Wintergetreide – Was jetzt ansteht.
Wichtige Informationen aus dem Rems-Murr-Kreis vom 09.03.2026
„Die meisten Bestände im Kreis haben den Winter gut überstanden und sind am Ergrünen,“ so die renommierte Pflanzenschutzexpertin und amtliche Beraterin A. Bäuerle mit Blick in ihr Beratungsgebiet und entsprechenden regional gültigen Tipps für Wintergetreide. „Kontrollieren Sie unbedingt Ihre Bestände auf den Besatz an Ungräsern - vor allem auf Ackerfuchsschwanz - und Unkräuter.“
Einige Flächen kämpfen noch mit Staunässe und in den höheren Lagen des Kreises mit den Unterschieden zwischen den hohen Tages- und frostigen Nachttemperaturen. Auch schwere, kalte Böden tun sich noch etwas schwer. Insgesamt machen die Bestände aber deutlich vorwärts, so dass eine zeitnahe Andüngung – soweit noch nicht erfolgt – empfehlenswert ist. Im Herbst wurden vielfach Behandlungen durchgeführt. Die Wirkungen sind überwiegend gut. Problemflächen und Flächen, die im Herbst ohne Behandlung blieben, sind jetzt vorrangig zu kontrollieren. Ackerfuchsschwanz kann trotz später Saat bereits aufgelaufen sein. Wo Herbizidmaßnahmen notwendig sind, müssen für hohe Wirkungsgrade die Bedingungen optimal sein. Ungräser, vor allem Ackerfuchsschwanz früh im Jahr behandeln. Die Gräser müssen noch klein sein, sobald sie bestocken, kommt es zu Minderwirkungen, ggf. Ungras- und Unkrautmaßnahmen trennen und die Breitblättrigen zu einem späteren Zeitpunkt behandeln. Auf gute Benetzung achten (Doppelflachstrahldüsen), eine hohe Luftfeuchtigkeit (>60-70%) unterstützt die Wirkung, deshalb morgens behandeln, aber nicht bei Nachtfrostgefahr. Zur Wirkungsverbesserung 30 Liter/ha AHL zumischen. Es gibt keine neuen Wirkstoffe, lediglich neue Wirkstoffkombinationen. Deshalb ändert sich an den Empfehlungen an sich nichts. Wichtig: Die Behandlungen müssen sitzen! Für eine Nachbehandlung der Gräser bleibt in der Wintergerste nur Axial, wobei hier auf die Wirkungsgrade geachtet werden muss, da auch bei uns im Kreis die Resistenzen zunehmen. Zur Wirkungsabsicherung dort wo Axial noch wirkt, dieses solo spritzen. Bei noch sensitivem Ackerfuchsschwanz steht im Winterweizen eine etwas größere Produktpalette zur Verfügung. Hauptwirkstoff ist hier Mesosulfuron, z.B. Atlantis Flex, Niantic, Obelisk, Incelo komplett. Alternativ dazu Broadway plus oder Avoxa. Bei Problemen mit Windhalm können z.B. Atlantis Flex, Attribut oder Broadway/Broadway plus zum Einsatz kommen. Bei Minderwirkungen der genannten ggf. Avoxa oder Traxos. Weidelgräser können z.B. mit Incelo komplett bekämpft werden.
Bitte beachten Sie insgesamt noch folgende Punkte:
Auflagen und Anwendungsbestimmungen der verwendeten Produkte beachten. So haben z.B. Atlantis Flex, Attribut, Incelo, Niantic und Obelisk eine Drainageauflage (Anwendung 16.3. - 31.10.). NT-Auflagen, die auch in Gemeinden mit ausreichend Kleinstrukturanteilen umgesetzt werden müssen, wie z.B. im Rems-Murr-Kreis, haben z.B. Avoxa (NT109), Broadway Plus (NT108-1), Niantic (NT108/NT109) oder Obelisk (NT108-1).
Auf Flächen in Schutzgebieten ist im Rahmen von IPSplus bei Herbizidanwendungen ein Spritzfenster anzulegen (Maßnahme A 8.1).
Versuchen Sie, soweit als möglich, im Rahmen des Resistenzmanagements bei Herbizidanwendungen einen Wirkstoffwechsel in der Fruchtfolge umzusetzen.
Nicht alle Mittel können in allen Kulturen eingesetzt werden. Niantic verfügt z.B. nur über eine Zulassung in Winterweichweizen. Atlantis Flex und Broadway bzw. Broadway Plus können auch im Dinkel eingesetzt werden.
Praxistipps: Weiterführende Information zur Ungras- und Unkrautbekämpfung inkl. Hinweisen auf Auflagen- und Anwendungsbestimmungen sowie Witterungsbedingungen entnehmen Sie bitte der Gebrauchsanleitung sowie dem aktuellen IP-Heft „Integrierter Pflanzenschutz 2026 – Ackerbau und Grünland“, S. 52-55 unter dem Link: Integrierter Pflanzenschutz - Infodienst - LTZ Augustenberg Sollten Sie das Heft in Papierform benötigen, können wir Ihnen dieses gerne auf dem Postweg zukommen lassen.
Eine Alternative im Winterweizen ist nach wie vor die mechanische Unkrautbekämpfung mit dem Striegel an. Dies insbesondere in den Beständen, in welchen noch kaum Unkräuter/Ungräser aufgelaufen sind bzw. sich diese im Fädchen-/Keimblattstadium befinden. Deshalb heißt es auch hier zeitnahes Handeln.
Wir beobachten in der letzten Zeit zunehmend Minderwirkungen der Herbizide bei Ackerfuchsschwanz, Windhalm und Weidelgräser leider auch im Rems-Murr-Kreis. Standardempfehlungen werden deshalb immer schwieriger. Behalten Sie die Wirksamkeit Ihrer Herbizidbehandlungen gut im Blick. Richten Sie Ihr Augenmerk dabei auch auf abgegrenzte Bereiche mit schlechtem bis keinen Wirkungsgrad. Bei Bedarf Beratung anfordern!