Nematodenbekämpfung mit resistenten Zuckerrüben
- Die nematodenresistenten Zuckerrübensorten liegen aktuell in Zuckergehalt und Zuckerausbeute noch unter dem Niveau der Standardsorten. Liegt kein Nematodenbefall vor, müssen genetisch bedingte Mindererträge, die 8 % erreichen können, hingenommen werden. Ein Anbau ist daher nur auf Befallsstandorten wirtschaftlich sinnvoll.
- Mit einer Befallsreduzierung von bis zu 60%, sowie dem weiteren natürlichen Nematodenabbau im Zuge der Fruchtfolge unter Getreide, können selbst hohe Besatzdichten (Befallsstufe V) unter die Schadschwelle von 500 Eier/Larven je 100 ml Boden abgesenkt werden.
- Ein permanenter Anbau der resistenten Sorten ist weder aus pflanzenbaulichen (Resistenzbildung) noch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten erforderlich und sinnvoll. Resistente und Hochleistungssorten sollten vielmehr im Wechsel angebaut werden.
- Liegt zusätzlich ein Rizomania Befall vor, unbedingt doppelresistente Sorten anbauen. (Bisher nur die Sorte Paulina)
Nematodentolerante Zuckerrüben
- Diese Rübensorte toleriert den Nematodenbefall. Selbst bei hohen Befallswerten erfolgt kein Ertragsabfall.
- Nematodenvermehrung ist deutlich gehemmt, findet aber auf niedrigem Niveau statt.
- Die Rübenerträge bewegen sich auf höchstem Niveau, Zuckergehalt und Saftreinheit müssen aber noch verbessert werden.
Bisher wurden nur von einem Züchterhaus nematodentolerante Zuckerrübensorten zur Zulassung gebracht. In den Versuchen wurde die seit 2004 zugelassene Sorte Pauletta angebaut. Diese nur nematodentolerante Sorte kann bereits bei geringem, latentem Nematodenbefall zum Anbau kommen, da sie selbst ohne Nematodenbefall ähnlich hohe Rübenerträge wie die Normalsorten erreicht. Treten dann Nematoden schädigend auf und sind die Wachstumsvoraussetzungen
zum Beispiel durch späte Saatzeit, zwischenzeitlichen Trockenstress usw. zusätzlich erschwert, kann diese Sorte erhebliche Ertragsvorteile von über 20 % bereinigtem Zucker je ha erzielen.
Von den 23 durchgeführten Versuchen wiesen 12 Standorte lediglich latenten Nematodenbefall auf. Dennoch erzielte Pauletta an 9 dieser 12 Standorte zum Teil erhebliche Mehrerträge. Hier zeigt sich sehr deutlich, dass auch die in der Praxis oft schwierigen Wachstumsbedingungen durch die Sorte besser gemeistert werden können. In den Jahren 2004 bis 2006 erreichte die Sorte Pauletta bei einem Ausgangsbefall von gut 500 Eier + Larven je 100 ml Boden einen Vorteil beim Bereinigten Zuckerertrag (BZE) von knapp 18 %. Gleichzeitig war die Vermehrung der Nematoden deutlich geringer als bei der Normalsorte. Die nematodenresistente Sorte Paulina erzielte unter den gegebenen Bedingungen noch einen Vorteil von knapp 6 % BZE und verminderte den Nematodenbefall gleichzeitig um 27 %.
Leider lässt die Verarbeitungsqualität der nematodentoleranten Sorten noch zu wünschen übrig. Zu beachten ist auch die hohe Anfälligkeit von Pauletta gegenüber Mehltau, welcher aber mit rechtzeitigen Fungizidbehandlungen gut zu kontrollieren ist.
Wann sollten nematodenresistente Sorten eingesetzt werden ?
Vor dem Anbau einer resistenten Sorte sind Bodenuntersuchungen unbedingt durchzuführen. Ab einem Ausgangsbefall von 1000 Eiern und Larven / 100 g Boden ist ihr Anbau ökonomisch sinnvoll. Zu beachten ist, dass der Schwellenwert durch Standorteigenschaften erheblich beeinflusst wird. Auf leichten, flachgründigen Böden kann der Anbau schon unter 1000 Eiern und Larven sinnvoll sein, auf schweren, tiefgründigen Standorten kann der Schwellenwert höher angesetzt werden.
Wird der Schwellenwert nicht erreicht, sollte unbedingt eine anfällige ("normale") Sorte zum Einsatz kommen. In diesem Fall sind die Nematoden durch den Einsatz von resistentem Senf und Ölrettich zu bekämpfen. Da auch die resistenten Sorten durch Nematoden geschädigt werden, sollte ab einem Befall von ca. 4000 Eiern und Larven auf den Rübenanbau ganz verzichtet werden. Der Nematodenbesatz ist zunächst durch andere Maßnahmen (resistenter Ölrettich und Senf, Fruchtfolgeverlängerung) abzusenken.
Resistenzproblematik
Der Anbau von resistenten Zuckerrüben führt zu einer Selektion von solchen Nematoden, welche die Resistenz überwinden können (Pathotypen, virulente Erregerrassen). Um den Selektionsdruck zu vermindern, hat nach dem Anbau einer resistenten Sorte eine anfällige zu folgen. Zwischenzeitlich lassen sich die verbleibenden Nematoden durch resistente Zwischenfrüchte bekämpfen.