Ackerbau – Spritzen oder Hacken?
Wichtige Informationen des LRA Tübingen vom 23.05.2026
„Abhängig von Standort, Aussaatzeitpunkt und Sorte schiebt der Weizen fast überall das Fahnenblatt oder ist schon weiter in der Entwicklung,“ so der langjährig versierte, amtliche, Beraters und Pflanzenschutzexperte A. Lohrer im Landkreis Tübingen mit der Ergänzung: „Durch die Niederschläge der letzten Zeit gab es gute Infektionsbedingungen für Septoria.“
Winterweizen - Bei den anstehenden Fungizidmaßnahmen stellt sich gelegentlich die Frage ob auch ein Insektizid gegen Getreidehähnchen zugemischt wird. Nach unseren Beobachtungen sind derzeit keine Insektizidmaßnahmen notwendig, da der Befall auf den von uns kontrollierten Beständen noch sehr weit von den Bekämpfungsrichtwerten entfernt ist. Der Bekämpfungsrichtwert liegt bei 20% geschädigter Blattfläche auf den obersten 3 Blättern oder ein Ei bzw. Larve je Halm. Kontrolliert wird dies an 5 Stellen über den Schlag verteilt an jeweils 5 Halmen.
Achtung - In den IPSplus-Gebieten (im Kreis Tübingen sind fast nur Landschaftsschutzgebiete, FFH-Gebiete, Vogelschutzgebiete und gelegentlich Biotope betroffen) muss die Überschreitung zusätzlich bei der Pflanzenschutzmaßnahme dokumentiert werden.
Mais - Auf vielen Maisflächen bieten sich zum oder nach dem Pfingstwochenende gute Bedingungen für die anstehenden Herbizidmaßnahmen. Die Maispflanzen werden nun wieder grün, erholen sich von den niedrigen Temperaturen und bilden auch eine Wachschicht aus. Zudem sind viele Unkräuter und Gräser bereits aufgelaufen. Prüfen Sie vor der Behandlung ob noch viele Keimfäden im Boden zu finden sind, evtl. ist es sinnvoll diese noch auflaufen zu lassen. Im 3 bis 4-Blatt-Stadium ist ein guter Behandlungszeitpunkt da der Mais dann über die Blattmasse nicht zu viel Wirkstoff aufnimmt, aber auch nicht zu viele Unkräuter abdeckt. Wenn Wurzelunkräuter wie Disteln oder Winden nesterweise schon aufgelaufen sind und eine entsprechende Größer erreicht haben sollten Disteln vorab mit Effigo, Lontrel 720 oder Vivendi, Winden mit MaisBanvel WG oder Lodin behandelt werden. Mit den gängigen Maisherbiziden werden diese Wurzelunkräuter nur unzureichend erfasst und nur vorübergehend im Wuchs gehemmt. Deshalb sollten die Herbizide gegen die Allgemeinverunkrautung erst danach ausgebracht werden. Falls keine Gräser auf der Fläche bekämpft werden müssen kann mit Casper + Adigor behandelt werden, hierbei werden auch Ampfer, Winden und Disteln gut bekämpft.
Praxistipps: Überwiegend müssen aber auch Gräser mitbekämpft werden, verschiedene Mittel und Kombinationen wie z.B. Arigo + Vivolt, Diniro, Elumis + Peak, MaisTer Power finden Sie samt Wirkungseinstufung ab S. 74 in der Broschüre „Integrierter Pflanzenschutz 2026“
Da auch in unserem Landkreis die Hirsen zunehmen sollten auf Problemflächen spezielle Hirsepartner wie z.B. 0,25 Liter/ha Merlin flexx (nur bis 3-Blatt-Stadium!) oder 1,0 Liter/ha Spectrum zugemischt werden.
Durch die trockenen Bedingungen bietet sich auch ein Hackdurchgang an. Viele Maisbestände reagieren positiv auf das Hacken, da dadurch auch evtl. vorhandene Krusten gebrochen und der Gasaustausch gefördert werden.
Veranstaltungstipps:
Feldabend in Hirrlingen am Montag, 01.06.26 um 18.30 Uhr; Die Versuchsfläche befindet sich in nordöstlicher Verlängerung der Lindenstraße am Ortsausgang Hirrlingen in Richtung Hemmendorf an den Koordinaten: 48.41846, 8.896896
Mittwoch, 03.06.2026 10.00 Uhr und 19.00 Uhr Führungen auf dem Zentralen Versuchsfeld in Tailfingen: Schwerpunkt bilden diesmal die angebauten Sorten und ihre Reaktion auf die durchgeführten Maßnahmen.