Starkniederschlagsereignisse sowie anhaltende Bodenfeuchtigkeit.
Da sich die meisten Kartoffelbestände derzeit im Zeitraum des Blühbeginns bis zur Vollblüte befinden, sollte die Bekämpfungsstrategie auf die Hauptwachstumsphase ausgerichtet werden.
Neue Fungizide 2026:
Neu verfügbar ist das Fungizid Revus Pro mit den Wirkstoffen Mandipropamid und Propamocarb. Die zugelassene Aufwandmenge beträgt 1,9 l/ha bei maximal drei Anwendungen je Vegetationsperiode. Der Einsatz wird insbesondere in der Hauptwachstumsphase empfohlen. Ebenfalls neu zugelassen ist das Fungizid Divexo, das die Wirkstoffe Ametoctradin und Propamocarb kombiniert. Die Aufwandmenge beträgt 2,0 l/ha bei maximal zwei Anwendungen pro Saison. Ametoctradin wirkt gegen Zoosporen und Sporangien, bildet ein stabiles Wirkstoffdepot auf der Blattoberfläche und kann unter Feuchtigkeitseinfluss auf der Pflanze weiterverteilt werden. Der bisher eingesetzte Pergovia Pack wird seit 2025 durch die Fertigformulierung Pergovia mit den Wirkstoffen Mandipropamid und Amisulbrom ersetzt. Die Aufwandmenge beträgt 0,6 l/ha. Es sind maximal drei Anwendungen pro Saison vom Ende der Blüte bis zur Abreife zulässig.
Prognose-Modell Spritzstart
Um das Hochwachsen des Erregers von infizierten Knollen in den Stängelbereich zu reduzieren, sollte die Erstbehandlung mit einem systemisch wirkenden Fungizid erfolgen (siehe Broschüre Pflanzenschutz in Ackerbau und Grünland 2026 auf den Seiten 248 ff).
Folgebehandlungen (Spritzabstände)
Die weiteren Behandlungen sind in erster Linie an den Infektionsdruck sowie an die Intensität des Krautwachstums anzupassen. Bei hohem Infektionsdruck und starkem Krautzuwachs sind die Spritzabstände entsprechend zu verkürzen. Die Auswahl der Fungizide sollte unter Berücksichtigung der Wirkstoffgruppen und der jeweiligen Resistenzstrategie erfolgen. Dadurch kann eine nachhaltige und wirksame Bekämpfung der Kraut- und Knollenfäule gewährleistet werden.