Beschreibung des Modells zur Berechnung einer schlagspezifischen Behandlungsentscheidung von Sclerotinia in Winterraps
Das Entscheidungshilfesystem SkleroPro unterstützt Sie bei der schlagspezifischen Beurteilung der Behandlungsnotwendigkeit gegen Sklerotinia (Weißstängeligkeit) im Winterraps während der Blüte. Grundlage der Berechnung ist die Auswertung standortgenauer Wetterdaten in Kombination mit schlagspezifischen Angaben. Ziel ist es, den Infektionsdruck abzuschätzen und eine wirtschaftlich fundierte Behandlungsentscheidung zu ermöglichen. Denn nicht jede Infektion mit Sklerotinia ist automatisch bekämpfungswürdig.
Prognose des Blühverlaufs
Als Starttermin für die Berechnung benötigt das System die Eingabe des Datums, an dem etwa 50 % der Pflanzen das Knospenstadium erreicht haben. Das Stadium BBCH 55 ist erreicht, wenn:
- der Blütenstand die Blattebene überragt und
- die Einzelblüten sichtbar, jedoch noch geschlossen sind
Die Berechnung erfolgt bis zum Entwicklungsstadium BBCH 75, eine Behandlung ist jedoch nur während der Blüte sinnvoll.
Knospenstadium
Unter Knospenstadium tragen Sie bitte das Datum ein, an dem die Bestände das Knospenstadium (BBCH 55) erreicht haben. Das Knospenstadium (BBCH 55) ist erreicht, wenn bei 50 % der Pflanzen auf einem Schlag die Einzelblüten der Hauptinfloreszenz sichtbar (geschlossen) sind, das heißt, dass der Blütenstand die Blattebene überragt hat und sich die Einzelblüten voneinander trennen aber noch geschlossen sind.
Fruchtfolge und Ausgangsrisiko
Zur Abschätzung des Ausgangsinokulums wird der letzte Anbau sklerotiniaanfälliger Kulturen berücksichtigt. Dazu zählen u. a.:
- Winterraps
- Kartoffeln
- Sonnenblumen
- Leguminosen (z. B. Erbsen, Klee, Lupinen)
- Kreuzblütler (z. B. Senf, Salat)
Ein häufiger Anbau dieser Kulturen erhöht das Risiko für Infektionen.
Ergebnisse richtig interpretieren – wann ist der Befall bekämpfungsrelevant?
Anhand der schlagindividuellen Eingabeparameter (Rapspreis, Ertragserwartung, Mittel- und Überfahrtskosten) wird unter Berücksichtigung von entstehenden Durchfahrtsverlusten ein kostendeckender Mehrertrag berechnet, der den notwendigen Mehrertrag zur Deckung der Behandlungskosten beschreibt. Daraus wird ein schlagspezifischer Schwellenwert für den Infektionsindex (Ökonomische Bekämpfungsschwelle) abgeleitet, ab dem eine Behandlung empfohlen wird. Folgen 23 infektionsgünstige Stunden aufeinander, so summiert sich die Infektionsindexsumme auf. Überschreitet diese den individuell berechneten ökonomischen Schwellenwert, so ist eine Behandlung empfohlen.
Das die Notwendigkeit einer Blütenbehandlung besteht, kann u. U. bereits vor der Blüte feststehen. In diesen Fällen ist der Modellempfehlung zwingend Folge zu leisten und erst dann zu behandeln, wenn das entsprechende Blühstadium erreicht ist!
Verlässliche Wetterdaten – Grundlage für präzise Prognosen
Herzstück aller Entscheidungshilfen auf ISIP sind tagesaktuelle und standortgenaue Wetterdaten. Dafür greift ISIP derzeit auf mehr als 1.100 Wetterstationen aus dem Messnetz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sowie der Pflanzenschutzdienste der Bundesländer zurück. Auf Basis dieser Messdaten werden Temperatur und relative Luftfeuchte mithilfe eines Interpolationsverfahrens für jeden Standort in Deutschland berechnet – in stündlicher Auflösung und mit einer räumlichen Genauigkeit von einem Quadratkilometer.
Auch die Niederschlagsmengen werden in derselben zeitlichen und räumlichen Auflösung ermittelt. Dazu werden die punktuell gemessenen Niederschlagsdaten der Wetterstationen mit den flächendeckenden Niederschlagsinformationen der 16 Wetterradare des DWD kombiniert.
Den Entscheidungshilfen ist außerdem eine dreitägige Wettervorhersage (heute, morgen und übermorgen) angeschlossen. Hierbei gilt unbedingt zu beachten, dass sich Prognoseergebnisse, die auf einer Wettervorhersage beruhen, weiterhin ändern können.
Die Ihrer Prognose zu Grunde liegenden Wetterdaten werden Ihnen unterhalb der Ergebnisdetails angezeigt. Zur Anzeige der relativen Luftfeuchtigkeit klicken Sie bitte auf den ausgrauten Legendeneintrag.
Limitationen
Das Entscheidungshilfesystem berücksichtigt keine Sortenunterschiede und kann keine Aussage über die tatsächliche Verfügbarkeit von infektiösem Ausgangsinokulum treffen. Dadurch kann es unter bestimmten Voraussetzungen zur Überschätzung des tatsächlichen Befallsrisikos kommen.
Weiterführende Informationen
Das Entscheidungshilfesystem SkleroPro wurde vom Institut für Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz der Universität Göttingen entwickelt. Es wird durch die Zentralstelle der Länder für EDV-gestützte Entscheidungshilfen und Programme im Pflanzenschutz (ZEPP) und das Julius Kühn-Institut für Strategien und Folgenabschätzung in Zusammenarbeit mit den Landespflanzenschutzdiensten weiterentwickelt und gepflegt. Weiterführende Informationen und Ansprechpartner finden sie unter www.ZEPP.info.